Wahrheit oder Pflicht

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Bald schon würden Liams "Freunde" hier eintrudeln. Mum und Dad hatten nichts dagegen, im Gegenteil, sie freuten sich das Liam und ich ein wenig Zeit miteinander verbrachten. Zum Glück würde Mara auch mitspielen. Diese Tatsache beruhigte mich wenigstens etwas, aber ich wusste, dass sie mir nicht helfen konnte.

Nach wenigen Minuten saßen alle bei mir im Zimmer. Cleo, Ava, Tessa, Liams Barbies und...Kaden. Ich war sowieso schon angespannt, aber ein Blick in Kadens Augen und ich verspürte den Drang mich kopfüber aus dem Fenster zu stürzen. Mara stupste mich aufmunternd an. Sie wusste nicht was ich wirklich in Kadens Nähe empfand. Das war kein Hass oder Abneigung, das was ich fühlte war bittersüße Angst.

"Okay, fangen wir an."

Liam sah grinsend in die Runde und drehte die Flasche. Sie landete auf Cleo.

"Cleo Süße, Wahrheit oder Pflicht.", fragte Kaden mit seiner rauchigen Stimme, die alle Mädchenherzen schneller schlagen ließ.

"Pflich, schließlich bin ich kein Weichei!"

Das stimmte. Cleo war eine toughe Frau, wenn auch etwas naiv und verrückt.

"Na schön. Du darfst dir jemanden aus der Runde aussuchen, mit dem du einen Zungenkuss vor den Anderen vollführst."

Cleo klatschte beigeistert in die Hände und setzte sich breitbeinig auf Kadens Schoß. Die 2 Barbies zischten sie beleidigt an, während ich den Blick abwenden musste. Sie wusste nicht auf wessen Schoß sie da saß...er war ein Monster.

"Psst, Mila alles klar?"

Ava musterte mich besorgt aus ihren großen haselnussbraunen Augen.

Ich nickte nur, da dieser bittere Geschmack plötzlich in meinem Mund war.

"Wow. Das war heiß!"

Kaden schob Cleo von sich und zwinkerte ihr als Belohnung noch einmal zu, ehe er ihr Handy nahm und seine Nummer eintrug. Die Beiden anderen Mädchen versuchten einen Blick darauf zu erhaschen, aber Cleo blockierte das Blickfeld und das nicht unabsichtlich.
Ich war kurz davor aufzuspringen um Kaden etwas über den Schädel zu ziehen. Sein Anblick machte mich krank, vor allem weil sein Blick immer mal wieder mir galt. Und in diesem Blick lag so viel Wut und Hass das mir ganz schlecht wurde.

Cleo drehte die Flasche und sie blieb bei Mars stehen.

"Mars Süße, Wahrheit oder Pflicht?", fragte die Barbie mit viel zu hoher Stimme.

"Wahrheit", antwortet Mara kleinlaut. Im Gegensatz zu mir stand sie gar nicht gerne im Mittelpunkt.

"Bist du noch Jungfrau Mara?"

Meine Schwester lief knallrot an. Ich hatte dieses Püppchen schon von Anfang an nicht gemocht aber jetzt wuchs die Abneigung nochmals ein ganzes Stück mehr. Ich musste mich zusammenreisen ihr nicht an die Gurgel zu springen.

"Äh, ja bin ich."

Das Mädchen lachte trocken auf und warf Mara einen angewiderten Blick zu.

"Natürlich bist du noch Jungfrau, schließlich bist du eine Summer. Die lassen sowieso keinem ran. Ihr Beide seit einfach verwöhnte Gören die sich für jeden zu Schade sind!"

Es war vorbei mit meiner Selbstbeherrschung. Fuchsteufelswild sprang ich auf, noch bevor Ava mich am Ärmel packen konnte.

"Jetzt sperr mal die Lauscher auf du kleines Luder! Lieber so, als wenn in meinem Bett mehr Betrieb herrscht als an einem Flughafen! Du bist die, die einem leid tun sollte, motzt dich auf und wirst dich jedem Jungen an den Hals, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist so armselig, also sag DU mir nicht wen und wann ich zu ficken habe, hast du mich verstanden?"

Hilfesuchend sah sie zu Kaden, der nur dämlich grinste.

"Wenn du dieses Temperament auch im Bett hättest Mila, dann hätte ich nicht mit dir Schluss gemacht."

Kadens Stimme klang so belustigt, als würde es ihm Spaß machen mich zu verletzen. Meine Wut verpuffte und ich setze mich mit wackligen Beinen wieder neben Ava und Mara.

"Halt die Klappe Kaden. Mila ist einfach eine Nummer zu groß für dich. Aber ich bin ja noch da!"

Das war Cleos Art mir zu helfen. Schräg aber ich war ihr trotzdem dankbar.

"Schluss jetzt, ich drehe jetzt!"

Mara griff nach der Flasche und drehte sie mit ordentlich Schwung.

Liam.

"Wahrheit oder Pflicht Süßer?"

Cleo wartete ungeduldig auf die Antwort. Auch ich hob den Blick und war gespannt.

"Pflicht!"
Selbstsicher grinste er Cleo zu, deren Wangen sich sofort rosa färbten. Was fand sie nur an ihm? Klar er was heiß und selbstbewusst und hatte Muskeln die man anbeten musste und küssen wollte...was dachte ich denn da? Er war ein nerviger und verwöhnter Idiot! Nicht mehr und nicht weniger!

"Okay. Du darfst dir ein Mädchen im Raum aussuchen, die dir einen Wunsch erfüllen muss."

Plötzlich wurde es ganz still im Raum. Alle Augen waren auf Liam gerichtet. Die Barbies schauten ihn flehend an, Mara berechnend und Cleo schaute als würde sie jeden Moment ihre Klamotten durch den Raum schmeißen.
Ich war die Einzige sie betete, er möge eine der Barbies nehmen. Von mir aus würde ich ihm für heute Nacht auch mein Bett leihen, Hauptsache er ließe mich in Frieden.

Mein Herz schlug so schnell in meiner Brust, das ich Angst hatte, es könnte rausspringen.

Liam schaute alle Mädchen nach der Reihe an. Aber natürlich blieb sein Blick an mir hängen. In diesem Moment wäre ich gern selbstständig ins Koma gefallen. Warum musste er mich immer provozieren? Warum immer mich?

"Mila.", sagte er mit fester Stimme.

"Scheiße!", fluchte ich und funkelte ihn wütend an.

Mara rammte mir ihren Ellbogen in die Rippen. Eine Warnung, ich solle ruhig bleiben.

"Mehr oder weniger gute Wahl. Wie lautet dein Wusch."

Moment, hatte ich denn gar nichts mitzureden?

"Entschuldige mal, darf ich auch etwas dazu sagen?", schnaubte ich.

"Du hast die ganze Zeit die Klappe auf, also nein!", lachte Liam.

Heute nach würde ich ihn lebendig begraben! Gleich neben dem Kompost! Dort würde er dann elendig ersticken und verfaulen. Die Vorstellung stimmte mich ganz kurz glücklich.
Dieses Glück zerbrach aber in tausend Scherben, als Liam seinen Wusch äußerte.

"Ich will heute Abend an deiner Seite schlafen."

Der Badboy in meinem ZimmerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt