3 Schritte zurück zu dir.

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Dinge, die du oft gefragt wirst, verlieren den Reiz sich mit ihnen auseinanderzusetzen, hast du mir mal erzählt. Und dennoch frage ich dich ein letztes Mal, wann du endlich aufhören wirst, mit spitzen Fingern einige der Scherben als makabere Souvenire aufzuheben. Am Liebsten würde ich es dir in dein starres Gesicht schreien, damit du endlich zuhörst und verstehst. Schau dich um und entdecke die Toten, die deinen Weg bis hier hin beflügelten, wo auch immer du hier gelandet bist. Schmecke die graue Luft, die in einer Wolke direkt über dir hängt. Und noch ein letzter Satz an dein Bewusstsein, das seit 11 einsamen Jahren mehr ein allumfassendes Sein als ein klarer Gedanke zu sein scheint. Je mehr Leben du den Menschen raubst, desto weniger bist du einer von ihnen.

Du erzählst mir immer wieder, dass du genau im Takt läufst, dein ganzes Leben lang. Dabei ist dein Puls mittlerweile so viel leiser als ihrer. Beinahe stumm. Du würdest es niemals zugeben, aber wenn du mich ansiehst, erkenne ich, dass dein Herz, das was dich antreiben sollte, genauso stumm, taub und wenig kompromissbereit ist wie deine Worte. Die Scherben prasseln auf dich nieder und du öffnest den Mund um sie zu schmecken. Sie stehen für alles, worüber du in der vergangenen Zeit nur gelacht hast und andere daran zu Grunde gegangen sind und leblos unter ihnen liegen, ohne jede Ambition, sich jemals wieder zu befreien.

Die nassen Steine unter dir verschlucken dich fast im Dunkeln der Nacht in deiner kleinen besonderen Gasse, fernab von der Wahrheit.

Nach einer langen Taubheit brechen Farben auf am Himmel. Sie verdrängen die Unendlichkeit der Sterne. Gestein, das dir einmal den Weg leiten konnte, als ihr Leuchten deines noch nicht überschattete. Jetzt sind sie genauso verschwunden wie jedes andere Detail in deinem Leben, das dir trotz einem breiten Lächeln die Kehle zuschnürt. Aber Sympathie wird ja bekanntlich überschätzt, nicht wahr? Das sagtest du mir doch immer, damals als wir nachts in der dunkelblauen Trostlosigkeit unseres Glücks lagen.

Jetzt starrst du hilflos auf das Scherbenmeer unter deinen splitterfasernackten Füßen, die sich in den scharfen Boden krallen um den Halt nicht zu verlieren.

Und wieder lachst du, weil die Erinnerungen, die du durch die Splitter mitnehmen wolltest, für dich nicht mehr von Bedeutung sind, egal wie viele funkelnde Splitter du noch aus dem Boden ziehst.

Als hättest du die, die hinter dir kalt und achtlos auf der Erde liegen, niemals getroffen. Aus den Augen, aus dem Sinn. So war das doch, richtig?

Als wären sie nicht lebendig oder tot, sondern einfach nur da.

Vielleicht bist du das ja: Einfach nur da.

Vielleicht bist du aber auch: der Boden, die Scherben, die Nächte, die Farben, das Meer.

Wer kann das schon so genau bestimmen in dieser kleinen detailreichen Welt.

Doch Wunder geschehen.

Und dann, nach 11 einsamen Jahren, in denen nichts laut genug war um dich zu wecken, nimmst du die Rufe endlich wahr. Als sie lauter und immer lauter werden, schüttest du die Scherben zurück auf die Erde. Und ganz ohne ein Wort rennst du los, hinaus aus deiner dunklen Gasse in Richtung der unendlich weiten Feldern, bis du mit dem schwarzen Himmel verschmilzt. Nicht mit den Füßen, sondern mit dem Kopf voran, genau 3 Momente hinter dem Rhythmus. Und mit dir sammelst du alles hinter dir ein und alles vor dir und du hoffst, dass sie noch sprechen können.





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