Schmerz ist manchmal ein vollkommen unfassbarer Begriff. Der sich wie ein unsichtbares Tier in meinem Körper ausbreitet. Auch an den guten Tagen schwimmt er nah an der Wasseroberfläche. Doch selbst bei dem Versuch, meinen ständigen Begleiter zu beschreiben; ihn in Worte einzukleiden, um ihn zu erklären, setzt er meinen Sätzen Grenzen, die die andere Seite der Welt vor mir versteckt. Er will mich festhalten. Er war der Erste, der mich gekannt hat und der mich an Orten gefunden hat, an denen ich immer noch ein paar Meter tiefer fallen konnte. Denn diese konnte ich niemals schützen. Und aus diesem Grunde versucht er mich seit Jahren daran zu hindern, ihn in formlose Sätze eines Leidens schwarz auf weiß drucken. Sprache ist mein Ding- aber es war nie seins.
Es ist so unglaublich schwer die richtigen Worte zu finden. Dafür, wer er ist und wie er mich verändert hat. Es ist so unfassbar schwer. Weil es aus 26 Buchstaben unseres Alphabets trotzdem eine unbegrenzte Anzahl von unpassenden Worten gibt. Unpassend. War zu oft. Viel zu oft. Lebensgefährlich.
Worte machen mir Angst. Manchmal viel mehr als der Schmerz selbst. Und an manchen Tagen verliere ich mich in ihnen und kann meine Geschichte nicht mehr von der dieser Welt unterscheiden. Dann hilft nur noch atmen. Und darauf warten, dass meine Stimme zu mir zurückfindet. Um zu sagen, wo es wehtut. Und warum. Oder warum nicht. Die Frage nach dem Warum ist komplexer als alle Fragen dieser Welt. Denn manchmal löst sie das Problem. Und manchmal schenkt sie ihm ein Stückchen Realität, das es am Leben hält.
Aber wenn der Tag gekommen ist. Der eine ganz bestimmte Sonnenaufgang, der meine Nacht vertreibt. Der Tag, an dem ich nicht davonlaufen. An dem ich stehen bleibe, weil der Weg vor mir eine einzige Einbahnstraße ist. Dann ist der Tag gekommen, an dem ich meinen Schmerzen Namen gebe und sie nach Zeit und Erinnerungen sortieren kann.
Und wenn der Klang meines Schmerzes meine Zunge verlässt, zieht er aus meinem Körper aus. Und auf einmal kann ich tatsächlich nach ihm greifen. Ihn betrachten von allen Seiten, bis es ihm unangenehm wird, weil ich alle seine Seiten viel zu gut kenne.
Und je mehr ich mich aus seinen stumpfen Augen verliere, nimmt die Distanz den Schrecken meiner Erinnerungen, bis sie nichts weiter als verstaubte Umzugskartons sind.
Schmerz. Verändert sich. Und vergisst nicht. Aber manchmal. Nach Jahren des Leidens und einem Wettlauf zwischen Angst und Tod. Wird er dein Verbündeter.
DU LIEST GERADE
Thoughts.
PoetryMein Kopf quillt über vor Geschichten, Gedichten und zusammenhangslosen Sätzen , die mich nachts nicht schlafen lassen, weil sie mich nachdenken lassen. Meine Notizbücher sind überfüllt. Und vielleicht ist genau das der Grund dafür, dass ich mich en...
