Ich bin jung und leicht zu beeinflussen.
"Ey, das ist super"
Ja, denkt sich mein Kopf. Vielleicht, denken meine Ohren. Bald, sagen meine Augen. Ich tauche alles in ein fadenscheinig buntes Licht und lache einmal laut. Löse alle Kritik von mir und alles, was mal wichtig war.
Der Song läuft nochmal. Das fünfte Mal. Und meine Füße bewegen sich im Takt. Mein Mund formt Worte, dir mir nicht gehören.
"Ey, das ist super"
Ich bin jung, denke ich. Jung. Aber seit wann ist jung eine Entschuldigung für irgendetwas. Eine Entschuldigung für eine fehlende Meinung und viele instabile Werte in einem Netz aus Sprache, die nicht für mich erfunden wurde.
"Du bist formbar"
Aber formbar ist nichts, wofür ich stehen will. Und auch, wenn ich deinen Musikgeschmack allzu schnell in meinen eigenen aufnehme, bedeutet das nicht, dass ich anfange, Sexismus, Diskriminierung oder pure Unawissenheit und höfliche Ignoranz zu unterstützen, weil so viele Menschen auf diesem Fleck Erde existieren, die das tun.
Vielleicht bin ich formbar. Noch. Weil ich mich noch nicht bis ins letzte Detail kenne und Menschen zu oft mit Liebe verwechsele.
"Ey, das ist super"
Sage ich und meine es auch so. Und bin beruhigt. Ich habe keine Angst vor meiner schaukelnden Identität und der spontanen Begeisterung.
Ich habe keine Angst. Weil ich denke. Und das Nachdenken nicht vergesse. Prioritätenliste Platz Nummer 1.
"Ey, das ist super"
Denn, das ist es. Super.
Ich habe es lange hinterfragt. Lange genug um zu sagen, dass ich den Song mag, egal ist, dass du ihn liebst und egal ist auch, dass mein Vater ihn aus Hass täglich dreimal auf stumm dreht. Genauso wie ich weiß, dass ich den mächtigsten Mann der Welt scheiße finde. "Scheiße" ist kein literarisch wertvolles Wort. Nichts, worauf die Sprache stolz ist. Aber ich finde das ganz passend. Denn der Stolz würde missbraucht, würde er dem Präsidenten eines Landes dienen, der seine eigenen Bürger ermorden lässt. Der seine Macht nutzt, um neuen Hass zu schüren, weil ihm die Zerstörung des Alten nicht reicht. Oder eine Partei darin zu unterstützen, Kriege zu verleugnen und Diskriminierung, Homophobie und Fremdenfeindlichkeit wieder populär zu machen in einem Land, das schon gelernt haben sollte.
"Ey, das ist super"
Sagt jemand, der nicht älter ist als ich.
Ich denke. Er nicht.
17. Ist kein Alter. Und trotzdem alt genug, denke ich.
Alt genug um zu verstehen.
Denn, ey, das wäre super.
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Thoughts.
PoetryMein Kopf quillt über vor Geschichten, Gedichten und zusammenhangslosen Sätzen , die mich nachts nicht schlafen lassen, weil sie mich nachdenken lassen. Meine Notizbücher sind überfüllt. Und vielleicht ist genau das der Grund dafür, dass ich mich en...
