Ich dachte, ich fange mit einem Text an, den ich für unser letztes Theaterstück geschrieben habe. Er wurde dann in eine Szene integriert, beziehungsweise wurde die Szene um ihn herum gebastelt. Wie auch immer, der Text ist durch einen Tanz zu dem Klassikwerk "Spiegel im Spiegel" entstanden (siehe Medienbox). Als ich den Text betitelt habe, wusste ich übrigens noch nicht, dass die Komposition so heißt. Ob das jetzt Zufall oder Schicksal war, könnt ihr selbst entscheiden.
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Das Mädchen stand in der Ecke eines verlassenen Raumes, als ich ihm zum ersten Mal begegnete. In dieser Zeit war ich noch in dem Alter, in dem alles um mich herum blühte-
Die ganze Welt war bunt.
Doch diese eine Nacht war anders. Sie war...grau und furchteinflößend.
Das Mädchen stand in einem weißen Hemd am Fenster eines schwarzen Zimmers, dessen Wände mich von allen Seiten zu bedrängen schienen. Sie stand mit dem Rücken zu mir und ich erkannte ihr Gesicht nicht. Sie sagte kein einziges Wort. Sie bewegte sich nicht. Es war totenstill. Ich wagte es kaum zu atmen. Dieser Ort war mir völlig fremd und diese unwohlige Stille engte mich ein und drückte mich nieder. Sie passte nicht in meine kleine Welt und ich begriff nicht, warum sie mit ihrer tristen Atmosphäre in mein Leben eindrang.
Jahre später hatte ich mein Erlebnis längst verdrängt, doch in meinem Kopf schwirrten die Gedanken um sie immer noch unbewusst herum. Monate strichen vorbei. Keine glücklichen Monate, nein. Sie brachten Traurigkeit und Einsamkeit mit sich und Dinge, die ich am liebsten vergessen würde, es aber nicht konnte.
Es war, als ob die Farben um mich herum langsam verblassten. Und immer wenn die Sterne am Himmel anfingen zu funkeln, begannen für mich die grauen Nächte. Ich fiel in unruhig tiefe Träume und eines Nachts traf ich sie wieder.
Ich stand in dem gleichen dunklen Raum wie damals und das Mädchen wartete am Fenster. Wartete es auf mich? Ich ging langsam auf sie zu. Es war stockdunkel. So dunkel, dass ich nicht einmal sah, wo ich hintrat und plötzlich bekam ich wahnsinnige Angst zu fallen.
Mir fiel auf, dass ich das Gesicht des Mädchens nicht kannte.
Nun stand ich vor ihr. Langsam drehte sie ihren Kopf zu mir, sodass ich ihr direkt in die Augen blicken konnte.
Ich war geschockt: Das graue einsame Mädchen war ich. Es war ein Spiegel. All die Jahre hatte es sich nicht gezeigt, weil es gewartet hatte. Gewartet auf ihre Zeit, bis ihre Zeit kam und sie sich in mein Leben drängen konnte. Wenn es genug Platz für sie in meinem Leben gäbe. Und nun war ihre Zeit gekommen, sie war da. Und ich verstand, dass ich sie nicht in meinem Leben haben wollte. Sie war kein Teil von mir und sollte es auch niemals werden. Sie gehörte nicht zu mir. Und da begriff ich, dass ich etwas tun musste, wenn mein Leben anders verlaufen sollte. Ich begann, die Welt anders zu sehen nach dieser Nacht. Ich fand Menschen, die mich wirklich glücklich machten und Dinge, die es wirklich wert waren, gesehen zu werden.
Das Mädchen kam nie wieder. Und ich begriff es; begriff das Leben. Es lag nicht in meiner Hand das Schicksal zu lenken, aber ich war in der Lage, meine Gegenwart, meine Geschichte glücklicher zu schreiben. Und darauf kommt es wirklich an.
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Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr könnt vielleicht sogar ein bisschen was für euch aus der Geschichte mitnehmen. Denn, so kitschig sich das auch anhören mag: Das Wichtigste ist, dass wir uns nicht aufgeben, egal was sich auch für böse Stimmen manchmal in unsere Köpfe schleichen. Ihr seid in der Lage dazu, etwas in eurem Leben zu verändern, das euch runterzieht oder einfach nur unglücklich macht. Und an alle unter euch, denen es gerade nicht so gut geht: Haltet durch.
So lange ihr für euch selbst einsteht und kämpft, wird es wieder besser, egal wie schlimm es im Moment ist.
Ich glaube an euch.
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Thoughts.
PoésieMein Kopf quillt über vor Geschichten, Gedichten und zusammenhangslosen Sätzen , die mich nachts nicht schlafen lassen, weil sie mich nachdenken lassen. Meine Notizbücher sind überfüllt. Und vielleicht ist genau das der Grund dafür, dass ich mich en...
