Dienstag
30.05.2015Es ging um mich. Jedes Wort, das sie sprachen handelte über meine Zukunft. Egal ob es Benno, Jule oder sogar Carlo in dem Mund nahm. Sie wollten mich einbringen und
niemand, der dazu gestoßen wäre, wäre auf eine andere Schlussfolgerung gekommen.
Die Frage war nur, warum Carlo das für mich tat. Es war doch nicht mehr als ein Spiel.Meine Augen flogen über den Tisch, über die vielen Skizzen, die Pläne und das Chaos zwischen ihnen. Benno plapperte etwas von einem neuem Design während Jule sich mit dem Marketing auseinander setzte und Carlo starrte mich einfach an. Seine verträumten braunen Augen sahen in meine und ich wäre beinahe dahin geschmolzen. Ein wenig glücklich, einen Hauch nachdenklich betrachteten sie mich und ich starrte ebenso zurück. Wir saßen nicht mehr als einen halben Meter auseinander und es raubte mir meinen Verstand.
Warum wollte er mich unbedingt dabei haben? Es hätte tausend Menschen gegeben, die es mehr verdient hätten, neben ihm zu sitzen und doch hatte er mich gefragt. Unter dem Tisch bemerkte ich wie seine Hand meine fasste. Mein Atem blieb aus, ruckartig entriss ich sie ihm und stand blitzschnell auf meinen Beinen. Dieses Spiel war ein furchtbarer Fehler. Ich hätte ihm das Geld geben und verschwinden sollen. Aber ihm nicht mehr unter die Augen treten zu können, hätte mich noch mehr zerstört. Ich hatte seine Nähe schon heute vermisst.
Die Blicke von den anderen waren verwirrt, nur Carlo lehnte sich entspannt zurück. Sein Ausdruck wirkte gequält cool. Tat es ihm auch ein wenig weh? Nahm er mich deshalb mit ins Boot, wollt er dass ich bei ihm blieb? Ich hatte es so sehr gehofft. Konnte für meine Theorie aber keine Beweise finden und als er sich eine Zigarette anzündete, verschwand die Frage aus meinem Gesicht. Es war albern das zu denken. Er war immer noch Carlo.
Bennos Hand lag auf meiner Schulter und ich lächelte ihm zu. Ich wusste nicht wie ich mich verhalten sollte. Ich war kurz davor durchzudrehen. Meine Hand kribbelte und ich wollte wegrennen, wegrennen vor all diesen Gefühlen, vor diesem Mann auf dem Stuhl.
"Alles okay?"
Seine Frage war wie einen Fisch zu fragen, ob er an der Oberfläche Luft bekommt. Rein gar nichts war annähernd okay. Sein Bruder brach mir mit jeder weiteren Sekunde ein wenig mehr mein kleines Herz.
"Mir ist schlecht."
Braune Augen sahen mich belächelnd an und seine Mundwinkel zuckten kurz nach oben. Er hatte ja recht, dass hatte ich auch bei ihm als Ausrede benutzt. Etwas besseres fiel mir nun einmal nicht ein. Es tut mir leid. Genau in diesem Moment tut es mir leid, das gesagt zu haben. Es wäre alles anders gekommen, wenn ich da geblieben wäre und nicht in Carlos Garten gegangen wäre. Vielleicht wäre dann jetzt alles in Ordnung.
"Dann gehen wir am besten an die Frische Luft. Jule, Carlo macht ihr währenddessen weiter?"
Seine Schwester nickte lächelnd. Carlo hingegen sah seinen größeren Bruder misstrauisch nach. Er sah ihm zu wie er meine Hand hielt. Er sah uns aus der Türe verschwinden und er wendete seine Blicke so lange ich ihn sah nicht ab. Genauso wie ich.
Benno setzte sich ins Gras, zog mich zu sich hinunter und ließ meine Hand los. Seine Augen forderten mich auf die Wahrheit zu sagen. Mein Bauch rebellierte gegen diese Entscheidung und so blieb ich still.
"Ich weiß von der Wette."
Es waren wenige Wörter, die mir zeigten, welcher Person Carlo am meisten vertraute. Und genau diese Wörter ließen zu, dass mich seine Anwesenheit in jeder weiße störte. Es ändert zu wissen, dass eine Person schon von dir gehört hat und bei mir war es bestimmt nicht positiv.
"Und auch wenn du es dir nicht eingestehen willst, er hat bereits gewonnen und je länger du wartest, je länger hat er Zeit dich zu verletzen."
Eine Gänsehaut überzog meinen Körper. Ich rammte meine Fingernägel in den Boden und unterdrückte dieses selbstzerstörende
Gefühl in mir. Wenn man es sah, dann hatte Carlo es auch schon mitbekommen."Warum hilfst du ihm?"
Wenn er von allem wusste, warum tat er so als würden sie zusammen mit Jule einen Job für mich organisieren? Ich sah ihn an und verstand rein gar nichts mehr. Wollte es eigentlich nicht wahrhaben. Dieses Spiel hatte ewig weitergehen können.
"Carlo hat mich angefleht dich mitmachen zu lassen."
Seine Stimmlage war verlegen. Er war bei seinem eigenem Bruder eingeknickt. Ich war nicht alleine. Er spielte mit jedem. Darum war er auch berühmt.
"Warum?"
Seine Haltung war angespannt.
Nein ich mochte ihn nicht. Nichts an ihm. Außer seine Augen, die starr nach vorne sahen. Sie erinnerten mich an Carlo seine."Weil er es nie zugeben würde ein Herz zu besitzen. Er hat sich verändert. Seit der Sache mit seiner Ex lässt er niemanden an sich ran. Er wird das nicht ändern. Nicht für dich und nicht für jemand anderes. Dachten wir zumindest. Jeder der ihn kennt hat aber mitbekommen, dass er sich in letzter Zeit wieder zum guten verändert hat. Langsam wird er wieder halbwegs normal. Keine Ahnung was du mit ihm machst. Er wirkt viel befreiter. Aber für ihn bist du nur eine seiner Musen. Sobald das alles vorbei ist, bist du kein Thema mehr für ihn. Bei VioVio kreuzt er eh nie auf...Was ich dir damit sagen will: Pass auf dich auf."
Mit diesen Worten ließ er mich alleine. Und ich saß da zusammen gekauert und wusste, dass dieser Kerl recht hatte. Bald war alles vorbei.
War dieser Job ein kleines Dankeschön von ihm? Nach und nach flogen einzelne Regentropfen vom Himmel."Mir wär gerade auch nach weinen", murmelte ich dem Himmel entgegen und stand auf. Weiter arbeiten oder so was in der Art.
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wunderschöne Lügengeschichten (Cro Ff)
Fiksi PenggemarIn manchen Augen kann man sich verlieren. In seinen jedoch ertrank ich. Je länger man sie sich ansah, je mehr bemerkte man die Ehrlichkeit in ihnen, aber noch mehr erkannte man all seine Lügen. Jede einzelne Lüge stand für eine Besonderheit in seine...