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Auch wenn der Himmel hellblau strahlte und es angenehm warm war, löste das dunkle Anwesen eine gewisse Kälte aus. Das eiserne, verschlungene Tor, dass zu dem großen, streng gepflegten Garten und schließlich zu dem Gebäude führte, stand leicht offen. James zögerte kurz, bevor er das Grundstück betrat. Es war alles so düster, viel angsteinflößender als Zissy es jemals war. Doch er lief weiter. Der Garten war noch größer, als er auf den ersten Blick gewirkt hatte. Hier und da standen Büsche, die in verschiedene Formen geschnitten worden waren. Vor dem Haus lief ein prächtiger Pfau entlang.
Das Haus...
Es war mindestens genauso überwältigend wie der Garten. Weiße Mamorsäulen führten durch eine Terasse zum Eingang, schwarze Wände zogen sich mehrere Stockwerke hinauf in den Himmel und hielten ein genauso dunkles Dach. Erker und gewaltige Fenster stachen hervor. James blieb der Mund offen stehen, während er langsam immer weiter lief.
In seiner Had hatte er eine Art Gastgeschenk. Er hatte einen Strauß Blumen besorgt und ein wenig Schokolade. Für wen, wusste er noch nicht so genau. Je nachdem, ob Bellatrix nett war oder nicht, würde es ihr Geburtstagsgeschenk oder Zissys Gastgeschenk werden.
Er stand vor der Eingangstür. Man konnte es eher Tor nennen. Zwei massive Flügeltüren wurden durch ein silbernes Schloss zusammengehalten.
Wie soll ich jetzt bitte reinkommen?
Es gab keine Klingel, solche Muggelerfindungen hatte er bei dieser Familie auch nicht erwartet.
Also suchte James die Flügeltür ab. Sie war über und über mit Verziehrungen und Mustern beschnitzt. Das dunkle Holz schimmerte alt und neu zugleich, es gab keinen einzigen ungewollten Kratzer.
Auf einmal entdeckte der Junge einen Henkel, mit dem man Klopfen konnte. Er war ebenfalls verziehrt und lag gut in der Hand, auch wenn das Eisen recht kalt war.
James klopfte drei Mal. Langsam, aber laut. Er lauschte.
Dann hörte er Schritte. Schnelle, kleine Schritte. Und dann wurde das Tor aufgerissen und Narcissa stand vor ihm. Ihre blonden Haare schimmerten noch silbriger, als sie es sonst schon taten, sie hatte sie zu einer gewollt unordentlichen Frisur zusammengesteckt. Ihre blauen Augen leuchteten hocherfreut.
"James! Da bist du ja endlich!"
Sie raffte für einen kleinen Moment ihr langes, hellblaues Kleid, um über die Stufe zu kommen, und fiel ihrem Freund dann um den Hals.
"Hey, ganz ruhig!", James musste lachen. So spät war er doch gar nicht.
"Ich hatte Angst, du kommst vielleicht doch nicht. Na los, rein mit dir. Die Schuhe kannst du hier ausziehen und da kannst du den Umhang hinhängen.", sie grinste immernoch, stieg wieder über die Stufe in das Anwesen hinein und deutete auf eine Garderobe, die bis jetzt schon sehr voll war.
"Es sind erst die Hälfte der Gäste da."
Als hätte sie James' Gedanken gelesen.

Das Haus war innen genauso eingerichtet, wie man es nach dem Anblick von draußen erwarten würde. Dunkle Fließen belegten den Boden, hier und da sorgte eine der weißen Marmorsäulen für Stabilität (oder vielleicht auch nur für einen imposanten Anblick), die Möbel waren ebenfalls dunkel und altmodisch, nahezu viktorianisch. Kronleuchter hingen von den hohen Decken hinab.
Als Narcissa James dann in das gut gefüllte Wohnzimmer führte, richteten sich alle Blicke auf die beiden Kinder. Die unterschiedlichsten Menschen waren hier versammelt. James erkannte Andromeda, sie wirkte sehr gezwungen und lächelte James irgendwie mitleidig an. Neben ihr stand ein etwas älteres Paar, die Frau hatte die gleichen blonden Haare wie Narcissa, der Mann tiefschwarze. Als nächste entdeckte James Bellatrix, sie trug ein aufwendiges, schwarzes Kleid mit silbernen Verziehrungen, Bändern und Schleifen, in ihren wild gelockten Haaren steckten ebenfalls ein paar silberne Blüten und ihr sonst so geisteskranker Blick bestand nun aus einem noch geisteskrankerem Grinsen. Man sah deutlich, dass sie das Geburtstagskind war.
"Dort hinten kannst du die Geschenke hintun. Dann stell ich dir ein paar Leute vor", Zissy schaute immernoch sehr aufgeregt und glücklich. Mit ihrem Finger deutete sie auf einen riesigen Haufen verpackter Geschenke. Es waren bereits um die 50 Stück. Und es würden noch mehr Gäste kommen.
Während James sich bewegte, folgten ihm ein paar Blicke. Die meisten hatten ihre Gesichter schon wieder abgewand, um ihre Gespräche weiter zu führen, doch der Rest beobachtete den Unbekannten weiterhin.
"Awww, Zissy, dein Freund hat auch was für mich mitgebracht!"
Bellatrix war eine dieser wenigen. Sie kam nun neugierig angehüpft, ihre Locken schwungen bei jedem Schritt mit.
"Hallo, du bist Bellatrix, nicht wahr? Alles Gute zum Geburtstag!"
James grinste höflich und übergab ihr vorsichtig den Blumenstrauß.
Bloß nicht zu viel Körperkontakt mit der.
"Danke James. Meine Schwester hat mir schon viel von dir erzählt, sie hat regelrecht auf meinen Geburtstag gewartet."
In ihrem Ton schwang eine gewisse Verachtung mit.
"Bella, ich will James Mum und Dad und die anderen vorstellen. Wir sind gleich wieder da"
James war aus irgend einem Grund froh, dass Narcissa ihn von der lauten und hohen Stimme ihrer Schwester wegzerrte.

The Marauders - From the beginningWo Geschichten leben. Entdecke jetzt