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"Und du bist sicher, dass du die kompletten Sommerferien bei dir Zuhause sein willst?"
James stand mit Sirius, Remus und Peter in ihrem für die Fahrt nach Hause erobertem Abteil.
Peter schlief mit dem Gesicht an die Wand gedrückt, sein Mund war verzogen und stand weit offen.
Er war müde gewesen, nachdem er zum Abschied noch einmal die Slytherins in den Dunklen See geschubst hatte.
"Keine Sorge, Jamesie. Ich muss ja irgendwann mal wieder dort auftauchen. Es ist schließlich meine Familie."
Jetzt schaltete sich auch Remus ein, auf seinem Gesicht lag ein besorgter Ausdruck; James hatte ihn noch nie so gesehen.
"Aber was, wenn es wieder eskaliert? Du kannst nicht immer auf deinen Bruder aufpassen."
"Es... es geht doch nicht nur um Regulus. Je länger ich weg bleibe, desto schlimmer wird der Ärger."
James war klar, dass es ihm ausschließlich um Regulus ging. Sirius hatte sich immer um seinen Bruder gesorgt, wenn er bei James Zuhause gewesen war. Jedes Mal, wenn er James und Amelia zusammen gesehen hatte, wurden seine Augen wieder dunkler und er wurde nachdenklich.
Doch ihm war auch klar, dass er Sirius nun von nichts abhalten konnte.
"Aber wenn du es nicht mehr aushälst, kommst du sofort zu mir, okay? Versprochen Sirischatzi?"
"Versprochen, Jamesie!"
"Zu mir kannst du auch, falls du noch weiter von Zuhause weg willst..."
Remus lächelte aufmunternd und Sirius sag ihn dankbar an.
Es stimmte, James wohnte gefährlich nah bei den Blacks.
"Danke, Leute. Danke dass ihr dieses Jahr so für mich da gewesen seid."
"Hey Kumpel, das ist doch selbstverständlich. Das machen Freunde so."
"Die ersten Freunde die ich hatte!"
Sirius lachte, er zog seine Kindheit immer ins Lächerliche, doch dieser Satz schien bei Remus etwas ausgelöst zu haben, denn der kränkliche Junge riss auf einmal die Augen auf, als wäre ihm etwas bewusst geworden, was er schon lange hätte merken müssen.

"Zwei muggelstämmige Auroren ermordet aufgefunden
In Greenwich wurden in einem ländlichen Anwesen heute zwei muggelstämmige Auroren tot aufgefunden. Alamiert von Schreien hatte ein benachbarter, nicht-magischer Anwohner die Polizei (Auroren der Muggel) benachrichtigt, was darauf schließen lässt, dass die Opfer gefoltert wurden und der schützende Zauber um das Anwesen herum unwissentlich zerbrochen war, sodass die Nachbarn die Schreie hören konnten.
Das einst so gemütliche, schöne Haus ist von heute an zerstört, eine komplette Hausseite wurde weggesprengt, überall liegen Trümmer, welche auch die Opfer bedecken sollen.
Die ermittelnden Auroren berichteten, dass das Ehepaar schnell gestorben sei, der benutzte Zauber scheint der Unverzeiliche Todesfluch Avada Kedavra gewesen zu sein. Magische Zeugen sagten aus, sie hätten einen unter einem großen, schwarzen Umhang bedeckten Mann aus dem Haus eilen sehen, der sich nach kurzer Zeit ohne Besen in die Luft erhoben hätte.
Andere widerum bekräftigen, sie hätten eine ganze Gruppe maskierter Zauberer in genau die entgegengesetzte Richtung flüchten sehen, in welcher letztendlich auch ein verdächtiger Zauberer geschnappt wurde. Philius Lestrange soll bei der Tat geholfen oder zumindest neugierige Blicke ferngehalten haben.
Als er verhaftet wurde, hatte der Tatverdächtige gelacht und gerufen, der Dunkle Lord sei auf dem Vormarsch, ab jetzt wäre kein Blutsschänder mehr sicher.
Nach mehreren, aufwändigen Recherchen haben wir, das Team vom Tagespropheten dennoch nichts über den Dunklen Lord und seine Anhänger herausgefunden.

Anhand des Mordes lässt sich allerdings schlussfolgern, das es sich um einen wahnsinnigen und auch krankhaft besessenen Reinblüter handeln muss, der, wie auch Gellert Grindelwald vor ihm, das reine, starke Blut der Zauberergesellschaft schützen und Muggelstämmige und Zauberer mit muggelstämmigen Vorfahren aus dem Weg schaffen will.
Es war lediglich ein mutwilliger Anschlag, laut des verhafteten Verdächtigen der "Erstschlag", es wurden keine wertvollen Gegenstände enteignet.

Mehr über den "Dunklen Lord", Seite 4
Wie Sie sich schützen können, Seite 6
Die reinblütige Familie Black, Seite 8
Die Gefahren der europäischen Länder, Seite 9
Gellert Grindelwald, Seite 15

James Potter saß im Wohnzimmer seines Hauses, es war mitte August, die Sonne trocknete jeden Tag aufs Neue die Gräser und Büsche Londons aus, seine Eltern steckten immernoch in den Ermittlungen des Falles, über welchen er genau in diesem Moment auf den gelblichen Pergamentseiten des Tagespropheten las.
Das blaue Feuer im steinernen Kamin der Potters flackerte und knisterte vor sich hin, während der noch so kleine Junge fassungslos und entsetzt auf den Bericht in seinen Händen starrte.
Seine braunen Augen waren geweitet, er bemerkte nicht, dass auch die große, rote Katze mit dem gespaltenen Schweif nervös auf ihrem kleinen Teppich herumzappelte.
Es war ruhig.
Zu ruhig.
Noch einmal ließ James seinen Blick über den Namen des vermutlichen Täters schweifen.
Philius Lestrange.
Er hatte dem Mann auf dem außergwöhnlichem Geburtstag von Bellatrix die Hand geschüttelt.
Er hatte sich mit dem Mann unterhalten, der seinen Sohn mit Bellatrix vermählen wollte.
Schwach erinnerte sich James an die harten, kantigen Gesichtszüge, die tief in ihren Höhlen liegenden, durchgehend schwarzen Augen, die Lippen, die zu einem schmalen Streifen zusammengepresst waren, die lange, schmale Nase, die so flach war, dass sie garnicht in das Profil des alten, faltigen Mannes passen wollte. Mister Lestrange hatte nett gewirkt. Er hatte sich sogar ein Lächeln abgezwungen, als Narcissa so von James geschwärmt hatte.
Und nun stand dieser nur allzu gut bekannte Nachname fett gedruckt im Tagespropheten, Zauberer redeten überall nur noch über diese eine reinblütige Familie und die Blacks, die als die ersten Anhänger des Dunklen Lords gelten sollten.
James dachte an Sirius. Wie er sich fühlen musste. Er war so sehr gegen die Ansichten seiner Familie, und genau jetzt, wo er wieder bei ihnen wohnte, passierte so etwas.
Nur schwach konnte James sich vorstellen, wie kraftlos und allein sein bester Freund nun wohl in seinem Haus sitzen würde, immer so wirkend, als würde er das Geschehen unterstützen.
James' Gedanken schwangen weiter. Dorea Potter. Sie war James' Großmutter, gebürtige Black, bevor sie Charlus geheiratet hatte. Sie war selbst eine verfechterin der Reinblütigkeit, auch wenn sie nie zu radikalen Mitteln wie Mord greifen würde. James war nie gerne bei ihr gewesen, denn immer wenn Charlus einkaufen oder arbeiten gewesen war, hatte Dorea Tobsuchtsanfälle entwickelt, die meist mit einem vor Schmerzen schreiendem kleinen James geendet hatten. Dies hatte erst aufgehört, wenn Charlus wieder zuhause war, und komplett geendet, als Amelia sich bei ihren Eltern beschwert hatte.
Dass James' Großmutter eine Black war, machte den Jungen zum Großcousin seines besten Freundes. Er wusste nicht, ob Sirius sich dessen bewusst war.
Wie verkraftete Fleamont Potter die Tatsache, dass nicht nur ein Mitglied seiner Familie nun solche Ziele verfolgte.
Er dachte an Amelia. Seine kleine, so junge, wunderschöne und unwissende Schwester. Auch sie trug den Namen Potter und auch sie gehörte dieser schändlichen Familie an. Doch sie war viel zu gutherzig, um auch nur einmal in ihrem Leben an etwas wie Töten zu denken, egal fpr welche Zwecke es war.
Wie würde sie es verkraften, wenn sie wüsste, zu was sie hätte erzogen werden müssen?
Wie würde sie auf die Gefahr reagieren, die ihr nun drohte, nun, da sie eine Blutsverräterin wie James war?
Wieder schweifte der Blick des kleinen Jungen über das beschriebene Pergament. Er saß in einem für ihn immernoch zu groß wirkenden, abgenutzten, braunen Sessel, auf dem kleinen runden Kirschholztisch vor ihm stand eine Schüssel mit etwas, das einmal Eis hatte sein sollen. Nun war es nur noch eine lauwarme, helle und dicke Flüssigkeit.
Gellert Grindelwald.
Warum tauchte dieser Name immer wieder auf, überall, egal wo James suchte?
Was hatte dieser Mann zu bedeuten?
Warum wurde er in die Ermittlungen des toten Ehepaares mit einbezogen, wenn er doch ganz offensichtlich nichts damit zu tun hatte?
Seine Gedanken wurden unterbrochen als er ein Klopfen an der Tür hörte. James sprang auf und lief mit wackligen Beinen zur Tür des Anwesens.
Diese Welt machte ihn fertig.

The Marauders - From the beginningWo Geschichten leben. Entdecke jetzt