Kapitel 3 - Das Miraculous

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Kaum klingelte es zur Pause sprangen die Anderen auf und sammelten sich um Lunas Tisch. »Hey, Willkommen an François-Dupont!«
»Du bist echt von China auf die andere Seite der Welt gezogen? Heftig!«
»Kann ich dir später vielleicht ein paar fragen stellen? Ich führe einen Blog und du wärst das Highlight des Tages!«
»Du hast so schöne Haare!«
Luna packte ruhig ihre Sachen ein, ohne auf den Trubel zu achten. Nach und nach verstummten die Fragen und sie stand auf, alle wichen zurück. »Ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich muss dringend den Chemie-Raum finden. Ich kenne mich hier noch nicht so gut aus, also kann das vielleicht etwas dauern.« Sie legte den Kopf schief und lächelte wieder ihr Halb-Lächeln. Sofort überschlugen sich alle vor Hilfsbereitschaft, jeder bot ihr an, sie hinzubringen. Ihr Blick wanderte zu mir und mir wurde klar, dass sie wahrscheinlich von mir erwartete, ihr zu helfen. Madame Bustier hatte das ja immerhin höchstpersönlich angeordnet.
»Also... Ich könnte dir den Weg zeigen!«, sagte ich schüchtern und sie strahlte mich an.
»Danke sehr!«
Der Rest der Klasse stöhnte enttäuscht, als sich Luna bei mir unterhakte und zur Tür lief. Meine Gedanken rasten. Sie war eine Schönheit, sie hätte jeden um Hilfe bitten können. Sie hatte sich aufgerichtet und mit nichts weiter als einem Lächeln zur beliebtesten Schülerin des Jahres werden können, und doch wirkte sie nicht eingebildet. Sie machte einen vernünftigen Eindruck, wirkte nicht wie jemand, der so egoistisch wie Chloé war und war wunderschön. Sie... Sie wäre eine perfekte Superheldin. Demütig, aber selbstbewusst... Sie war clever, charismatisch und charmant, sie war perfekt! Kaum hatten wir den Chemieraum erreicht stürzten sich die anderen wieder auf sie und ich wurde zur Seite gedrängt. Entschuldigend sah sie mich an, aber ich lächelte ihr nur zu. So wie es aussah, würden wir in Zukunft eine Menge Zeit zusammen verbringen.

In der Fünf-Minuten-Pause zog ich das Kästchen aus meiner Tasche und lief zu Lunas Platz. Alle waren zum Trinken draußen, niemand würde es bemerken, wenn ich ihr das Miraculous unterjubelte. Plötzlich sauste Tian-Lóng aus seinem Versteck und schwebte um mich herum. »Du willst es doch nicht dieser Neuen geben, oder? Du kennst sie doch gar nicht!« Ich scheuchte ihn zur Seite. »Sei still. Ich weiß, was ich tue.«
»Ach was! Das ist nicht einfach irgendein Schmuckstück, das du einem süßen Mädchen schenken kannst! Das hier ist das königliche Miraculous! Die Gabe der Verantwortung, der Ehre und der Befehlsgewalt! Willst du das echt einer - zugegeben, sehr attraktiven - Fremden überlassen?«
»Sie ist die richtige, Tian-Lóng! Ich fühle es!«
»Was du fühlst, sind Hormone! Die Kleine hat dir den Kopf verdreht, gib's zu!«
»Quatsch!«
Plötzlich waren Schritte zu hören und die Tür ging auf, mein Kwami konnte gerade noch rechtzeitig unter einen Tisch huschen. »So, alle hinsetzen, gleich geht es weiter! Und wehe, es albert jemand mit dem Gasbrenner herum!«, rief Madame Mendeleive. Ich warf Tian-Lóng einen gehetzten Blick zu. Er musste unauffällig zu mir zurück fliegen, niemand durfte ihn sehen. Ich wartete, bis die Schüler sich im Raum verteilten, dann gab ich ihm ein Zeichen. Nah am Boden zischte er von Tisch zu Tisch, fast war er bei mir... »AH! Eine Ratte!«, schrie Chloé plötzlich auf und zeigte auf den kleinen Drachen. Blankes Chaos brach aus. Kim sprang panisch schreiend auf einen Stuhl und Chloé rannte auf dem Weg zur Tür fast Sabrina um, die sich mit einem geistesgegenwärtigen Satz zur Seite rettete. Sie schubste dabei eine Schultasche um, die Rose gegen den Fuß stieß und sie hysterisch kreischen ließ. »Sie ist an meinem Bein, sie ist an meinem Bein!« Alya versuchte begeistert, die Ratte zu filmen, aber unsere Lehrerin entriss ihr das Handy. »Also wirklich! Beruhigt euch!« Iwan sah Tian-Lóngs Schwanz aufblitzen und versuchte, ihn zu fassen, aber er stolperte über die umgefallene Schultasche und stieß mich um, die Schatulle flog mir aus der Hand, segelte über Luna hinweg... und sauste zielsicher durch das geöffnete Fenster. Mein Kwami huschte wieder in sein Versteck unter meiner Jacke und die Klasse beruhigte sich langsam wieder. »Wo ist die Ratte hin? Sie war doch gerade noch da!« »Ist wahrscheinlich durch die Tür geflitzt. Jetzt setzt euch endlich und entspannt euch, das Tier war wirklich winzig!«, tönte Kim durch die Klasse, der gerade eben noch schreiend auf dem Stuhl gestanden hatte. Chloé schluchzte theatralisch auf und wandte sich unserer Lehrerin zu. »Madame, ich muss umgehend nach Hause! Ich habe eine furchtbare Allergie gegen Ratten!«
»Jetzt ist sie ja weg, also ab auf deinen Platz!«
»Aber wenn hier nur das kleinste Haar herumliegt, werde ich völlig zusammenbrechen! Meine Atemwege werden zuschwellen, mein Gesicht wird rot und meine Augen fangen an zu tränen! Sind sie sicher, dass sich ihre Versicherung so etwas leisten kann?«
Madame Mendeleive rang die Hände.
»Um Gottes Willen, dann geh halt nach Hause! Die Hausaufgaben wirst du trotzdem machen!«
Chloé grinste überheblich und schnappte sich ihre Tasche.
»Sabrina, du schreibst für mich mit, während ich mich von diesem Schock erhole. Bis morgen!«
Sofort hetzte ich zu unserer Lehrerin.
»Madame, ich muss dringend auf den Hof! Mir ist, äh... Ein Stift durch das Fenster geflogen!«
Sie zog die Augenbrauen so hoch, dass sie unter ihren violetten Haaren verschwanden. »Ein Stift?«
»Nun, es ist ein sehr wichtiger Stift! Mein Glücksstift, sozusagen.«
»Dein Glücksstift. Aha.«
»Ja. Darf ich kurz runter und ihn holen?«
Sie rieb sich die Stirn.
»Ist das dein Ernst, Nataniël? Nein! Dein Glücksstift wird bis zum Ende der Stunde warten müssen.«
»Aber-«
»Kein Aber! Was ist nur mit euch Kindern los, dass ihr alle früher gehen wollt? Es ist erst der erste Schultag! Jetzt setzt euch, ich will endlich mit dem Unterricht anfangen!«

Miraculous 3.2 - AupheliaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt