Kapitel 8 - Überwindung

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»Nataniël hat ja keine Ahnung!«, meckerte Sabrina wütend und lief vor den Bücherregalen auf und ab. Die Bibliothek war zum Glück vollkommen leer. »Wie kann er nur so mit dir reden?« Ich starrte nur stumm auf den Tisch. Wie hatte das so schnell ausarten können? Da nahm ich mir einmal vor, nett zu sein, und dann passierte das! Sie hatten alle recht, musste ich mir eingestehen. Max lag richtig, wenn er sagte, dass Queen Bee ein Fiasko war, und Nataniël hatte nicht übertrieben, als er das mit Adrien gesagt hatte. Ich war so armselig. Energisch schüttelte ich den Kopf und setzte mich gerade hin. Seit wann war ich so leicht unterzukriegen? Mir konnten die anderen doch völlig Schnuppe sein. Trotzdem... »Was denkst du, Sabrina?«, fragte ich meine beste Freundin. »Über Queen Bee?« Überrascht sah sie mich an, dann senkte sie den Blick und nuschelte: »Ist mir egal.« Ich runzelte die Stirn. »Das sagst du doch nur, weil ich das gesagt habe! Jetzt sag schon die Wahrheit!« Sie starrte ihre Füße an und spielte nervös mit den Fingern. »Ich... Ich finde sie... sehr mutig. Ich war gestern auch am Louvre, für die Hausaufgaben. Und dann war da auf einmal dieses Gebrüll und überall war Licht, ich hatte solche Angst. Aber auf einmal war Queen Bee da! Sie hat gesagt, dass sie uns beschützen würde, und das hat sie auch! Egal, was Alix sagt, ohne Queen Bee wären so viele Leute verletzt worden... Sie hat uns gerettet, auch, wenn der gruselige Löwe ihr entwischt ist. Ich... Ich bewundere sie.« Hastig sah sie auf und griff nach meiner Hand. »Aber du hast absolut Recht, Chloé! Es ist unsinnig, darüber zu diskutieren.« Ich sah verlegen zur Seite. »Weißt du, so unsinnig nun auch wieder nicht. Außerdem... du klingst sehr überzeugt, wenn du deine Meinung sagst. Tut dir mal ganz gut.« Begeistert strahlte sie mich an. »Wirklich? Oh, Danke, Chloé!« Ich wurde rot und pustete mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Jetzt übertreib mal nicht. Ich meine ja nur, dass mich das ganze Superhelden-Zeug's nichts angeht.« Sabrina nickte, immer noch lächelnd. »Natürlich! Klar!«

Der Schultag verlief ansonsten recht normal und die Mittagspause kam schneller als erwartet. Ehe ich mich versah war der Klassenraum leer und ich war alleine mit Pollen. Sie sah mich mit regloser Miene an, während ich zerknirscht meine Sachen einpackte. »Bist du sehr sauer auf mich?«
»Oh ja.«
»Hör zu, es ist mir so rausgerutscht! Ich hatte wirklich vor, mich zusammenzureißen.«
»Nun, du hast auf ganzer Linie versagt.«
»Ich...! Ich... Ich weiß. Und... es...«
»Jaaaa?«
»Na ja, es... tut mir leid. Zufrieden?«
Sie schüttelte den Kopf, tätschelte dann aber seufzend meine Stirn.
»Wir probieren es einfach nochmal, in Ordnung? Nur nicht aufgeben.«
Ich nickte und stand auf, Pollen huschte hastig unter meine Jacke. Kaum war sie versteckt hörte ich auf einmal Schritte und Luna trat in den Klassenraum, überrascht sah sie mich an. »Oh, wieso bist du noch hier? Sabrina sucht dich.«
Ich biss mir auf die Unterlippe und zwang mich, keine bissige Antwort zu geben.
»Ich gehe gleich zu ihr. Und was machst du hier?« Na also! Ging doch. Sie lief zu ihrem Platz und hob das Buch hoch, dass sie vorhin gelesen hatte.
»Ich habe meine Notizen vergessen.«
»Ah. Verstehe.«
Stille breitete sich aus und Luna zuckte mit den Schultern.
»Na dann, bis später!«
Ein Impuls durchzuckte mich und ich hielt sie fest. »Warte, ich...«
Verwirrt sah sie mich an und ich ließ sie los. »Ich... Ich wollte nur... Es tut mir leid, was ich vorhin gesagt habe. Du und Nataniël seid doch befreundet, deswegen dachte ich mir, du könntest ihm das vielleicht ausrichten!« Sie runzelte die Stirn. »Natürlich, aber... Warum sagst du ihm das nicht selbst?«
Ich sah zu Boden. »Ich befürchte, dass ich am Ende nur etwas noch Schlimmeres sage... Nicht, dass ich nicht wunderbar vor Leuten reden kann!«, ergänzte ich schnell, »Nataniël mag ich einfach nicht besonders und bei solchen Loosern rutscht mir gelegentlich etwas Gemeines raus. Ist nicht meine Schuld.«
Luna zog eine Augenbraue hoch.
»Warum willst du dich dann bei ihm entschuldigen, wenn du so wenig von ihm hältst?«
»Weil... Weil ich nicht abgrundtief böse bin. Auch nicht besonders gutherzig, aber... Ich habe meine Gründe. Und ich will nicht gehasst werden.«
Luna sah zur Seite.
»Ich verstehe... nur zu gut. Und ich finde es bewundernswert, dass du dich trotz deiner Abneigung gegenüber Nataniël bei ihm entschuldigen willst. Ich hätte auch manchmal gerne die Größe, um meinen - berechtigten - Hass auf bestimmte Menschen zu überwinden.« Hastig riss sie sich zusammen und straffte sich. »Nun, ich werde es Nataniël ausrichten. Sonst noch etwas?«
Etwas lag mir noch auf der Zunge. Luna schien es tatsächlich zu verstehen, also warum nicht? »Ich bin nicht gerade das, was man einen guten Menschen nennen würde.«, platzte ich heraus und zupfte nervös an meinen Haaren. »Und ich habe die Angewohnheit, furchtbare Sachen zu sagen oder zu tun. Aber ich würde gerne... Ich würde wirklich gerne nicht alleine sein müssen, wenn ich mal wieder alle vergraule.« Ihr Blick war nicht zu deuten, ihre Hände umklammerten das Notizbuch wie einen Schatz.
»Ich... Ehrlich gesagt mache ich auch hin und wieder Sachen, die man als Bösartig bezeichnen könnte. Dabei mag ich es auch nicht, alleine zu sein.«
Sie hielt mir die Hand hin und lächelte. »Lass uns doch gemeinsam allein sein, wenn wir das nächste mal Kotzbrocken gewesen sind.«
Ich ergriff ihre Hand und musste ebenfalls lächeln. »Das wäre toll!«

Miraculous 3.2 - AupheliaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt