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1. Einer von vielen Tagen

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(Y/Ns Sicht):
Ich schaute aus dem Fenster, wo viele Leute ihren Weg gingen. Viele Autos fuhren vorbei, und hier und da sah man ein paar Pärchen vorbeigehen.
Immer dieses Küsschen hier und da. Reißt euch mal zusammen.
Ich hasse es, glückliche Pärchen zu sehen. Am liebsten würde ich ihnen direkt meine Knarre an den Kopf halten.

Also sah ich vom Fenster weg, auf mein Blatt. Ich saß auf einem gemütlichen Stuhl im hintersten Bereich eines kleinen Cafés. Hier ist es recht gemütlich, und die Atmosphäre ist wunderbar. Es riecht nach Kuchen, und es sitzt immer eine wunderschöne Frau auf einer kleinen Bühne mit einem Klavier. Sie spielt sehr beruhigend. Dieses Café ist mir schon sehr ans Herz gewachsen, da ich hier schon seit zwei Jahren Stammkundin bin.
Jedoch möchte ich mich nicht zu sehr mit den Mitarbeitenden anfreunden, da eine Freundschaft eh nicht möglich wäre.

Auf meinem Blatt war ein Bild von einem Vogel mit nur einem Flügel gezeichnet. Ich wusste selbst nicht, dass ich gezeichnet hatte, während ich in Gedanken versunken war.
Ich musste erneut an meinen Tagesablauf denken.
In einer Stunde muss ich zum Schusstraining. Ich hab echt gar keine Lust. Warum muss ich da überhaupt hin? Ich bin doch eh die Beste aus meinem Jahrgang. Dann kam mir wieder in den Sinn, warum ich es tun musste, und ich verdrehte die Augen.

Stimmt... wegen meinem „wunderbaren" Vater, der mich ja „so doll liebt". Diese Worte bekomme ich jeden Tag von ihm gesagt. „Ich habe dich lieb, Y/N" hier, und „Du bist mir wichtig, Y/N" da. Er sagt es so oft, dass es schon nicht mehr von Herzen kommt, und er mich nur so vollschleimt, weil ich sein einziges Kind bin – also der einzige „Nachfolger" werden kann...
Schon beim Gedanken an ihn hätte ich den Stift in meiner Hand fast zerbrochen.

Auf einmal tippt mich jemand an, und ich war kurz davor, ihm den Stift in den Magen zu rammen. Gottseidank kam ich davor wieder zurück in die Realität.

Also schaute ich einem jungen Mann mit einem gefälschten Lächeln ins Gesicht. Ich hatte ihn noch nie gesehen, aber musste zugeben, dass er echt nicht schlecht aussah. Also fragte ich:
„Ja, was gibt's?"
Darauf sagte er:
„Möchten Sie noch etwas bestellen?"
Ich bemerkte, dass ich meinen Kaffee schon ausgetrunken hatte... und dann fiel es mir ein:
„Shid!!"
Als ich auf die Uhr schaute, war es schon 16:07 Uhr. Um 16:15 Uhr fängt mein Schießtraining an, und das Café liegt nicht gerade nah.

Der Mann schaute mich verwundert an und fragte:
„Was ist denn los? Kann ich bei irgendetwas behilflich sein?"
Ich schaute ihn so gechillt wie möglich an und sagte:
„Nein. Entschuldigung, ich muss jetzt los. Vielleicht sieht man sich ja morgen nochmal?"
Bevor er mir antworten konnte, war ich schon aus der Tür gesprintet – und konnte dadurch leider seine Antwort nicht mehr hören.

Ich hätte echt gerne mit ihm geredet. Er sah echt nett aus- Warum zum Teufel denke ich sowas?!
Als ich dann gerade noch pünktlich ankomme, kam meine kleine Stiefschwester auf mich zu. Ich musste erneut die Augen verdrehen.
Was will diese kleine Nervensäge denn jetzt?!
Als sie dann vor mir stand, sagte sie mit einem sehr bitchigen Ton:
„Oh nein... Ist meine große und wunderbare Schwester zu spät? HA! Das werde ich Dad erzählen!"

Ich schwöre... dieses kleine Biest. Ich hasse meine Familie!
Also versuchte ich, so ruhig wie möglich zu sagen:
„Oh nein! Jetzt hab ich Angst! Das kleine Biest möchte mich verpetzen, damit es sich cool fühlt. Erzählst du es dann deinen Fake-Freunden?"
An ihrem Gesicht konnte ich die Wut erkennen. Sie sollte echt mal besser ihr Pokerface üben.
„Du wirst schon sehen, du blöde Kuh! Ich bin eh besser als du!"
Sie schrie immer weiter Beleidigungen, die ich eh schon 50.000 Mal gehört habe. Also sagte ich ganz lässig, während sie immer weiter schrie:
„Jaja", drehte mich um und ging weg. Das macht sie immer richtig wütend.
Jetzt geht sie 100 % petzen. Und dadurch wusste ich genau, dass mein Dad mich heute Abend wieder unnötig anschnauzt.

Als ich dann in die Schießhalle kam, schauten mich alle nur an, aber sagten nichts, da sie extreme Angst vor mir hatten. Ich griff meine rote Pistole aus meiner Handtasche und zielte auf die Stofffigur. Direkt durchs Herz.
Die anderen hatten schon oft versucht – das konnte ich an der durchlöcherten Puppe erkennen. Daher starrten mich ebenfalls alle an.
Ich drehte mich mit stolzem Gesichtsausdruck zu meinem Lehrer um, der mich nur mit offenem Mund ansah. Darauf sagte ich:
„C'mon, Herr Lehrer. Das ist nicht das erste Mal, dass Sie mich schießen sehen."
Darüber musste ich schmunzeln. Immer wieder treffe ich und jeder ist aufs Neue erstaunt. Was für eine dumme Truppe.

Als ich dann um 18 Uhr nach Hause komme, finde ich meinen Vater nicht wie gewöhnlich in der Küche vor. Dort stand nur meine Stiefmutter. Diese zeigte mir ihr widerliches Lächeln und meinte: „Dein Vater möchte dich heute nicht mehr sehen. Er ist sehr enttäuscht von dir!"

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