Die Tür wurde aufgeschlagen und der Elf zuckte zurück, als Senzajin mit seinen rot glühenden Augen in den Raum stürmte und kurz vor Ori stoppte.
"Meine Güte, was sprintet ihr denn hier durch die Gänge?", lachte diese und kam auf die Füße.
"Wir haben uns Sorgen gemacht, als du nicht in deiner Kammer warst..." Katlynns Ohren zuckten aufgeregt. "Wir dachten, diese Viecher wären wieder da."
"Aber dann dachte ich, du wärst eventuell hier. Aber..." Senzajin starrte ihr in die Augen. "...es ist das erste Mal ohne Wahnsinn hier unten sehe."
"Ja, ich weiß." Ori grinste wie ein Honigkuchenpferd. "Es war einfach kurz nach der Folter, ich konnte plötzlich wieder klar denken und dann-"
"Folter?" Katlynn schauderte ud drängte sich näher an Thanduril.
"Und weil es dir gerade so gut ging, hast du ihn verarztet." Senzajin seufzte. "Ich wusste gar nicht, dass wir überhaupt einen so jungen Gefangenen haben..."
"Ich dachte mir, wir könnten ihn hier unten bei den anderen helfen lassen." Ori legte ihren Kopf schief. "Dass er die Gefangenen mit Essen und so versorgt." Sie zuckte zusammen. "Da fällt mir ein, da ist einer, um den man sich sehr dringend kümmern müsste..."
Senzajin stöhnte leise und zeigte dann auf Thanduril. "Du und Katlynn, ihr bringt ihn erstmal zu den Sanitätern hier unten. Wenn es ihm gut genug geht, sollen sie ihm alles beibringen, dann darf er sich um andere kümmern. Ich und Ori holen den einen, von dem sie spricht."
Thanduril nickte und Katlynn half dem Elf auf die Füße und zog ihn hinter sich her.
Senzajin hob den Schlüssel auf, den Ori vor der Folter achtlos auf den Boden geworfen hatte, und nickte ihr dann zu. "Geh nur vor."
Sie nickte stumm, nahm den Schlüssel und ging auf die gegenüber liegende Seite des Flurs, wo sich die Zelle befand und schloss diese auf.
Kaum dass sie die Zelle betraten, lagen alle Blicke auf ihnen.
"Der da.", meinte Ori und zeigte auf den am Boden liegenden Elf.
Senzajin schob sich an ihr vorbei in die Zelle und die anderen Gefangenen wichen zurück, als er nach dem Elf griff und ihn kurzerhand über seine Schulter beförderte.
Dann stapfte er wieder nach draußen. "Also, dann-"
"Ja, du kannst schon mal vorgehen, ich schließe noch ab." Ori winkte ihn fort und zog die Gittertür noch zu.
Sie drehte gerade den Schlüssel so weit, dass das Schloss einrastete, da aktivierte sich schon eine Wand aus Leere, die den Insassen der Zelle Gehör und Sicht auf den Flur blockieren sollte und dies auch tat.
Senzajin war zwar schnellen Schrittes davongegangen, stellte Ori fest, als sie sich umdrehte, jedoch langsam genug, damit sie aufholen konnte.
Sie enttäuschte ihn nicht und lief an seiner Seite.
"Willst du nicht noch die anderen Zellen nach gleichen Fällen untersuchen?", wandte er sich sofort an sie und zog fragend eine Augenbraue hoch.
"Bis jetzt wurden nur die aus der Zelle gefoltert, aber das kann ich nachher noch überprüfen.", erwiderte Ori und prüfte den Puls des bewusstlosen Elfs. "Gut, er ist offenbar noch nicht lange bewusstlos."
"Aber das muss nichts heißen.", meinte Senzajin und öffnete die Tür zum Krankenraum im Erdgeschoss der Festung.
"Seid ihr denn komplett bescheuert?! Füße höher als der Kopf!", brüllte jemand und zuerst dachten die beiden, dass man nicht mit ihnen sprach, sondern mit jemand anderem.
Das war offenbar nicht der Fall.
Die Blutelfe, leicht als Sanitäterin erkennbar, stampfte zu ihnen und zerrte Senzajin zu einem leeren Krankenbett, wo sie zuerst die Ketten des Gefangenen entfernte und ihn dann in die weichen Kissen bretterte.
Innerhalb von Sekunden hatte sie eine Konstruktion gebaut, die die Füße des Elfs angewinkelt höher hielten.
"Meine Güte, Filian, dass du einen so erschrecken musst." Ori trat lachend zu ihnen.
Die Sanitäterin funkelte sie amüsiert an. "Das, liebe Leerenklinge, ist das Einzige, was ich Euch antun darf."
"Duz mich doch endlich, Filian...", stöhnte Ori und Senzajin lachte.
"Erst, wenn ich zu einer Leerenklinge aufgestiegen bin.", summte Filian und wuselte zu dem jungen Elf, den Ori mit Thanduril und Katlynn hierher geschickt hatte.
Die Sanitäterin und die Heilerin hatten es geschafft, dass er bewusstlos wurde.
Entscheidende Wunden hatte Katlynn schon geheilt, nun sah sie aus, als würde sie sofort losgehen wollen.
Sie trug einen schneeweißen Umhang und einen gleichfarbigen, mit goldenen Stickereien versehenen Beutel, den sie wie einen Köcher trug, doch an ihrer Hüfte baumelten zwei silberne Dolche.
Auch ihre normale Kleidung war in weiß und gold gehalten, aber vor allem bauchfrei und auch sonst zeigte sie viel Haut, was für Thanduril offensichtlich kein Problem war.
Katlynn stand auf und wandte sich um. "Ori, können wir gehen? Wir alle sind fertig, wir haben auch für dich gepackt."
"Oh, stimmt." Senzajin drückte ihr einen verkleinerten Beutel in die Hand. "Eigentlich können wir schon los."
"Dann will ich Katlynn nicht länger warten lassen.", schmunzelte Ori, nahm die Tasche und verließ den Raum.
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Das Portal öffnete sich und Katlynn sprang sofort hindurch.
Die anderen drei kamen gerade auf Azeroth hinaus, da staunte sie auch schon über allein das Gras, auf dem sie stand.
"So interessant?", fragte Thanduril leise und spielte mit einer kleinen weißen Blüte, die er nach einer Weile in Katlynns Haar steckte.
"Ja! So habe ich mir Azeroth nie vorgestellt!", strahlte Katlynn begeistert und bewunderte die ummauerte Wiese.
"Wie wäre es, wenn man..." Thanduril fing sie ab und drehte ihr Gesicht nach oben Richtung Dalarans Stadtmitte. "...ein wenig höher guckt?"
Katlynn verstummte und staunte.
Offenbar hatte ihre Welt noch keine kanalisierte arkane Macht gesehen.
"Wie wär's, wenn wir dich einfach herumführen und nicht nur diese Ecke betrachten?" Senzajin verschmolz mit der Umgebung, als er in Verstohlenheit überging, um unauffällig über die Mauer zu springen.
Ori folgte ihm - er hatte seinen Greifhaken wieder nach unten fallen lassen - und Thanduril musste sich und Katlynn gleichzeitig in der unsichtbaren Form halten, während er über die Mauer sprang und Senzajin seinen Greifhaken wiedergab.
Im Gegensatz zu Katlynn, die ja fraktionsneutral war, musste er als Allianzler unbemerkt aus dem hordischen Gebiet heraus und das schaffte er auch, schließlich war ein Meister der Leere.
Katlynn war wieder sichtbar geworden, konnte sich jedoch offenbar nicht sattsehen an all dem Leben, von dem Azeroth so strotzte.
"Es gibt viele Völker auf Azeroth.", erklärte Senzajin ihr im Voraus. "Aber die ältesten sind wohl die Drachen, Trolle, Zwerge und Nachtelfen und Tauren. Jedenfalls war das das, was ich gehört habe."
"Es ist schon richtig.", stimmte Thanduril ihm zu, als sie wieder zu ihm traten. "Dafür, dass du nicht in Bibliotheken darfst, kannst du dir dein Wissen erstaunlich gut zusammenreimen."
Senzajin zog nur seine Schultern hoch und ging langsam voran.
Katlynn war jedoch noch mit Staunen beschäftigt und so musste er wieder stehen bleiben.
Selbst Ori unterdrückte ihre Ungeduld und wartete auf die junge Katzenfrau, die ihre verräterischen Ohren und den Schwanz erfolgreich zu verstecken vermochte.
Nach einer Weile tippte Thanduril sie jedoch an und nahm dann ihre Hand.
So musste sie sich Dalaran während des Gehens in die Erinnerungen schreiben.
"Wohin jetzt?", fragte Senzajin und zog die Schultern hoch.
"Wir könnten uns alle in das Zauberkästchen setzen und dort einen Dalaran Noir genießen, bevor wir nach Suramar reisen.", meinte Ori und sah zu dem Gasthaus in der Nähe.
"Für einen Dalaran Noir bin ich immer zu haben.", grinste Thanduril und sah in die Runde. "Alle einverstanden?"
Katlynn nickte.
"Wenn du für den Rest der Reise Ruhe gibst, gerne." Senzajins Beziehung zu Thanduril war eine neutrale, weshalb er erstmal Zeit brauchte, hinter die Fassade des Leerenelfs zu sehen.
Thanduril seufzte und folgte ihm zu der Gaststätte.
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Leerentod
Fantasy~"Neue Gefangene?" Ori zog ihr braunes, fast schwarzes Halstuch bis über ihre Nase hoch, bevor sie sich umwandte und die fünf Blutelfen - drei von ihnen männlich, zwei weiblich - prüfend musterte. Nach einer Weile kniete sie sich vor einen Elf, dreh...
