Kapitel 46 | Ein neuer Monarch auf Azeroth

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Sakura, gekleidet in eine sehr exotisch aussehende Robe, die sie 'Yukata' nannte, und mit zwei Fächern unter ihrem Stoffgürtel, und Luca, mit schweren schwarzen Platten und silbrig schimmernden Verzierungen und sowohl einem Schild als auch einem frisch geschliffenen Schwert gerüstet, standen bei ihnen, beide neugierig mit den Ohren zuckend.
Eulania gesellte sich wenig später zu ihnen.

"Wie es aussieht kann es losgehen." Löen sah mit aufmerksamen Augen in die Runde.
"Ich werde ein Portal nach Sturmwind öffnen, Majestät." Ori streckte ein Hand in die Luft und zog diese auseinander, bis sich flimmernd ein Riss öffnete. "König Anduin wollte Euch treffen. Verzeiht, dass wir es Euch nicht früher sagten."
"Alles mit der Zeit." Löen nickte verständnisvoll, bedeutete ihnen, vor ihm durchzugehen, durchschritt den Riss jedoch vor Turalyon, Zaeith und ihr.

Endlich wieder auf Azeroth standen sie unmittelbar vor Burg Sturmwind, wenn auch vor der Zugbrücke.
Die Stadtwachen musterten die Neuankömmlinge überrascht wie auch neugierig, während die nicht weniger interessiert zurückstarrten.

Löen schien das jedoch nicht zu kümmern. Mit einer Geste bedeutete er den Azerothern, vorzugehen, die Nyanier formierten sich um ihn, sodass er von allen Seiten geschützt war.
Daraufhin - und auch dank seines Auftretens - verstanden die Gardisten, dass ein Monarch einer anderen Welt eskortiert wurde und schlossen sich auf Nachfrage bei Turalyon dem Trupp an, auch wenn der Weg nur durch die Burg bis in den Thronsaal führte.

Ori merkte, dass Löen schmunzelte, nicht nur über das Verhalten der Gardisten sondern auch über die Ähnlichkeit des Aufbaus der Burg mit der seines eigenen Palasts.
Genauso interessiert wie seine nyanischen Wächter beäugte er alles an Wesen, die an ihnen vorbeigingen wie auch andersherum.
Ein leises Lachen ertönte von Luca, als ein Worgen sie passierte, wiederum von Eulania ein überraschter Laut, als eine mit Feder beschmückte darnassische Druidin an ihnen vorbeiging und sich vor ihren Augen in eine Eule verwandelte und davonflog.

Dann hatten sie den Saal auch schon betreten.

Anduin saß auf dem mit Löwen geschmückten Thron - auch dies lockte ein amüsiertes Lächeln auf Löens Lippen.
Selbiges geschah in Anduins Zügen, als er merkte, dass er Mischwesen mit thalassischen Merkmalen vor sich hatte.
Doch der Blicketausch der Monarchen fand schnell ein Ende.
Anduin lehnte sein Schwert an eine Armlehne des Throns, stand auf und näherte sich ihnen ein paar Schritte, bis er auf Augenhöhe mit Löen stand, der ihn nach wie vor mit einer raubtierähnlichen und doch freundlichen Wachsamkeit bei jeder seiner Bewegungen beobachtete, welche Anduin zu beeindrucken schien.

"Willkommen in Sturmwind." Offenbar ließ er jegliche Anreden aus, schließlich standen sie beide auf der Spitze der Gesellschaft. "Es freut mich, dass Ihr unserer Einladung sofort nachgegangen seid."
Löen warf Ori einen fragenden Blick zu.
Erst dann verstand sie, dass die Nyanier lediglich Thalassisch und Nyanisch sprachen.
Mit einem entschuldigenden Blick an beide Monarchen begann sie ihre Rolle als Dolmetscherin.
"Die Freude ist ganz meinerseits und ich bedanke mich für die Einladung an sich.", erwiderte Löen förmlich. "Ich nehme an, Ihr wisst über unsere Lage Bescheid."
Anduin nickte. "Ich fürchte nur, dass Ihr nicht lang bleiben könnt. Wir sind mit der Horde im Krieg und wenn sie herausfinden, dass Ihr hier wart, werden sie Euch für einen unserer neuen Verbündeten halten."
"Alles mit der Zeit." Löen nickte und Ori wurde langsam bewusst, dass das sein Motto zu sein schien. Dass ein König ein solches besaß und auslebte war ihr allerdings neu.
"Nun, verzeiht mir die Risiken, denen ich Euch gerade aussetze, aber als ich hörte, dass die Leerenelfen Eure Welt entdeckten, wollte ich Euch persönlich sprechen." Anduin warf Ori einen verstohlenen Blick zu, woraufhin Zaeith nur unruhig den Körper schüttelte. "Ich hoffe doch, sie provozieren keine Probleme auf Eurer Welt."
"Nun, das wird sich zeigen. Natürlich liegt der Verdacht auf den Leerenhütern, da sie literweise sehr tödlichen Giftes in der Ostfestung gehortet haben, dennoch erreichen uns verdächtige Informationen vom Schlangenclan, die eine seltsame Zuneigung zu Azshara, Sargeras und den Naga zeigen. Wir werden sie prüfen lassen und - wenn nötig - den gesamten Clan auslöschen." Löen sagte dies ohne mit der Wimper zu zucken. "Dann besteht natürlich die Gefahr, dass andere Clans den Frieden in Frage stellen und das letzte, das wir gebrauchen können, ist Krieg. Ich traue es meinen Leuten durchaus zu, schließlich werden sie mit Kampf erzogen, besonders intensiv seit wir von Argus hörten, was nun schon um gut zehntausend Jahre her ist."
"Wie könnt Ihr so viel von anderen Welten erfahren?", fragte Anduin neugierig, wenn auch vorsichtig.
"Unser Volk führte eine sehr gute Freundschaft mit den Draenei von Argus. Ihre Technik war weiter als bei uns, sodass sie uns besuchen kamen und uns bald lehrten, unsere eigenen Raumschiffe zu bauen. Sie reichten gerade aus, um bis nach Azeroth zu kommen." Nachdenklich strich sich Löen über seinen Bart, der zweifellos Teil der kurzgeschnittenen Löwenmähne war. "Unsere Späher waren an dem Quell der Ewigkeit und ihre Wirkungen auf sterbliche Wesen interessiert. Als sie vor den Armeen der Legion flohen, brachten sie uns den Hauch einer Essenz mit, den wir unserer Erdenseele opferten, sodass wir unsterblich wurden. Wir würden nun schon tatsächlich so lange leben, wie es die Drachen von Azeroth taten, hätte nicht irgendetwas die Leere zu uns gelockt. Eure Leerenelfen und auch die Blutelfen in ihren Reihen waren uns ein Segen bei der Wiederherstellung von Feldern, Nahrung und Leben nach der Hungersnot, die uns die Leere brachte."
"Ich bin beruhigt." Tatsächlich lächelte Anduin erleichtert. "Aber Draenei von Argus sagtet Ihr? Kennt Ihr Prophet Velen?"
"Velen?" Erstaunt musterte Löen sein Gegenüber. "Ihr kennt ihn? Wir sind quasi zusammen aufgewachsen. Er hat das Licht in unsere Welt gebracht."
"Velen ist hier, sehr nah sogar. Genn..." Anduin wandte sich an den Gilneer. "Wärt Ihr so gut und würdet Ihr Velen zu uns bringen? Sagt ihm, ein Freund erwartet ihn."
"Mein König." Mit einer knappen Verbeugung ging der alte Monarch schnellen Schrittes davon.

Die nächsten Minuten berichtete Löen selig in Erinnerungen schwelgend von seinen Erlebnissen mit dem Propheten.
Mit einer Geste bedeutete er seinem Geleit sich zu entspannen.
Offenbar vertraute er der Garde.
Zaeith hielt dennoch aufmerksam die Nase in der Luft.

Dann kehrten Genn und Velen auch schon zurück.

Die hörbaren Schritte der klappernden Hufe des Draenei stoppten abrupt, sodass Löen sich wieder dem Flur zuwandte und Velen freudig entgegensah.
Es dauerte vielleicht nur wenige Sekunden, bis das Wiedersehensgeschwafel einsetzte, nur unterbrochen von Anduins Vorschlag, nach Dalaran zu gehen.
Ein Magier habe Khadgar benachrichtigt und Velen wies der Truppe den Weg.

Ori gähnte und legte sich erschöpft auf Zaeiths Rücken.
Dieser setzte sich vorsichtig in Bewegung, folgte den Nyaniern und dem Draenei.
Dalaran erwartete auch sie.

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