Besuch bei Andromeda

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Kritisch betrachtete Hermine sich im Spiegel und fuhr mit der Hand über ihren mittlerweile leicht gewölbten Bauch. Sie war in der 17. Schwangerschaftswoche und so langsam war es wirklich nicht mehr zu übersehen. Selbst die weite Kleidung, die sie seit Wochen trug, half nicht mehr, es zu vertuschen.

Mit einem leisen Seufzer betrachtete sie ihre Lieblingsjeans, die ausgebreitet auf ihrem Bett lag und von der sie sich nun verabschieden musste. Da passte sie definitiv nicht mehr rein. Zumindest nicht in den nächsten Monaten.

Draco sagte ihr zwar immer, dass sie wunderschön war, aber das änderte nichts daran, dass sie langsam aber sicher immer dicker wurde. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn sie nur eine Babykugel vor sich hertragen würde, aber nein, bei ihrem Glück wuchs sie auch noch in die Breite.

„Du machst Mami echt fertig, meine Kleine", sagte sie an ihren Bauch gewandt und streichelte sanft darüber, ehe sie ihre Lieblingshose in die Untiefen ihres Kleiderschrankes verbannte. ‚Meine Kleine', dachte sie amüsiert. Draco konnte noch so oft sagen, dass Malfoys Söhne bekamen, sie war sich sicher, dass sie ein Mädchen bekommen würden.'

Letztendlich entschied Hermine sich für ein weites, dunkelblaues Kleid, das ihr wenigstens ein bisschen schmeichelte. Es war Mitte Juni und für diese Zeit ungewöhnlich warm draußen. Dracos Geburtstag hatten sie draußen feiern können und natürlich war es nicht bei der geplanten kleinen Runde geblieben. Die Jungs, genauer gesagt Draco, Blaise und George hatten bis nachts um vier durchgehalten. Zu ihrem Glück fiel der Geburtstag auf einen Freitag, sodass niemand am nächsten Tag arbeiten musste. Und zum Glück der Nachbarn, sowie auch für Draco hatten Hermines Stillezauber gewirkt, ansonsten hätte es am Samstagmorgen vermutlich haufenweise Beschwerden wegen Lärmbelästigung gegeben.

Halbwegs zufrieden mit ihrer Kleiderwahl, machte Hermine sich auf den Weg zu Andromeda. Sie hatte kurz überlegt, zu apparieren, sich dann aber für den Kamin entschieden. Im Normalfall fand sie es unhöflich, einfach so in fremde Wohnungen oder Häuser zu flohen, aber Andromeda hatte sie ja eingeladen. Und in ihrem Zustand war es definitiv der angenehmere Reiseweg.

Sie nahm sich eine Handvoll von dem Flohpulver und nachdem sie laut Andromedas Adresse genannt hatte, war sie von grünen Flammen umgeben, bevor im nächsten Moment auch schon das behagliche Wohnzimmer von Tonks' Mutter in ihrem Blickfeld erschien.

„Hallo? Andromeda?", rief Hermine auf der Suche nach ihrer Gastgeberin.

„Hermine, schön dich zu sehen", sagte Andromeda und schloss sie in die Arme. „Gut siehst du aus."

„Danke. Und vielen Dank für die Einladung zum Kaffee."

„Hermine!", kam es von weiter hinten und kurz darauf kam Teddy angelaufen. „Oma hat ganz tollen Kuchen gebacken. Dürfen wir den jetzt endlich essen, Oma?", fragte er und setzte seinen überzeugendsten Hundeblick auf.

„Bist du mit der Aufgabe schon fertig?", kam prompt die Gegenfrage, was bei dem Jungen nur ein Murren hervorbrachte.

„Ich will nicht mehr, das ist langweilig."

„Worum geht es denn?", fragte Hermine und sah neugierig zu Teddy, der ihr allerdings keine Antwort gab, sondern stattdessen vor sich hin schmollte.

„Mathematik", erklärte Andromeda anstelle ihres Enkels. „Aber wie es aussieht, kommt er ganz nach seiner Mama, die hatte nämlich auch immer eine ausgeprägte Abneigung gegen Zahlen."

„Ach, richtig, du unterrichtest ihn ja zu Hause", sagte Hermine und erinnerte sich daran, wie Teddy ihr letzten Sommer ganz stolz erzählt hatte, dass er Lesen lernte.

„Teddy, jetzt hör auf zu Murren, du willst doch nicht, dass Hermine dich für ein verzogenes Kind hält. Mach deine Aufgaben fertig und das Kontrollieren machen wir dann nach dem Kuchen, ist das in Ordnung?"

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