Besuch in der Winkelgasse

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„Wow, Tonks hat echt Geschmack", sagte Draco, während er und Hermine einen kleinen Rundgang durch ihr neues Haus machten. Seine Cousine hatte das Haus bereits nach ihren Wünschen möbliert, zumindest mit dem Nötigsten. Alles Weitere würden sie nach und nach kaufen. „Wie groß ist das Haus überhaupt?"

„230 Quadratmeter, vier Schlafzimmer, zwei Bäder. Also eigentlich viel zu groß", erwiderte Hermine und blieb im Türrahmen eines Zimmers im Obergeschoss stehen. „Hier wäre ein Arbeitszimmer", sagte sie zu Draco, der sich in dem Moment hinter sie stellte und seine Arme um ihre Taille schlang.

„Oder ein Kinderzimmer", hauchte er ihr ins Ohr und küsste sanft ihren Hals.

Hermine lächelte. „Ja, vielleicht auch das." Sie drehte sich in seinen Armen um, sodass sie ihm ins Gesicht sehen konnte. „Wir sollten langsam mal auspacken, meinst du nicht?"

„Mach du das mal lieber. Wenn ich das mache, räumst du am Ende sowieso wieder alles um."

„Aber nur, weil du mir nicht zuhörst, wenn ich dir sage, wo was hin soll", sagte Hermine und lachte.

„Wie auch immer", erwiderte Draco. „Ich mach dir einen Vorschlag, du packst unsere Sachen aus und ich koche uns was Leckeres."

„Damit kann ich leben." Hermine wand sich aus seinen Armen und ging wieder ins Wohnzimmer, wo sie ihre Handtasche mit den Koffern liegen gelassen hatte.

Draco blieb noch eine Weile im Türrahmen stehen und fragte sich wieder mal, womit ausgerechnet er diese Frau verdient hatte. Er hatte damals befürchtet, dass das letzte Schuljahr unerträglich werden würde, aber er hatte sich geirrt. Die wenigen Slytherins, darunter Blaise, Theo, Daphne und er, hatten stets fest zusammengehalten und waren nicht nur nach außen hin mehr denn je eine Einheit gewesen. Ihre Hausaufgaben hatten sie in der Bibliothek erledigt, genau wie Hermine, die die meiste Zeit des Tages allein verbrachte. Irgendwann hatten sie nicht mehr nur nebeneinander gesessen, sondern zusammengearbeitet und sich dadurch näher kennengelernt. Gut, die Tatsache, dass sie alleine und nicht in Begleitung von Potter und dem Wiesel nach Hogwarts zurückgekehrt war, war hilfreich gewesen.

Potter mochte den Dunklen Lord besiegt haben, aber das hieß nicht, dass Draco deswegen eine gute Meinung von ihm hatte, besonders was das Zwischenmenschliche anging. Vom Wiesel ganz zu Schweigen, der hatte es immerhin fertig gebracht, seine Freunde im Krieg im Stich zu lassen. Und wie sich herausgestellt hatte, hatte Draco mit seiner Meinung am Ende Recht behalten. Sehr zum Leidwesen von Hermine. Ihre Reaktion am Morgen im Ministerium hatte gezeigt, dass sie das noch immer sehr mitnahm.

Draco seufzte und ging dann in die Küche, um etwas Essbares zu zaubern – im Übertragenen Sinne natürlich. Als er am Wohnzimmer vorbeikam, musste er bei dem Anblick seiner Freundin breit grinsen. Von allen Koffern, hatte sie sich ausgerechnet zuerst den mit den Büchern geschnappt und war gerade dabei, die Regale damit zu füllen., wobei sie jeden Einband sorgfältig betrachtete und bei einigen sogar die Klappentexte durchlas. Manches änderte sich eben nie.

Er schüttelte leicht den Kopf und ging weiter. Die Küche war groß, hell und modern eingerichtet, so wie die beiden sich das gewünscht hatten. Mary, Hermines Mutter hatte ihm in den letzten Jahren das Kochen und Backen beigebracht. Eigentlich wollte Hermine es lernen, allerdings war es Draco gewesen, der sich geschickter angestellt hatte. Seitdem kochte er meistens.

Leider war der Blick in den Kühlschrank nicht so erfreulich, wie er es sich erhofft hatte.

„Liebes, ich fürchte, das mit dem Essen wird nichts", rief er.

„Was, wieso nicht?", fragte Hermine, die, einen kleinen Stapel Bücher im Arm, in die Küche kam.

„Sag mir nicht, du hast ausgerechnet diese Bücher aus Australien mitgenommen", sagte er und musterte den Stapel auf ihrem Arm.

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