Nach Kunde der magischen Geschöpfe, was um einiges schneller vergangen war als die Slytherin- und Hufflepuffdrittklässler erwartet hatten, stand die herbeigesehnte Mittagspause an. Wer liebte sie nicht, diese Mittagspausen, die einem anläuteten, dass die Hälfte zumindest schon geschafft war? Zudem versprach diese lange Pause auch ein üppiges Mittagessen mit Freunden um sich rum in der Großen Halle.
Die Schüler tratschten gemütlich miteinander, während sie auf die Große Halle zusteuerten. Es waren schon die ersten Beschwerden über zu viele bereits vergebene Hausaufgaben hören.
Hatte denn kein einziger Lehrer Verständnis dafür, dass man nach den langen Sommerferien, noch nicht in Stimmung dafür war sich an Bergen von Hausaufgaben zu setzen?
Viel lieber wollte man doch die warmen und noch sonnigen Septembertage draußen am See genießen!
Die ersten Aufreger über Nachsitz-Bestrafungen waren auch schon am Laufen. So mancher Gryffindor war zu frech gewesen, dutzend von anderen Schülern zu spät, da sie das ungeliebte Frühaufstehen noch nicht gewöhnt waren. Es trudelte also langsam wieder alles zum alten Dasein zurück.
Im Gegensatz zu den meisten Schülern, genoss Leta Lestrange die Mittagspausen nicht ganz so sehr. Nicht etwa, wie man vielleicht hätte annehmen können, weil sie alleine sitzen musste. Sie würde es sehr begrüßen, wenn dem so wäre, aber so war es nicht.
Slytherin war wie kein zweites in Hogwarts ein streng traditionelles Haus. Und während die anderen Häuser anfangs des 20. Jahrhundert zwar ebenfalls noch sehr an Traditionen festhielten, so lockerten sich diese von Generation zu Generation etwas mehr. Was wohlmöglich auch an dem Zuwachs an Mugglestämmigen liegen mochte. Slytherin allerdings war wie eh und je in eiserner Hand der mächtigsten Reinblüterfamilien. Die Sprösslinge dieser Familien wurden demnach streng nach bestimmten Grundsätzen erzogen. Zu diesen Grundsätzen gehörte auch, dass man sich zusammen zeigte, damit auch ja nicht an einem Bröckeln der mächtigen Bündnisse dieser Familien geglaubt wurde. So versicherte man, dass die Zaubererzukunft Großbritanniens und darüber hinaus weiter von diesen Namen beeinflusst wurde.
Also setzte sich Leta zu ihrem rechtmäßigen Platz an der Spitze des Slytherintisches. Dieser Platz war ihr gleich nach der Hausauswahl wortlos zugeteilt worden.
Sie war schließlich eine Lestrange.
Die Familie Lestrange war was die Hierarchie mächtiger reinblütiger Familien betraf, fast schon eine Liga für sich. Es war nicht nur eine alte Familie, denen bis jetzt ausschließlich Reinblüter und Slytherins entsprungen war, sondern eine äußerst wohlhabende noch dazu.
Die anderen saßen bereits da, als Leta zum Tisch trat, diese Generation der Malfoys, Blacks und Notts. Man nickte ihr zu, widmete sich dann allerdings wieder den vorherigen Beschäftigungen zu. Ja, ihr stand der Platz ohne Frage zu, doch befreundet war sie nicht mit ihren Tischnachbarn, die ihr Name und deren Name für sie bestimmt hatten.
Manchmal, da fragte Leta sich, was wohl noch einsamer war. Alleine zu sein oder in Gesellschaft anderer allein zu sein.
Es beruhte auf Gegenseitigkeit, musste dazu gesagt werden, denn Leta Lestrange mochte ihre Zwangsfreunde auch nicht besonders. Allerdings mochte sie allgemein niemanden besonders.
Also gab sie sich auch keine Mühe, sich am Gespräch zu beteiligen, in dem nochmal die Erlebnisse der Sommerferien geteilt wurden. Ihr Sommer war wie immer gewesen. Erst der Aufenthalt Zuhause in Nordengland, dann hatte man sie in der Lestrange Ferienvilla in Frankreich den Hausangestellten überlassen, wo sie neben Französisch, nun auch Deutsch lernen musste. Eine Lestrange sollte verschiedener Sprachen mächtig sein, sagte ihr Vater, während er selbst mit seiner Frau durch die Welt reiste und seine Tochter ihn in den Sommerferien nur selten zu Gesicht bekam.
Aber das machte ihr nicht besonders viel aus. Nein.
Stattdessen dachte sie über ihren Vormittag nach. Dass sie ausgerechnet mit Newt Scamander die meisten Worte ausgetauscht hatte heute, konnte sie nicht ganz glauben. Sie wusste nicht viel über ihn, der Name war nicht allzu sehr bekannt in der Zauberwelt. Dafür aber umso mehr in Hogwarts, was aber an Theseus Scamander und nicht an dem jüngeren Scamander-Sohn lag. Er war ein Hufflepuff und damit war eigentlich schon alles über ihn gesagt, oder?
Trotzdem ertappte sich Leta dabei, wie sie ihren Stundenplan aus ihrer Tasche hinauszog und einen Blick drauf warf. Bis auf Kunde der magischen Geschöpfe, hatten die Slytherins nur noch Verteidigung gegen die dunklen Künste mit den Hufflepuffs zusammen. Schade eigentlich...
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War der Vormittag noch unerwartet schnell vergangen, so zog sich der Nachmittag umso mehr hin. Die Zeit in Geschichte der Zauberei und Kräuterkunde schien nur geradezu zu schleichen. Leta passte nicht besonders gut auf, es interessierte sie einfach nicht und das von ihr erwartete Geschichtswissen lehrte man ihr eh Zuhause. Professor Binns schien nicht so viel Wert auf den Einfluss der Lestranges im Vorgehen gegen die Hexenverbrennung in Frankreich zu legen wie ihr Vater.
Am Abend machte sich Leta endlich auf den Weg Richtung Kerker. Sie mochte den Gemeinschaftsraum der Slytherins, in seiner grünen Dunkelheit hatte er etwas Eigenartiges an sich, was ihr gefiel. Ihr gefiel die Vorstellung unter einem See zu wohnen, einen tiefen, unergründlichen See.
Die Zweitklässlerinnen, die die Plätze nah am Feuer belegt hatten, sprangen auf, als Leta sich näherte, um ihr frei zu machen. "Wir hoffen, du hattest schöne Ferien, Leta?", fragte die Mutigere der beiden. Leta warf ihr nur einen verächtlichen Blick zu und nahm Platz.
In Slytherin gab es drei Arten von Schülern. Die einen, die sie auf Grund ihres Status respektierten, oder zumindest in Ruhe ließen. Die anderen, die zwar etwas Angst vor ihr hatten, doch hin und wieder sich bei ihr einzuschmeicheln versuchten, entweder weil ihre Eltern es ihnen beauftragt hatten oder weil sie sich erhofften, auf den berühmten und angesehenen Festen der Familie Lestrange eingeladen zu werden. Und dann gab es noch die, die sie zutiefst verachteten und sie das auch spüren ließen. Leta konnte nicht ganz sagen, welche ihr am meisten zuwider waren.
"Na Lestrange, Mutter erzählte mir, dass dein Daddy im Sommer eine besonders großartige Reise unternommen hat. Wohin gings nochmal? Ach ja, nach Neuseeland! Hast du dich auch so amüsiert wie er?", störte jemand plötzlich Letas Gedanken. Sie blickte auf in ein verhasstes Gesicht. Jason Sirius Black war ein Jahr über Leta und auch wenn sie beide zu den auserwählten Familien gehörten, brachte dieser Black seine Abneigung gegen sie offen zur Geltung. "Nun, Black, ich bin mir sicher, deine Mutter erwähnte auch, dass ich nicht in Neuseeland dabei war. Und jetzt lass mich in Ruhe.", sagte sie ruhig. Sie hatte seine Seitenhiebe satt, zumal sie immer dieselben waren. Der Kerl besaß nichtmal eine anständige Kreativität beim Austeilen!
"Ach ja, er nimmt ja sein kleines Töchterlein nicht mit, wenn er Spaß haben will, was für ein armes Ding!", grinste Black hämisch und ließ Leta auf ihrem Platz allein. Sie verdrehte bloß genervt die Augen und beugte sich zu ihrer Tasche, um ein Buch hinauszuziehen. Als sie jedoch diese Bewegung durchführte, fühlte sie einen solchen Schmerz, dass sie unmittelbar zurückzuckte. Erschrocken sah sie auf ihren gebissenen Finger herunter. Hatte er den ganzen Tag lang ziemlich harmlos ausgesehen, so war er inzwischen lila-orange geworden und dazu noch um einiges angeschwollen. Leta hätte schwören können, dass das vor einer Minute noch ganz anders gewesen war, doch es änderte nichts an der Tatsache, dass sie nun Schmerzen verspürte. Außerdem sah ihr Finger gar nicht gut aus, das sollte sich sicher eine Krankenschwester oder zumindest Professor Kettleburn anschauen.
Doch gleich nach dem Gedanken, hörte sie schon die innere Stimme ihres Vaters, der sowas sagte wie "Wegen eines kleinen Bisses gleich zum Krankenflügel gelaufen? Ja, typisch Mädchen." Nein, das wollte sie auch nicht, doch genauso wenig wollte sie ihren Finger weiter vor sich hin leiden lassen, also kam sie zu einem anderen Entschluss. Newt Scamander musste her! Ob er nun wollte, oder nicht.
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Halli-Hallo :)
Ich hoffe, ihr habt mit diesem Kapitel einen kleinen Einblick in Letas Leben bekommen bzw. in die Umstände. Was sagt ihr dazu?
Noch geht es natürlich darum, wie Newt und Leta sich überhaupt anfreundeten, später gibt's dann einen Zeitsprung zu ihrem 6./7. Jahr, wo sich diese Geschichte hauptsächlich abspielen wird. Ist doch alles etwas spannender, wenn unsere Charaktere langsam erwachsen werden 😋
Was würdet ihr eigentlich davon halten, wenn ich (ähnlich wie beim Prolog) gelegentlich Briefe einfüge?
Würde mich sehr über eure Votes freuen!
Bis bald :)
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A Taker (Newt Scamander)
Fanfiction"Sie hat nur genommen, du brauchst jemanden, der gibt." Newt Scamander kann nicht aufhören über diese Worte nachzudenken. So wandern seine Gedanken zurück, zu seiner Zeit in Hogwarts. Er denkt an sie, an Leta Lestrange. Dieses unglaubliche Slytheri...
