Teil 2
1.09.1912, Hogwartsexpress
Leta
Mr Tracey sah genervt aus, als er meinen Koffer nahm und diesen durch Gleis neun Dreiviertel chauffierte. Man konnte es ihm kaum verdenken, schließlich ging seine Qualifikation sicherlich darüber hinaus, eine 15-Jährige sicher am Hogwartsexpress abzugeben. Trotzdem hatte er natürlich sofort zugestimmt, als Vater ihn dazu angeordnet hatte. Mr Tracey war sein neuer Assistent, bei was genau er Vater assistieren sollte, wusste ich allerdings nicht.
Vater hatte mal wieder erklärt, mich nicht zum Bahnhof Kings Cross begleiten zu können, weil er zu beschäftigt war. Nicht, dass er mich jemals begleitet hätte. Aber trotzdem war ich ihm wohl wichtig genug, um einen Personenschutz zu engagieren. Immerhin. Ich war seine Tochter und ein so mächtiger Mann wie mein Vater hatte viele Feinde, wie er stets predigte. Anscheinend bestand die Gefahr, ich könnte von besagten Feinden entführt werden, um ihn in irgendeiner Art zu erpressen. Oft fragte ich mich, welchen Preis er bereit wäre für mich zu zahlen, sollte mein Leben jemals wirklich bedroht sein. Denn einen Preis gab es sicher und ich konnte mir nicht vorstellen, dass er unbezahlbar war. Dabei war ich nicht so naiv zu denken, dass Gold eine Rolle spielen könnte. Mein Vater besaß eine gewaltige Menge an Gold. Sicherlich würde es um Einfluss und Macht gehen. Einfluss und Macht, das waren die wichtigsten Privilegien für Corvus Lestrange.
"Nun, Miss Lestrange,", sagte Tracey, als wir vor dem Hogwartsexpress standen, um uns rum der Trubel von Eltern, die sich wehleidig von ihren Sprösslingen verabschiedeten, "ich wünsche Ihnen ein angenehmes Schuljahr und natürlich viel Erfolg bei Ihren ZAG." Ich hob die Augenbrauen, so, wie ich es meiner Stiefmutter abgeguckt hatte. "Seien Sie nicht albern, Mr Tracey, soll ich etwa meinen Koffer allein in den Zug tragen?"
Der Assistent meines Vaters konnte sein Missbehagen kaum verbergen, doch trotzdem neigte er leicht den Kopf, holte seinen Zauberstab heraus und murmelte: "Wingardium leviosa". Ich lief auf den dampfenden Hogwartsexpress zu, während mein Koffer hinter mir her schwebte. Mit erhobenen Haupt begab ich mich schließlich in ein freies Abteil und blickte Mr Tracey nach, wie er augenblicklich wieder durch die Mauer verschwand.
Man musste sich den Respekt der Untergebenen verdienen und das tat man, indem man ihnen zeigte, wo sie hingehörten. Das hatte Vater mir gesagt, als er rausgefunden hatte, dass ich mich damals mit 9 des öfteren abends in die Küche geschlichen hatte, um mit den Hauselfen zu spielen. Vater war damals sehr wütend geworden, hatte den Hauselfen verboten mit mir zu spielen und mich angeschrien, dass ich mich nie wieder auf die selbe Stufe wie Bedienstete begeben durfte. Eine Woche lang hatte ich dafür nicht aus meinem Zimmer kommen dürfen und als ich endlich wieder hinaustreten durfte, wäre ich beinahe über den Kopf eines der Hauselfen gestolpert, der auf einem silbernen Tablett platziert gewesen war.
Ich schaute aus dem Fenster, aber inzwischen waren fast alle Schüler schon im Hogwartsexpress verschwunden und die Familie, nach der ich unbewusst Ausschau gehalten hatte, war nicht zu entdecken. Keiner traute sich zu mir ins Abteil, auch er nicht. Als der Hogwartsexpress jedoch losfuhr, konnte ich den Gedanken nicht weiterverfolgen, weil mein Blick auf mein Schulumhang gefallen war. Das goldene Zeichen, das neuerdings den Brustbereich zierte, hatte ich fast schon vergessen gehabt. Lustlos zog ich mir meinen Schulumhang über, zog die grüne Slytherinkrawatte zurecht und begab mich auf den Weg in den Vertrauensschülerwagon.
Zur Vertrauensschülerin hatte mich Slytherins Hauslehrer gemacht. Vielleicht bekamen die anderen Schüler aufgrund ihrer Noten oder ihrem tadellosem Benehmen ihre Abzeichen, aber im Hause Slytherin zählte anscheinend mal wieder nur der Name.
Dementsprechend nicht überrascht war ich, als mir auf dem Weg Xenius Malfoy begegnete, ebenfalls ein goldenes Abzeichen auf der Brust. "Lestrange.", sagte er kühl und ließ mir den Vortritt, ich nickte ihm leicht zu. Wenigstens war er der angenehmere der beiden Malfoy Zwillinge.
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A Taker (Newt Scamander)
Fanfiction"Sie hat nur genommen, du brauchst jemanden, der gibt." Newt Scamander kann nicht aufhören über diese Worte nachzudenken. So wandern seine Gedanken zurück, zu seiner Zeit in Hogwarts. Er denkt an sie, an Leta Lestrange. Dieses unglaubliche Slytheri...
