Mein Vater stand vor seinem Schreibtisch und sah mich prüfend an. "Wie ich sehe geht es dir also wieder besser" merkte er mit seiner tiefen Stimme an.
Stimmt ja Marcel hatte gestern behauptet, das ich krank bin.
Ich nickte nur schwach, da mir klar war, das Vater bereits wusste wo ich mich aufgehalten hatte.
"Ramon?" Ich sah schweigend von dem Boden auf.
"Was soll ich nur mit dir anstellen?"
Ahnungslos zuckte ich mit den Schultern. Was wollte er denn auch schließlich von mir hören?
Mein Vater seufzte laut und griff sich an die Schläfe, so als wäre er völlig ratlos. Anschließend sahen mich seine ausdrucksstarken Augen wieder an. "Du weißt, dass du mit mir über alles reden kannst?" Fragte er nach und wirkte dabei keinen Falls wütend oder gereizt.
Jedoch zuckte ich bloß erneut mit den Schultern. Denn auf meinen Vater hatte ich mich noch nie verlassen können.
Seit ich klein war, war Marcel der einzige, welcher immer für mich da gewesen war und dessen Leben nicht aus einem Netz voll Lügen gestrickt war.
"Das solltest du aber wissen. Wir sind schließlich eine Familie."
"Ach ja?! Gehöre ich wirklich auch dazu oder verwechselst du mich gerade mit meinem perfekten Bruder?"
"So siehst du das also?"
Ich musste lachen, da ich wahrscheinlich sonst komplett den Verstand verloren hätte. "Ja, wann warst du Schließlich das letzte Mal für mich da?"
Es wunderte mich nicht, dass mein Vater kurz schwieg.
"Siehst du. Ich wusste es!" Gereizt drehte ich mich um und stürmte zur Tür.
"Ramon! Bleib sofort stehen."
Ich ignorierte die Nachrufe, riss die Tür auf und erblickte Diego, welcher noch immer vor der Tür stand und scheinbar nur darauf gewartet hatte, dass ich wieder raus kam. Mit einem lauten Schlag knallte ich die Tür hinter mir ins Schloss und funkelte den Mann vor mir böse an.
Dann ging ich weiter in Marcs Zimmer um seine Hausaufgaben von gestern zu suchen. Zum Glück ließ mich Diego dabei ausnahmsweise mal in Ruhe.
Während ich alles ordentlich abschrieb, ohne mir die Mühe zu machen selbst nach zu denken ging ich erneut die Worte meines Vaters durch den Kopf. Bis jetzt kannte er meinen Freund nur flüchtig vom sehen und ich wusste, dass er ihn verabscheute. Aber vielleicht würde es ihm ja den Rest geben, wenn er erfuhr, dass ich ausgerechnet mit diedem Junge zusammen ziehen wollte um mein altes Leben zu vergessen... womöglich würde er mich vor zorn sogar gleich rauswerfen oder verstoßen.
Je länger ich darüber grübelte, um so schöner kam mir die Vorstellung vor. Womöglich sollte ich die Bombe heute abend platzen lassen oder nein, vielleicht ja sogar schon beim Mittagessen.
Ich kaute nervös auf meinem Bleistift rum.
Aber was, wenn er Liam wegen mir etwas antat?
Ach was soll's? Ich werde es heute wagen!
Ich schob die Hausaufgaben bei Seite und flitzte dann nach unten ins Esszimmer, wo bereits Marcel saß und mich eher weniger begeistert ansah. Schließlich hatte ich ihn vorhin Rücksichtslos im Stich gelassen, aber anderseits war das sein Problem und nicht meines! Angespannt wartete ich bis alle versammelt waren und das Essen von uns auf dem Tisch stand. Gerade als ich all meinen Mut zusammen nahm und den Mund öffnete, unterbrach mich mein ach so perfekter Bruder auch schon und berichtete von seinen Geschäften.
Genervt ließ ich ihn ausreden, kam jedoch danach ebenfalls nicht zu Wort. Nervös spielte ich mit der Gabel in der Hand, bis sie mir weg rutschte und mit einem scheppern zu Boden fiel. Spätestens jetzt, wo ich unter dem Tisch auf Tauchgang ging, um sie wieder zu finden gewann sich ich sehr viel Aufmerksamkeit.
"Ramon." Die genervte Stimme meines Vaters ließ mich hochschrecken, wobei ich mit dem Kopf gegen den Tisch stieß. Ein höllischer Schmerz machte sich bemerkbar und ließ mich leise aufzischen.
Ich rieb mir den Kopf und kam langsam wieder zum Vorschein. In der anderen Hand hielt ich dabei triumphierend die Gabel.
"Der Junge ist in der Tat hoffnungslos", meldete sich Diego zu Wort, ohne daß ihn jemand ausdrücklich nach seiner Meinung gefragt hatte.
"Hey, so hast du nicht über mich zu sprechen!" Fauchte ich ihn an. In dem Schutz meines Bruders oder meiner Eltern getraute ich mich schon deutlich öfter gegen diesen Depp zu rebellieren.
Mein Blick wanderte zu meinem Vater, welcher mich bloß enttäuscht ansah.
"Ramon hat recht Diego. Genau genommen steht er noch immer über dir", mischte sich mein Bruder ein und ich hätte ihn für diese Worte glatt abknutschen können. Jedoch beschloss ich es lieber nicht zu machen.
"Darf ich euch daran erinnern, daß Diego auch zu Familie gehört?"
Ich sah meinen Vater spothaft an. "Als was? Der böse Onkel?"
Mir war klar, dass mein Verhalten noch ein Nachspiel haben würde, aber gerade deswegen konnte ich ja jetzt noch einen Draufsetzten.
"Übrigens Vater, wegen unserem Gespräch vorhin", fing ich an zu reden, ehe er etwas sagen konnte. "Es gibt da tatsächlich etwas, dass ich dir sagen möchte."
Marcel riss entsetzt die Augen auf und versuchte mir mit Handbewegungen zu deuten, dass ich still sein sollte, aber ich dachte nicht daran nun einen Rückzieher zu machen.
"Ich werde-", ich brach den Satz ab, da ein höllischer Schmerz durch mein Schienbein zuckte.
Marcel
Ich konnte nicht fassen was sich hier gerade abspielte. Wollte Ramon gerade tatsächlich sein Geheimnis vor allen Preis geben? Reichte es ihm denn nicht eh schon das schwarze Scharf der Familie zu sein?
Mir war klar, dass sie ihn sicherlich dafür kalt machen würden, ehe er noch mehr Schande über die Familie brachte.
Ehe ich genauer darüber nachdenken konnte, schnallte mein Fuß unter dem Tisch nach vorne und traf ihn direkt am Schienbein.
"Da hat sich sohl bloß jemand eben zu heftig den Kopf angestoßen!"
Und es geht weiter meine Lieben ^^
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Mafia Twins
ActionMarcel ist der Erstgeborene von den beiden Zwillingen. Ramon nur sein wertloser Bruder, der ihn jedoch immer unterstützt. Zwei Brüder, unterschiedliche Bestimmungen! *** Hey, Das ist meine Erste Story. Ich hoffe sie gefällt euch und ihr gebt meiner...
