„Ich fühle mich, als hätte man mich heute Nacht mit einem Stock windelweich geprügelt", klagte Yara, als sie zusammen mit Arik den Schankraum verließen. Sie war heute Morgen aufgewacht und hatte nicht glauben können, welch intimen Einblick sie diesem Fremden gewährt hatte.
Ist er wirklich noch ein Fremder?, fragte sie sich stumm und sah zu Arik hinüber. Er führte gerade ihre Pferde aus dem Stall der Wirtschaft und reichte Yara die Zügel. Seine Lippen umspielte ein kleines Lächeln.
„Ist auch kein Wunder, du hast sehr viel Energie verbraucht."
„Wahrscheinlich", sagte Yara und zurrte die Gurte des Sattels nochmals fest. Heute mussten sie ein ganzes Stück vorwärtskommen. Und mit weiteren Angriffen rechnen. Yara runzelte die Stirn, als sie aufsaßen.
„Sag mal, wer sind die Fideri, von denen der Gargoyle gestern gesprochen hat?"
Ariks Gesicht verzog sich zu einer angewiderten Maske. „Das ist der Clan, der vor hundert Jahren versucht hat die Träne zu stehlen."
„Aha... Und dieser Dragan?"
„Das weiß ich nicht – der war vor hundert Jahren sicher nicht dabei."
Yara rollte mit den Augen. „Nein, natürlich nicht."
„Tut mir leid, das war ein schlechter Scherz." Sie verließen das Dorf und ritten weiter auf der Landstraße. Am Horizont konnte man schon die Spitzen des Secubgebirges erkennen.
„Ich denke, dass dieser Dragan den Plan seiner Vorväter weiterführt. Mir ist nur nicht klar, woher er von meinem Erwachen wusste."
Ein eiskalter Schauer rann Yaras Rücken hinunter, als ihr ein grausamer Gedanke kam. „Vielleicht war er es, der deine verwandelten Kameraden gestohlen hat."
„Hm", machte Arik und rieb sich übers Kinn. „Möglich. Aber dann wusste er ja auch nur, dass ich fehlte. Wie aber erfuhr er davon, dass ich kein Gegenstand mehr bin?"
Yara schwieg einige Minuten und dachte angestrengt nach. Doch ihr wollte nichts einfallen und sie zuckte mit den Schultern. „Wir können ihn ja fragen, bevor wir ihm das Licht ausblasen."
Ariks amüsiertes Lachen lenkte ihren Blick auf ihn. Seine Augen funkelten mordlustig, als er sagte: „Es hat sich wirklich gelohnt hundert Jahre auf dich zu warten Frria."
Plötzlich verlegen sah Yara in die andere Richtung, um ihre roten Wangen zu verstecken.
Ich benehme mich wie eine Pubertierende, schalt sie sich und versuchte ihren Herzschlag zu beruhigen. Sie war sich durchaus darüber im Klaren, dass sie Arik nach dieser Reise nicht mehr wiedersehen würde. Der Kindkönig hatte es überdeutlich von ihr verlangt. Ansonsten würde er sie wohl gewaltsam von ihm trennen.
Zum Schutz der Träne des Urdrachen muss er in Isolation leben.
Als sie es sich wieder zutraute, betrachtete Yara ihn verstohlen von der Seite.
Dabei erschein er mir ein Mann zu sein, der sich unter vielen am wohlsten fühlt, dachte sie. Arik schien ihren Blick zu spüren und erwiderte ihn.
„Was ist?", fragte er und einer seiner Mundwinkel zuckte.
„Nichts", log Yara und sah wieder gerade aus.
Arik und Yara hatten den Tag über Glück und kamen ohne Zwischenfälle ein gutes Stück voran. Die Berge waren nun deutlich zu erkennen und ihr Ziel in greifbarer Nähe. Es war Abend, als sie in der Stadt Hiveli ankamen. Nicht ganz so groß wie Iamdiu, schmiegte sie sich an einen kleinen Hügel.
Geschäftiges Treiben herrschte auf den Straßen, als Yara und Arik durch die Stadttore ritten. Nahe er Mauern fanden sie einen Gasthof, in dem zwielichtige Gestalten ein- und ausgingen. Yara rümpfte die Nase, als sie abstiegen.
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Drachenfeuer
FantasiFeuer im Herzen - das hat die Zauberin Yara auf jeden Fall, denn sie gehört zu den Drachenmenschen. Aber auch in einer Welt voller Fabelwesen und Magie kann man noch Überraschungen erleben. Denn wie oft kommt es vor, dass sich vor einem ein altes Am...
