Kapitel 11

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Will Sicht

Als mich mein Wecker aus dem Schlaf riss, merkte ich gleich, durch mein blinkendes Handy, dass ich eine Nachricht hatte. Müde setzte ich mich auf und griff nach dem Handy. Ich hatte eine Nachricht von Lia.

Bleib heute lieber außerhalb des Hauses

Verwundert dachte ich einen Moment drüber nach. Meine Augen wurden groß, als ich verstand und auch glaubte, sie sei ebenfalls nicht da. Schnell zog ich mich um und ging in ihr Zimmer. Wie erwartet leer. Ich schrieb ihr.

Wieso?

Doch die Nachricht kam nicht an. Ich rief sie einmal an, doch die Mailbox spring sofort an. Sie hatte ihr Handy aus. Ich ging runter in die Küche und traf dabei auf niemanden. Komisch. Selbst die Köchin war nicht da. Ich überlegte kurz und ging nach oben aufs Dach zu Vincent. Ich hatte ihn aus Zufall vor zwei Tagen kennengelernt. Schnell schloss ich die Klappe und sah mich um. " Guten Morgen, William." Ich drehte mich um und sah einen lächelnden Vincent am Geländer stehen. "Wo sind alle?" Fragte ich ihn wobei ich zu ihm ging. "Lia hat mir geschrieben ich soll heute lieber nicht hier sein und ist auch spurlos verschwunden." Fügte ich hinzu. Er lächelte traurig. "Heute vor drei Jahren starb Lias Mutter Eva. Dieser Tag verläuft seitdem gleich. Lia ist den ganzen Tag auf dem Friedhof. Ihr Vater beurlaubt die Bediensteten im Haus für diesen Tag. Sobald Lia wieder kommt, gibt es meist großes Gebrüll. Sie hat's nicht leicht. Du solltest zur Schule. Heute Nachmittag kannst du zu ihr gehen. Aber komm ihr bitte nicht zu nah. Lass ihr ihren Freiraum. " Dann ging er wieder. Verdutzt ging ich ebenfalls runter um mir meine Sachen zu schnappen. In diesem Moment tat Lia mir unendlich Leid. Mit ihrem Vater stimmt auch etwas nicht. Also fuhr ich heute allein zur Schule. Ich stellte mich zu Lias Clique, erklärte ihnen, dass Lia krank war und verbrachte diesen Schultag eher schweigend. Nach der Schule fing ich an die ersten Friedhöfe abzufahren. Nach einer Weile fiel mir eine kniende Person auf einer der Friedhöfe auf. Es dämmerte bereits. Ich parkte das Auto, stieg aus und ging durch das Friedhofstor. Ich konnte sie schon vom Eingang erkennen. Sie hatte ihre Augen auf ein Bild gerichtet. Ihr Gesicht sah rot und verweint aus. Ihre Augen leer. Ich trat neben sie. Es standen ein Korb mit Blumen, zwei Kerzen und ein Bild vor dem Grabstein. Ich las die Worte auf dem weißen Stein. Außerdem lagen hier zwei leere Flaschen Bourbon. Und eine fast leere. Ich fragte mich wie sie an den Alkohol kam. Ich kniete mich neben ihr. Auf dem Bild war Lia in einer älteren Version und einer jüngeren Version abgebildet. Ihre Mutter. Lia starrte das Bild ununterbrochen an. Es war als würde sie mich nicht registrieren. "Wie war deine Mutter?" Fragte ich leise und vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken. Sie reagierte erst nicht, aber als sie dann anfing zu erzählen, könnte man wieder etwas Glanz in ihren Augen erkennen. "Sie war wunderschön. Und begabt. Wenn ich ein Problem hatte oder Rat brauchte, war sie immer für mich da und tröstete mich. Sie konnte wunderschön singen. Immer wenn Dad lange arbeiten war, setzten wir uns ins Wohnzimmer. Sie fing an ein Lied zu singen und ich spielte Gitarre. Sie war ein Engel. Wir waren die perfekte Familie. Sagte man. Das waren wir auch. Wir waren glücklich. Alles war perfekt. " Sie blieb still. Ihr Augen wurden wieder glanzlos. "Sie war auf dem Heimweg im Auto. Ich telefonierte gerade mit ihr. Ich wollte ihr gerade erzählen, was Nicklas schon wieder getan hatte. Ich bekam nichts so richtig mit. Ich hörte ihr Schrei, lauten Krach. Dann war es für einen kurzen Moment still. Dann merkte ich, dass die Verbindung weg war. Irgendwann tauchte Dad auf. Ich erzählte ihm panisch, was passiert war. Dann kamen die Polizisten. Sie erzählten uns, dass ein betrunkener Geisterfahrer in sie rein gefahren war. Sie war auf der Stelle tot."

God save the Prom QueenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt