05. - Hoffnung ist eine Schlampe.

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... ,,Ok. Nur noch eine Frage.", ich holte tief Luft , ,, wieso hast du mich eigentlich gekauft?"...

Lavinia zuckte kurz zusammen und starrte mich mit einem schuldbewussten Blick an.
,,Warum willst du das wissen?", fragte sie ängstlich.
Zugegeben nach ihrer Reaktion wollte ich eigentlich gar nicht mehr hören, wieso sie das getan hatte. Trotzdem es gab ein Teil in mir der die Antwort wissen wollte. Jetzt sofort.
,,Naja. Wenn du an meiner Stelle wärst, würdest du dich doch auch dafür interessieren, oder?"
Sie schüttelte abwehrend mit den Kopf. ,,Nein, würde ich mich nicht. Es ist nicht immer gut eine Antwort auf eine Frage zu kriegen."
Ich rollte mit den Augen und konnte es nicht fassen, dass sie sich so anstellte. So schlimm konnte es ja nicht sein. Also setzte ich eine ernste Miene auf. ,,Sag es einfach, ok?"
Sie musterte mich kurz, so als überlege sie sich ob ich es wirklich standhielt. Schließlich seufzte sie ergeben auf. ,,Na gut, aber Tyler..... sag nicht ich hätte dich nicht gewarnt!" Wieder schaute sie mich prüfend an.
,,Ja ja. Ich hab's verstanden und jetzt erzähl schon."
Sie setzte sich wieder neben mich und holte mehrere male tief Luft. Auch ich machte mich innerlich auf ihre Worte bereit. Lavinia schielte zu mir rüber und schluckte hörbar. ,,Also als erstes solltest du wissen, dass ich mich wirklich furchtbar dafür schäme.", sie tastete haltesuchend nach meiner Hand und drückte sie kurz. Zuversichtlich drückte ich zurück. Das schien sie zu beruhigen und schnell erzählte sie weiter.

,,Es war eine Wette. Eigentlich hasse ich Wetten und normalerweise geh ich nie drauf ein, aber weist du Ashley, diese Schlampe, hat mich einfach so provuziert. Du weißt ja dass sie mit mir im Cheerleaderteam ist und schon seit ich denken kann, extremst neidisch auf mich ist. Das soll jetzt nicht abgehoben klingen oder so, aber es ist halt einfach so. Auf jeden Fall stand ich stand ich dann in der Menge und sie neben mir. Sie hat mir zugeflüstert: Wetten dass du dich nicht traust den nächsten, der auf die Bühne geht zu kaufen?  Irgendwie steht sie auf sowas. Auf dieses Wetten dass-Scheiß. Noch ein Grund sie zu hassen. Ich hab ihr sofort höflich gesagt, dass ich so einen Kack nicht mitmache, aber sie hat nur gelacht und irgendwas davon gelabbert, dass das so klar war weil ich sowieso nicht den Mumm zu so etwas habe und eine verzogene Bitch bin. Da hat's mir gereicht. Ich hab' einfach meinen Arm gehoben und den Typen der auf die Bühne steht gekauft. Und das warst halt dann du, Tyler."

Autsch! Das tat weh. Irgendwie hatte ich doch ein kleines bisschen gehofft, dass Lavinia mich gekauft hatte weil sie mich wirklich und wahrhaftig mochte. Aber die Hoffnung ist eine Schlampe und eigentlich sollte mir das schon längst klar sein.

Lavinia musterte mich prüfend und wartete nervös auf mein Urteil. Ich sollte jetzt wahrscheinlich beleidigt sein, oder so. Aber das war ich nicht. Ganz und gar nicht. Ich spürte ja das es Lavinia leit tat und das reicht mir.

Ich lächelte tapfer, stand auf und reichte Lavinia meine Hand. ,,Siehst du, war doch gar nicht so schlimm und jetzt lass uns endlich losfahren. Es ist arschigst kalt."

Erst blickte sie misstraurisch meine Hand an, so als könne sie nicht glauben, dass ich ihr wirklich nicht böse war. Doch schließlich lachte sie erleichtert auf und schlug ihre kleinen, zarten Finger auf meine Handfläche. Ich zog sie hoch und gemeinsamen trotteten wir friedlich zu ihrem Auto.

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Die Autofahrt zu meinem Haus verlief ziemlich ruhig. Jeder war in seinen eigenen Gedanken vertieft, es war einfach nicht genug Platz für Worte. Irgendwie konnte ich es nicht fassen, dass der Abend tatsächlich real war. Es kam mir unmöglich vor mit Lavinia Carraway, Star der ganzen Schule, in einem Auto zu hocken. Hoffnung keimte in mir auf. Vielleicht würde jetzt alles besser werden. Vielleicht würde ich endlich Freunde finden, denn eins war klar; Lavinia schien mich zu mögen. Ein kleines Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus und seit langem fühlte ich mich wieder richtig gut. Nicht dieses Oh-yeah-heute-ist-Samstag-ich-fühle-mich-gut Gut. Nein. Eher dieses die-Welt-gehört-mir-und-ich-bin-so-verdammt-glücklich Gut. Am liebsten hätte ich jetzt das Fenster runtergerollt, den Kopf rausgestreckt und mein Glück rausgeschrien. Doch es war sowieso schon zu spät, denn der Wagen kam langsam vor meinem Haus zum Stehen. Außerdem glaubte ich nicht, dass Lavinia groß davon beeindruckt wäre.

My sweet LaviniaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt