Nach dem Essen gingen wir durch Frankfurt und fuhren anschließend wieder nach Rüsselsheim zurück. Es war schon relativ spät und dunkel. »Und du wohnst jetzt ne Woche lang alleine oder was?«, fragte Enes, als wir schon aus Frankfurt rausfuhren. Ich nickte und sah aus dem Fenster »Ja, ich mag das irgendwie. Musst nicht immer jemanden bescheid geben oderso. Ist chillig.«. Enes sah kurz zu mir und nickte dann »Respekt. Also wir haben es nicht mal mit 18, 19 geschafft alleine zu wohnen.«. Ich lachte los und musste an meinen baldigen Geburtstag denken. Nicht einmal haben sie angerufen oder nach mir gefragt. 16 Jahre war es schon her, dass ich meine Eltern nicht mehr gesehen hatte. Ich sah zu Enes und dann wieder aus dem Fenster.
Würde es ihn jucken, wenn ich mich umbringen würde?
»Bist du behindert?!«, schrie Enes plötzlich. Er fuhr sofort rechts ran und sah mich wutentbrannt an.
Hab ich laut gedacht?
»Wieso willst du dich unbringen?!«, schrie er wieder.
Ich hab laut gedacht.
Ich fing an zu stottern »W-weil. Ich weiss nicht! I-ich seh keinen Grund mehr. Ich-«.
»Beruhig dich mal.«, kam es wieder von ihm. »Du hast mich angeschrien!«, langsam konnte ich meine Wut nicht mehr steuern. »Sorry..Natürlich würde es mich jucken, wenn du sterben würdest, aber wieso? Warum tust du uns.. uns allen das an? Denk doch mal an deine Familie!«, sah er mich verzweifelt an. Ich dachte nach »Weisst du, wie scheiße es ist, wenn die eigenen Eltern innerhalb 16 Jahren nur ein einzigen mal nicht nach dir fragen? Dich nicht suchen? Wenn meine Eltern mich nicht wollten, wer würde es dann tun?«. Enes murmelte etwas, was ich nicht verstand, doch dann sah er zu mir »Deine Freunde? Deine Adoptiveltern? Weisst du, wie sehr du deiner Tante weh tun würdest?«. Ich sah ihn nicht mehr an, sondern starrte nur auf die Straße. Ich spürte, wie Enes mich ansah und bekam irgendwie Gänsehaut. Schon allein, dass er mich überhaupt so ansah, löste in mir komische Gefühle aus. »Ulan sen nerelisin?!«, fragte er plötzlich aufgebracht.
(Woher kommst du?! (Die Frage wird gestellt, wenn man den Ort in der Türkei meint) )
»Rizeliyum, niye?«, antwortete ich im gleichen Ton.
(Ich bin von Rize, wieso?)
(Rize, Schwarzmeer Region, die Menschen dort werden immer als sehr stur angesehen, die Mädchen sind ziemlich selbstbewusster)
Er verdrehte die Augen »Jetzt wissen wir, woher deine Sturheit kommt.«. »Und du? Deine Sturheit ist auch nicht zu übersehen!«, fragte ich mit einem spöttischen Unterton. Enes sah mich stolz an »Gümüşhane!«.
»Pff!«
»Dir genauso Pff«
»Äff mir nicht nach!«
»mimimi!«
»Enes!«
»Deniz!«
»Ula!«
(Ey!)
Es wurde still und wir sahen uns mit einem giftigen Blick in die Augen. Plötzlich zuckten unsere Mundwinkel und wir mussten einfach lachen. »Sinirlerim bozuldu!«, gab ich lachend von mir, woraufhin Enes nickte.
(Meine Nerven sind kaputt gegangen! (Sie hat keine kraft mehr ernst zu bleiben))
»Hör auf zu lachen und fahr!«, forderte ich ihn auf und versuchte mich mit aller Kraft zusammen zu reißen, um nicht zu lachen. Enes folgte meiner Anweisung und wir fuhren weiter. »Wollen wir noch zum Main?«, fragte Enes. Ich sah auf die Uhr und nickte. Angekommen stiegen wir aus und setzten uns auf eine Bank. Ich sah ihn belustigt an »Warum kommen wir immer hier her? Also einfach automatisch.Voll krass.«. Enes lachte auf und starrte den Main an. »Schicksal!«, sagte er hysterisch und breitete seine Arme aus. Jedoch so, dass seine Hand in mein Gesicht knallte , dass ich aufschreckte »Au!«. Ich lachte los und bemerkte Enes' besorgten Blick auf mir »Oh mein Gott, sorry!«. »Was hast du für ne schwere Hand, mann!«, lachte ich weiter und kippte um, sodass ich mich an seine Schulter lehnte.
Ich spürte, wie sich Enes anspannte und setzte mich wieder aufrecht hin. »Was machen wir jetzt?«, fragte er plötzlich und ich sah ihn an. Sein Blick war wieder auf den Main gewendet.
Wie sehr ich ihn wieder küssen würde..
WAS?!
Ich zuckte mit den Schultern »Keine Ahnung.«. Enes lächelte »Sei ehrlich. Du kannst es nicht vergessen?«. Das Blut schoss mir ins Gesicht »Was meinst du?«. Enes sah mich lange an, kam mir näher und flüsterte »Das.«. Genau als ich fast anfangen wollte ihn an zu schreien, dass er weg gehen sollte, drückte er seine Lippen gegen meine.
Ein Feuerwerk ging in mir auf.
Warum tut er das?
Findet er es etwa lustig!?
Nachdem er sich löste, legte er eine Hand auf meine Wange und lächelte mich an. »Warum hast du das gemacht?«, flüsterte ich schon fast. Er zuckte mit den Schultern.
Warum zuckt er mit seinen Schultern?!
»Du bist jetzt aber nicht behindert oder so, oder?«, platzte es aus mir raus. Enes sah mich verwirrt an, nahm seine Hand von meiner Wange weg und sah einfach wieder zum Main. Irgendwann stand er auf und sah mich wütend an »Spürst du echt garnichts? Mädchen! Du- Was ist falsch mit dir?! Erst küsst du mich, dann sagst du, du hast garnichts gespürt und jetzt wieder nicht!? Denkst du nie nach?«. Ich schreckte zusammen und meine Tränen stiegen mir auf. »Vallah, ich check dich nicht!«, rief Enes wieder und kickte mit voller Wut einen Stein weg. Ich stand auf, ging zu ihm und wollte seinen Arm halten, doch dann schubste er mich plötzlich weg, sodass ich hinfiel. Meine Hände brannten und ich bemerkte, dass sie aufgeschürft waren. Geschockt sah ich zu Enes, der mich genauso mit aufgerissenen Augen ansah. Er kam auf mich zu, doch ich rutschte immer weiter hinter. »Fass mich nicht an!«, schrie ich und sorgte dafür, dass er stehen blieb. Ich sah mir meine Hände an, die leicht bluteten. Enes stürzte sich auf mich und packte meine Hände. Er sah sie geschockt an und ich fing einfach an zu weinen. Er ließ meine Hände los, woraufhin ich meine Knie an mich zog und weiter weinte. Dann spürte ich auf einmal zwei Arme um mich, die mich fest umarmten. Ich hatte irgenwie Angst vor ihm, doch irgendwie mochte ich ihn auch sehr. Wir kannten uns inzwischen mehr als einen Monat und er war mir schon sehr wichtig geworden. »Es tut mir leid!«, flüsterte er mehrere Male und ließ mich nicht los, bis ich mich irgendwie beruhigte. Eines ließ mich langsam wieder los und sah mir tief in die Augen. »Ich will nach Hause!«, flüsterte ich, woraufhin er nickte. Still setzten wir uns in sein Auto und er fuhr los. Nach einer kurzen, sehr ruhigen Fahrt, stoppte er auch vor meiner Haustür und sah mich schuldbewusst an. »Gute Nacht.«, sagte ich kurz und knapp und stieg ohne auf eine Antwort zu warten aus.
Enes' Sicht
Genau als ich losfahren wollte, bemerkte ich, dass ein Mann genau vor ihrem Haus stand. Was macht der da? Er war dunkel gekleidet und besichtigte einfach ihr Haus. Ich stellte den Motor ab und bewegte mich zu ihrer Haustür, wo ich auch klingelte. Deniz machte die Tür auf und sah mich überrascht an. Bevor sie noch etwas sagen konnte, ging ich rein und erklärte ich ihr die Situation »Sei leise, da steht ein Typ vor dem Haus und schaut die ganze Zeit hin.«. Sie merkte, wie ernst ich es meinte und schloss die Tür. Sofort ging sie ans Küchenfenster und sah unauffällig hin. »Kennst du den?«, fragte ich, woraufhin sie den Kopf schüttelte »Noch nie in meinem Leben gesehen.«. Plötzlich sah er zu uns, weshalb ich Deniz sofort wegzog und sie umarmte. Ich führte sie ins Wohnzimmer, schaltete das Licht in der Küche aus und führ die Rollläden runter. »Was machen wir jetzt?«, fragte sie besorgt und ich setzte mich auf das Sofa. »Keiiiin Plan. Ich könnte die Jungs rufen und wir würden den mal fragen 'was ihm auf dem Herzen liegt'.«, grinste ich am Ende. Deniz sah mich empört an und schüttelte lächelnd den Kopf.
»Lass 'nen Film schauen!«, schlug sie vor und ich stimmte ihr zu. Sie wählte einfach irgendeinen Tranformers Film aus, den wir dann mit einer Packung Chips und Cola ansahen.
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Nachdem der Film zu Ende war, beschloss ich zu gehen. Sicherheitshalber checkte ich nochmal aus, ob der Mann schon weg war. Als dies auch der Fall war verabschiedete ich mich von ihr und zog meine Schuhe an. Deniz lehnte sich an die Wand und sah mir zu. Sie sah ziemlich verunsichert aus und genau als ich die Tür öffnen wollte, stoppte sie mich »Enes!«. Ich sah sie fraglich an, woraufhin sie ihre Arme um mich schlang und flüsterte »Kannst du bitte hier bleiben?«. Ich musste schmunzeln und erwiderte ihre Umarmung »Klar.«. Wir setzten uns also wieder ins Wohnzimmer und sie holte ihre Shisha. Deniz bestand darauf den Kopf selbst zu machen, woraufhin ich die Kohle anzündete. Nachdem alles bereit war, rauchten wir und unterhielten uns wieder ganz normal.
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Du kennst mich nicht! - Mero 428 FF
FanfictionIn dieser Geschichte geht es um ein Mädchen, die mit Hass erfüllt ist und jeden abstößt, der ihr zunahe kommt ab. Doch in jener Nacht trifft sie auf den bekannten Enes Meral zu. Was genau passiert, erfährt ihr in der Geschichte. Viel Spaß beim Les...
