Four

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20 Tage bis Weihnachten

F L O R E N C E

Nach einer fast schlaflosen Nacht weckte mich meine Mutter und bat mich aufzustehen. Schweren Herzens folgte ich ihrer Bitte, nahm mir die frischen Anziehsachen, die mir meine Mutter herausgelegt hatte und verschwand damit im Badezimmer.

Zehm Minuten später kam ich fertig für die Arbeit wieder heraus, packte meine Jause ein und machte mich auf den Weg zur Kreuzung, wie jeden Morgen. Mit jedem Schritt, den ich der Ampel näher kam, stieg meine Nervosität um 110% an.

Wird er da sein? Geht es ihm gut? Wird er mir helfen? Wie komme ich über die Straße, wenn er nicht da sein wird? Wie würde ich erfahren was mit ihm geschehen ist? Wie würde ich erfahren, ob er noch im Krankenhaus liegt, ich wusste ja nicht mal seinen Nachnamen.

Tausend Fragen schwirrten mir im Kopf herum. Im nächsten Moment kam ich auch schon an der Laterne an, an der das kaputte Gerät befestigt war.

"Na, auch wieder hier?", fragte mich eine gut gelaunte Stimme.

"Luke?", fragte ich etwas unsicher.

"Wer sonst?", lachte er.

Ich tastete vorsichtig die Luft nach ihm ab und erfühlte schlussendlich den weichen Stoff seines Mantels. Sofort schlang ich meine Arme um ihn, wohl darauf achtend ihn nicht mit meinem Stock zu verletzen.

"Hey, was ist denn mit dir los?", fragte er lachend und verwirrt zu gleich.

Ich bemerkte, dass sich meine Wangen erhitzten und vermutlich musste ich in diesem Moment aussehen wie eine Tomate, aber das war mir egal, ich war einfach überglücklich, dass es Luke geht ging.

"Ich bin gestern mit meiner Mutter hier an der Kreuzung vorbeigefahren und ein Polizist hat uns darüber aufgeklärt, dass hier anscheinend ein Junge namens Luke angefahren wurde. Ich dachte du wärst dieser Junge gewesen und ich hatte mir schon das Schlimmste ausgemalt."

"Um ehrlich zu sein war ich auch dieser Junge, aber ich bin mit einem leichten Kratzer an der Stirn und den Schock meines Lebens davongekommen", erklärte er mir.

Ich musste einmal kurz schlucken, da er mir verdammt leid tat, andererseits war ich aber auch sehr froh, dass die Geschichte so gut ausgegangen ist.

"Und da haben sie dich schon gehen lassen? Sollten sie dich nicht eigentlich wenigtens einen Tag unter Beobachtung im Krankenhaus behalten?", fragte ich ihn verwirrt.

"Nunja, eigentlich schon, aber ich hab mich selbst entlassen."

"Warum?"

"Weil du sonst nicht über die Straße gekommen wärst."

Ich musste bei seinen Worten lächeln und fragte, ob den die Ampel nun grün war.

"Eigentlich ist die Ampel grün, aber was hältst du davon, wenn wir erstmal nach rechts abbiegen und eine heiße Schokolade gemeinsam trinken? Geht natürlich auf mich."

Ich wollte gerade zu einer Absage ansetzen, aber er unterbrach mich.

"Kein aber und keine Ausreden, du kommst jetzt mit", lachte er.

Vorsichtig nahm er meine Hand und ging mit mir zum nächsten Café, welches nur einmal um die Ecke war. Er öffnete mir die Tür und führte mich an einen Tisch. Ich setzt mich und er bestellte uns in der Zwischenzeit die zwei Tassen mit heißer Schokolade.

"Bittesehr", sagte er und ich hörte wie er die Tasse vor mir abstellte.

Ich bedankte mich und pustete ein paar Mal auf das ziemlich heiße Getränk vor mir. Vorsichtig nahm ich einen Schluck und spürte, wie sich die Wärme in meinem ganzen Körper ausbreitete.

"So und jetzt erzähl mir mal was von dir", sagte er plötzlich.

"Weißt du auch wenn ich es vielleicht nicht sehen kann, spüre ich, dass du mich ansiehst, also wäre es fairer wenn du mit der Vorstellrunde beginnen würdest."

"Also ich bin ziemlich groß, habe blonde Haare, bl-", begann Luke zu erzählen, doch ich unterbrach ihn.

"Es kommt hier nicht aufs Aussehen an. Ich will wissen wer du bist, nicht wie du aussiehst."

"Also gut. Ich heiße Luke. Luke Hemmings. Ich spiel in einer Band, aber keine große Sache."

"Also kannst du singen?", fragte ich begeistert.

"Mehr oder weniger ja", murmelte er unsicher und brachte mich damit zum Kichern. Es war süß wie unsicher er sich war.

"Sing mir was vor", bat ich ihn.

"Nicht heute."

"Aber du versprichst es mir?"

"Na schön", gab er dann schließlich seufzend nach.

Wir tranken beide unseren Kakao aus und Luke bezahlte. Ich bedankte mich für die heiße Schokolade und musste mich danach gleich auf den Weg zur Arbeit machen, wenn ich meine Schicht pünktlich beginnen wollte.

Luke begleitete mich noch bis zur Tür und verabschiedete sich mit einer Umarmung von mir.

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Langsam kommt das Weihnachtsfeeling auch bei mir :D

Wie siehts mit euch aus?

Greenlight ❆ l.h ✔Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt