Wᴇ ᴛʀɪᴇᴅ ᴛᴏ ʜɪᴅᴇ ᴏᴜʀ ғᴇᴇʟɪɴɢs ʙᴜᴛ ᴡᴇ ғᴏʀɢᴏᴛ ᴛʜᴀᴛ ᴏᴜʀ ᴇʏᴇs sᴘᴇᴀᴋ.
Frau Winter begrüßt mich wie immer mit einem kurzen Kopfnicken und diesem genervten Gesichtsausdruck.
Was paradox ist, da sie eigentlich hier ist, um mir zu helfen.
"Hallo Lucian. Wie war die Woche?"
Ich verstehe es wirklich nicht. Wenn ich Leuten nicht helfen will, warum mache ich diesen Job dann?
"So wie immer." - meine Standardantwort.
Und so geht es weiter: die gleichen Fragen, die gleichen Antworten.
Es ist ermüdend und ich weiß, warum ich die Therapiestunden verabscheue.
Meine Mutter will mich heute von der Stunde abholen. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte, deswegen habe ich einfach mit den Schultern gezuckt.
Meine Eltern haben immer viel gearbeitet, aber gerade jetzt nimmt es überhand. Sie scheinen es so zu verarbeiten, versuchen es zu verdrängen. Und ich habe das Gefühl, daran zu zerbrechen.
•••
"Hallo Schatz, wollen wir noch ein Eis essen? Es hat ein neuer Laden in der Innenstadt aufgemacht. Meine Freundin Jessie hat ihn mir empfohlen, der soll richtig gutes Eis haben..."
Neuer Nebeneffekt, den ich als äußerst unschön empfinde: meine Mutter hat die Neigung bekommen, jede Stille füllen zu müssen.
Weil sie nicht mit Stille klar kommt. Denn das bringt die Gedanken zurück.
"Ja, klar." probiere ich ihren Redefluss zu stoppen. Hart, aber sie hört auf zu reden.
Bei der Eisdiele angekommen, nehme ich Grüner Apfel, weil ich dieses Eis vergöttere, und Pistazie, weil Nic immer Pistazie genommen hat.
Es schmeckt mir nicht mal wirklich, aber das mach ich aus Prinzip.
Und plötzlich sehe ich Aaron mit seinen Freunden in der Ecke sitzen. Sie lachen und amüsieren sich.
Aarons Blick schweift durch das Café und ich versuche, mich sofort möglichst klein zu machen. Und doch treffen sich unsere Blicke.
Dunkelbraun trifft auf Hellgrau. Ich bin wie versteinert und komme erst in Bewegung, als die dünne Hand meiner Mutter mich leicht an der Schulter berührt.
Ich schrecke auf und gehe aus dem Café. Die hellgrauen Augen verfolgen mich immer wieder in dieser Nacht. Aber es ist allemal besser als die Gedanken an meinen Bruder, die ich so schlecht ausschalten kann.
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Mondscheingedanken
القصة القصيرةWie die Sonne den Mond aus dem Dunklen befreit- oder die Geschichte von Lucian und Aaron.
