Es war schon wieder ein Rennen zum Vergessen. Momentan wollte es einfach nicht für ihn laufen. Dabei war er gar nicht so schlecht gestartet, hatte nur fast sofort den Anschluss an die Spitze verloren. Mercedes dominierte mal wieder alle und Ferrari stand ihnen dieses Wochenende um nichts nach. Eigentlich sollte er damit zu frieden sein, dass niemand ihn direkt attackieren konnte und er mehr oder weniger sein eigenes Rennen fuhr. Seine Gedanken waren nämlich leider überall, nur nicht auf der Strecke. Sich zu konzentrieren fiel ihm schwer und wenn er nicht schon so viele Jahre Erfahrung in der Formel 1 gehabt hätte, wäre er sicherlich in Schwierigkeiten gekommen.
Er kam einfach nicht darauf klar, dass er Lando jetzt schon eine Woche nicht gesehen hatte. Denn auch wenn heute schon Sonntag war, so hatte der Brite es die letzten Tage wirkungsvoll geschafft ihm aus dem Weg zu gehen. Aus der Ferne ja, da hatte er ihn gesehen und bei der Fahrerparade hatte er sogar „Hallo" zu ihm gesagt, dass war dann aber auch schon der Gipfel der Freundschaft zwischen ihnen an diesem Wochenende gewesen. Dabei sehnte er sich so sehr danach den Jüngeren endlich wieder in seine Arme zu schließen und zu hören, dass er ihm verziehen hatte.
Das Rennen lief mittlerweile schon einige Zeit, als auf einmal eine Safety-Car Phase aufgerufen wurde. Da hatte wohl irgendeiner seiner Kollegen mal wieder Mist gebaut. „Was ist passiert?", fragte Max und hatte mit einem Mal ein seltsam mulmiges Gefühl im Bauch. „Magnussen und Norris sind kollidiert", kam die Info von der Box und das mulmige Gefühl wuchs zu einem dicken Ballen. „Sind sie ok?", dabei interessierte ihn eigentlich nur ob mit Lando alles in Ordnung war. Vor ihm tauchte jetzt die Unfallstelle auf und er konnte den Haas-Piloten neben seinem Boliden erkennen, der relativ unversehrt aussah. Ganz anders gestaltete sich das Bild beim McLaren, der sich definitiv überschlagen haben musste, so wie er da seitlich in den Reifenstapeln hing.
Am liebsten hätte er angehalten und geholfen, doch das war nicht möglich, geschweige den nötig, denn um das Fahrzeug sprang schon eine ganze Armada von Menschen in Warnwesten rum. Max brauchte all seine Selbstbeherrschung um am Boxenfunkt nicht hysterisch zu klingen. So ruhig, wie möglich fragte er, „Was ist mit Norris?" Doch man wusste noch nichts, konnte ihm keine Auskunft geben. In diesem Moment zerbrach etwas in ihm. Was wenn der Jüngere schwer verletzt oder vielleicht sogar... Nein, so etwas durfte er nicht denken. Die Vorstellung ihn vielleicht verloren zu haben, war mehr als er ertragen konnte.
Er folgte weiter den Anweisungen, die er erhielt, während seine Gedanken um Lando kreisten. Er hatte ihm immer noch nicht verziehen und wer wusste schon, ob es jetzt überhaupt noch dazu kam. Max dachte an die Tage, die er noch mit Lando in England verbracht hatte, bevor er zurück nach Monaco gemusst hatte. Tagsüber waren sie wirklich nur Freunde gewesen, der Brite hatte ihn auf Abstand gehalten, Umarmungen, kuscheln oder sonstige körperliche Nähe war effektiv von ihrer To-do-Liste gestrichen worden. Stattdessen hatten sie zusammen Sport getrieben, virtuelle Strecken erkundet, Fifa gezockt und sogar zusammen gekocht, was allerdings in einem ziemlichen Desaster geendet und beinah einen Küchenbrand beinhaltet hatte.
Bei der Erinnerung an das Gesicht, welches Lando gezogen hatte, als ausversehen die Pfanne in Flammen aufgegangen war, schlich sich jetzt ein kleines Lächeln auf Max' Gesicht. Die Nächte hingegen, waren eine ganz andere Sache gewesen, auch wenn nichts Sexuelles zwischen ihnen stattgefunden hatte, so war doch der Moment, wenn der Brite nachts zu ihm unter die Decke schlüpfte, das Highlight seines Tages. Diese kurzen Augenblicke, bevor sie beide nebeneinander eingeschlafen waren, hatten ihm mehr bedeutet, als er sich eingestehen wollte. Wenn Lando sich an ihn gekuschelt und er ihn ganz fest in seine Arme geschlossen hatte, war seine Welt ein Stückchen besser gewesen.
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Unstoppable Desire (Formel 1)
RomanceWeggucken ging nicht. Das, was Max sah, fesselte ihn mehr als es sein sollte. Dennoch war es faszinierend. Etwas, dass er so bewusst noch nie gesehen hatte. Es stellte alles auf den Kopf, was er über sich selbst zu wissen glaubte und trotzdem ist es...
