꧁•⊹٭Chapter 1٭⊹•꧂

209 9 0
                                        

Alles um mich herum bleibt stehen, woraufhin ich wohlig ausatme. Die Welt still zu sehen ist eines der schönsten Dinge für mich- man fühlt sich frei und hat zumindest für diesen Moment keinerlei Pflichten und Verantwortungen.

Das Druckgefühl, das viele Leuten kennen, wenn sie mit einem Flugzeug starten, beziehungsweise landen und gerade spürbar ist, ist längst nicht mehr so unangenehm wie früher. Durch jahrelanges Training kann ich diesen Zustand bis zu 24 Stunden halten. Natürlich kommt es immer auf meine Umgebung an und in welcher Situation ich mich befinde. Im Training gegen meinen Vater konnte er diese Art Barriere durchbrechen, was meine Körper verletzte. Solch eine große Macht zu zügeln ist kompliziert und da ich noch immer zu unerfahren bin, kann große Auswirkungen auf meine Gesundheit haben.

Wir konnten noch nicht viel über diesen Quirk herausfinden, vor allen nicht welche Spannweite sie haben kann. Bis jetzt bin ich in der Lage dazu, die Zeit 12 Stunden zurückzuspulen und 24 Stunden in einem gefahrlosen Umfeld anzuhalten. Da ich noch nicht all zu viel Kontakt mit anderen Menschen hatte, konnten wir noch nicht weiter daran forschen.

Orientierungslos schlendere ich die Straßen entlang, hoffentlich zurück nachhause. Ich gebe meinem Vater die Schuld dafür. Hätte er mich mit der Welt anstelle des Trainingsraums vertraut gemacht, würde ich jetzt wissen, wo ich mich befinden.
Glücklicherweise finde ich zurück, was schon beinahe einem Wunder gleicht. Kurz bevor ich reingehe, klatsche ich meine Hände wieder ineinander, damit die Zeit weiterläuft und trete ein. Rasch streife ich meine schmutzigen Schuhe von den Füßen und schleiche durch den langen Flur.

Erleichternd stelle ich fest, dass mein Erzeuger noch nichts von meiner Wiederkehr mitbekommen hat, weswegen ich leise in das Wohnzimmer tapse, wo meine beiden Brüder auf der Couch lungern.

Einmal Taki, der sich verzweifelt durch die mittellangen Haare fährt und mit dem Kopf über seinen Ordner voller Hausaufgaben, die über die Sommerferien auf waren, hängt und daneben Tsukasa, welcher gespannt auf den laufenden Fernseher sieht. So sind sie nun mal, Taki ist ein totaler Dramatiker mit einer offenen, herzlichen Art, wobei im Gegenteil Tsukasa, der Ältere, in sich gezogen, dafür aber ein Genie ist. Ich kenne ihn gut, er ist wie der Stützpunkt für mich und Taki, der der alles zusammenhält. Ich weiß nicht wo wir jetzt wären, wenn es ihn nicht geben würde.

Da sie mich noch nicht bemerkt haben, entschließe ich mich spontan den Jüngeren der Beiden zu erschrecken. Langsam und vorsichtig, sodass der Eichenholzboden nicht knirscht, schleiche  ich mich von hinten an.
"BOO!", rufe ich euphorisch, während ich meine beiden Hände auf seine Schulter platzierte. "UM GOTTES WILLEN, SOLAR!", schreit er ganz außer sich, mindestens vier Oktaven höher und dreht sich zu mir um.

Aus meinem Augenwinkel kann ich noch erkennen, wie Tsukasa das Geschehen belustigt betrachtet, bis Taki über die Couch klettert und sich auf mich stürzt. Wir beide fallen lachend zu Boden. Ich weiß genau, was jetzt kommen mag und bevor ich noch weiter drüber nachdenken kann, spüre ich wie seine langen Finger in meine Seiten piksen, wodurch ich lachend versuche mich unter ihm zu winden. Doch keine Chance, er würde niemals so schnell nachlassen.

"Ta...ki!", versuchte ich zwischen meinen Lachern herauszubringen, wobei ich mir sicher bin, sein Gesicht ist von einem breiten Grinsen geschmückt.

"Also wenn du unbedingt willst das ich aufhöre...", er lässt kurz von mir ab, sitzt aber trotzdem noch auf meinen Oberschenkeln, "musst du mir einen gefallen tun". Genervt stöhne ich auf und pustete mir die Haarsträhnen aus dem Gesicht.
"Ich mach ganz Sicher nicht deine Hausaufgaben!", durch das mustern seiner Gesichtszüge weiß ich nämlich genau, worauf das hinauslaufen sollte.
"Ach komm schon! Ich habe die ganzen Ferien damit verbracht, vorm Computer zu sitzen! Ich hatte also gar keine Zeit das auch noch zu erledigen!", beschwert er sich und schiebt dabei seine Unterlippe vor. Eine sehr süße Gewohnheit.
"Taki, du hast die ganze Zeit League of Legends und was weiß ich noch gespielt, selbst Schuld! Ich mache deine Aufgaben nicht!", trotzig verschränkte ich die Arme vor meiner Brust. Ich würde wirklich viel für ihn tun, aber das geht zu weit!
"Na schön, dann musst du eben-", gerade setzte er an, mich weiter auszukitzeln, doch räuspert sich eine tiefe Stimme, dessen Besitzer im Türrahmen steht. Alle drei Augenpaare wandern zu den graustechenden Augen, die uns kalt betrachten.

"Taki, geh von deiner Schwester runter und mach deine Aufgaben, damit wenigstens irgendwas aus dir wird. Und du...", er zeigte mit dem Finger auf mich, "gehst jetzt auch lernen. Alleine in deinem Zimmer. Du kannst keine Ablenkung gebrauchen.", und damit machte er auf Absatz kehrt.
Seufzend erhebte sich Taki und hält mir seine Hand hin, die ich dankend annehme.
"Der ist ja mal wieder in aller bester Laune", hörten wir Tsukasa von der Couch aus murmeln. 

"Der Typ hat doch einen Knall! Warum will er dich immer von uns weg sperren? Wir haben dich 3 Jahre lang kaum gesehen! Und jetzt bist du schonmal hier und wir dürfen nicht mal was zusammen machen!", beschwerteTaki sich in vollen Zügen während er  genervt zurück zu dem Olivfarbenen Sofa geht und sich frustriert drauf fallen lässt.

"Ich würde es auch bevorzugen, bei euch zu bleiben. Aber ihr wisst wie er wird, wenn man nicht das macht, was er will.", mit niedergeschlagenen Blick verlasse ich den Raum und gehe in mein Zimmer.

Genervt schmeiße ich die Schiebetür von meinem Zimmer zu und lasse mich frustriert auf meinem Futon nieder.  Es hätte nichts gebracht, hätten wir uns gegen ihn aufgelehnt. Bedauerlicherweise hat er seine Mittel schreckt nicht davor zurück, seinen Kindern das ein oder andere Hämatom zu verpassen. Ich kann mich noch ganz genau an den einen Tag erinnern. Der Tag, an dem ist zum ersten Mal am eigenen Leibe erfahren habe, zu was er Fähig ist.

Es geschah, als ich kurz davor war auf die Mittelschule zu gehen, also auch kurz davor mit ihm umzuziehen . Mein zierlicher Körper war von dem ganzen Training schon überstrapaziert, weswegen ich nur mit Schmerzen laufen konnte und mein Bauch dauerhaft schmerzte. Doch unser Vater meinte, wer Schwäche zeigt würde immer verlieren, weswegen er trotz der Umstände nicht locker gelassen hat.

Und wie es kommen musste, übergab ich mich mittendrin und brach zu Boden zusammen. Meine Umgebung nahm ich nur noch verschwommen und gedämpft war, allerdings wusste ich, dass er mich anschrie und immer wieder leicht gegen mich tritt. Genau in diesem Moment kamen meine Brüder rein, da sie mir unbedingt ihre selbstgemalten Abschiedsbilder zeigen wollten. Sobald sie mich in diesem Zustand sahen, ließen sie geschockt die Bilder fallen und rannten besorgt auf mich zu um mir zu helfen.
Unser Erzeuger war da aber anderer Meinung. Ich weiß nicht genau, was genau danach geschah, ich weiß nur, dass ich im Krankenhaus aufwachte und neben meinem Bett meine besorgte Mutter, Taki mit einem blauen Auge und Tsukasa, der noch nie zuvor so in dich gekehrt war, saßen.

So tief in meine Gedanken versunken bekomme ich gar nicht mit, wie zwei große Arme sich um meinen Körper schlingen und mich an eine warme Brust drücken.  Wenn man gerade dran denkt, dieser jemand kann nur Kasa sein.
Die wohltuende Umarmung lässt meinen Körper sich von all den Anspannungen lösen, gefolgt von stummen Tränen und leisen Schluchzern, die sich über die Zeit angestaut haben.
Erst jetzt realisiere ich, wie sehr ich das Gefühl von Zuneigung vermisst habe. Mit seiner großen Hand fährt er über meinen Rücken, während er mir beruhigende Worte in mein Ohr säuselt.

"Was, wenn er davon mitbekommt?"
"Wird er nicht, er ist auf Patrouille. Solar... Jetzt, wo du wieder zuhause wohnst, kann er uns kaum auseinanderhalten. Also habe bitte keine Angst zu uns zu kommen, falls was ist.", als Antwort gebe ich ihm nur ein Kopfnicken, woraufhin er weiter spricht,"Wenn es was gibt, was wir für dich tun können, gib uns Bescheid".

Danach herrschte eine Stille, doch war sie in keiner Weise unangenehm. Tsukasas Hand liegt jetzt an meinem Hinterkopf und streichelt sanft drüber. Ja, ich habe sie so sehr vermisst. Was würde ich nur ohne ihn und Taki machen?

'''
Second chapter :3

Our Last Summer - Shoto Todoroki x OC [Deutsch]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt