garden

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Nachdem wir alle aufgegessen haben und ich, während die anderen Männer mit Felix labern, meinen schelmischen Plan, von dem Felix garantiert Vertrauensprobleme bekommen wird, ausgebessert habe, drehte sich Felix, welcher einen komischerweise schwarzen Anzug trug, welcher ihm, wie schon gesagt, auch noch unglaublich gut stand, zu mir und sah mit seinen Augen in meine, welche noch etwas heller waren, als seine. „Der Tag ist noch nicht zu Ende, Kai", sagte er, worauf ich nur gespannt meine Augenbrauen hob und meinen Kopf auf meiner Hand abstützte. „Ach ja, was machen wir den noch?", fragte ich und sah ihm weiterhin in die Augen, um ihm zu zeigen, dass meine volle Aufmerksamkeit bei ihm lag. Wer weiß, vielleicht steht er genau auf so etwas, denn manche Frauen taten dies, soweit ich von meiner eigenen Erfahrung weiß. Anscheinend habe ich voll ins Schwarze getroffen oder er ist einfach richtig schüchtern, da er schon nach wenigen weiteren Sekunden den Blick von mir abwendet und panisch den Blick seiner andern Männern sucht, welche mir bis jetzt komplett am Arsch vorbeigingen.

Ich schaute weiterhin intensiv Felix' Seitenprofil an, welches ich mir nun sogar selbst wünsche zu besitzen, obwohl auch ich nicht gerade abstoßen und mit meinen hellen Augen, welche Felix auch besaß, auch noch etwas Besonderes war.

„Ja, denn ich werde dir nun, nein", sagte Felix und unterbrach sich somit selber und sah in die Runde und redet erst nach ein paar Sekunden weiter, „wir werden dir nun erklären, wofür du eigentlich hier bist", beendet er seinen Satz.

Nun wurde das ganze Interessant und ich musste gar nicht mehr so tun, als hätte er meine volle Aufmerksamkeit, da er diese nun wirklich besaß. „Wir wollen, dass du etwas ganz Spezielles machst, und zwar, da du deine Familie, aus welche Grund auch immer, sowieso nicht ausstehen kannst, wirst du deine komplette Familie ausrotten und von unten anfangen, sodass ich irgendwann zu ihrem Nachfolger und Prinz gekrönt werde und diesen verdammten Krieg mit dieser Spezialeinheit hier beenden kann", sagte er und knallte bei seinen letzten Worten seine Hand auf den Tisch, was seine Wut auf diesen Krieg nur noch verdeutlicht.

Ich sollte was?...Meine Familie ausrotten.

„Ich mach's", sagte ich ohne zu zögern, da ich dieses ekelhafte Ungeziefer sowieso schon immer hatte ausrotten wollen und wahrscheinlich hätte ich sowieso keine andere Wahl gehabt. Nun war es Felix, der staunte und sich zum ersten Mal wieder zu mir umdrehte. „Einfach so?", fragte er völlig verblüfft. „Ich wollte sie eh schon immer umbringen, also kommt mir diese Gelegenheit ganz schön gerecht", sprach ich meine Gedanken aus und konnte sehen, wie sich Felix' Gesichtsmuskeln entspannten, da er merkt, dass ich ihn nicht verarsche. Felix erklärte mir den Plan noch etwas genauer und ich muss sagen, seine Idee war nicht einmal so schlecht, doch sie hatte einen Hacken.

Ich soll bei den untersten Botschaftern und Herzogen anfangen und mich immer weiter hocharbeiten, zu dem jetzigem Prinz und seiner versprochenen Prinzessin, welche ich noch nie gesehen hatte. Nachdem diese tot sind, wird jemand neues zum Prinz gekrönt und sollte dies nicht Felix selbst sein, so sollte ich diesen wieder töten, bis nur noch Felix übrigblieb und sie ihn krönen. Anschließend werde ich die Königin und den König, also meine Eltern, umbringen und Felix wird zum König und ich zum Prinz gekrönt, um mit ihm und diesem von Felix auserwähltem Kreis von Verräter der Lichtkönigsfamilie diesen Krieg zu beenden.

Der Hacken war nicht das Töten, dies würde ich schon schaffen, sondern der Schritt „Krieg beenden". Felix wusste wohl nicht, dass wenn man einmal die Macht hat, welche man sich schon so lange gewünscht hat, sich die Lebenseinstellung eines Menschen komplett ändern können. Dies habe ich selbst zu Gesicht bekommen, als meine Eltern in ihrem Geld gebadet haben, während das Volk nur so darunter litt. Ich würde Felix einfach töten, sobald ich zum Prinz gekrönt worden war und würde somit dem Schatten zum Sieg verhelfen.

Ich jedoch stellte mich dumm und nickte einfach zu allem und bejahte alles, was von mir verlangt wurde. 

Denn die Gabe eines guten Lügners ist es, Menschen glauben zu lassen, dass du kein Talent zum Lügen hättest.

Ich konnte sehen, wie Felix' Augen vor Stolz und Vorfreude glänzten, aber er war noch jung und naiv, so wie alle anderen in dem jungen Alter von 16 auch. Ich war ganze achte Jahre älter, als er und für einen Krieger, egal ob Schatten oder Licht, noch extrem jung, aber Felix war definitiv zu jung. Tja, kann man nichts machen. Er wird es dann spätestens merken, wenn er sich Hals über Kopf in mich verliebt, ich ihm zum Sieg verhelfe und anschließend seiner Naivität ein Ende setzen werde, indem ich ihm ganz einfach ein Ende setzen werde.

Nachdem seine Männer, Felix und ich noch etwas miteinander geredet haben, fragt mich Felix, ob ich nun schon meine Ruhe haben wolle oder ob ich noch einen Spaziergang im Innenhof machen wolle, zu welchem er mich aber begleiten müsse. Schon wollte ich antworten, dass ich mich lieber aufs Ohr hauen möchte, doch dann fällt mir wieder mein Plan ein und ich ändere meine Meinung. „Wieder einmal an die frische Luft zu kommen wäre schön", antworte ich ihm und er steht auf und führt mich durch den Palast.

Romantischer könnte es nicht sein. Ein nächtlicher Spaziergang in einem Innenhof, indem es nur so von Blumen, Füssen, Steinen, Bäumen, Bänken und Schaukeln wimmelt, mit denen man ganz einfach und mit der richtigen Person eine romantische Aura erschaffen kann. Felix kann sich echt glücklich schätzen, dass ich ihm alleine vorgeben werde, ihn zu lieben, der Spaßt.

Schon wenige Augenblicke später, werde ich ummantelt von der kalten und feuchten Nachtluft und dem süßen Duft von den Blumen des Gartens, welcher ganz leicht in der Luft hängt. Ich musste nicht nach oben sehen, um zu erkennen, dass es bewölkt ist, da kein Mondlicht scheint und es somit extrem dunkel war. Ich vergrößerte meine Schritte, um neben Felix zu laufen, welcher in den Gedanken verloren, die kleinen Kieselsteine vor ihm hin und her kickt. Eine Weile lasse ich es mir gefallen, dass er mich komplett ignoriert, aber als wir an einer Bank ankommen, von welcher man auf einen Fluss sehen kann, und er mich immer noch ignoriert, spreche ich ihn doch an.

„Worüber denkst du nach?", fragte ich ihn in der weichsten Stimme, die ich gerade hervorrufen konnte, an. Felix nahm seinen Blick vom Boden und sah in den bewölkten Himmel empor. Ich hörte ein leises Seufzten neben mir und anschließend auch Felix' Stimme.

„Weißt du, wir alle leben unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont."

Keine Ahnung wieso, aber diese Wörter packten mich einfach und ich konnte nicht anders, als auch in den Himmel zu schauen, seine Wärme an meiner linken Körperseite zu spüren und einfach zu atmen. Wenn ich genauer über diese Worte nachdachte, wurde mir klar, dass er vollkommen recht hatte und diese Erkenntnis rührte mich fast zu Tränen. Ich weiß nicht wieso, aber mir war gerade einfach danach emotional zu werden, aber ich schluckte schnell meine Tränen runter.

Ich legte meine Hand auf Felix' Oberschenkel und wartete darauf, dass er mir in die Augen sah, was er letztendlich auch tat und erwiderte:

„Und genau das ist der Grund, warum auf dieser Erde kein Frieden herrscht, Felix", erwartungsvoll sah er mir in die Augen und blinzelt kein einziges Mal, „und genau aus diesem Grund werden wir alles auf einen Horizont beschränken und diese Welt zu einem besseren Ort machen", beendete ich meinen Satz und ich konnte das erste Mal eine Art von Freiheit in diesen blauen Augen sehen, welche mich an den tiefsten Ozean erinnert, in welchem ich wirklich fast drohte zu versinken.

Ich konnte nicht glauben, dass ich es geschafft habe, in kürzester Zeit, seinen Verstand zu benebeln und ihn glauben zu lassen, ich sei dafür, dass Frieden auf diesem elendem Planet herrscht und ihm dann auch noch so nah zu kommen, denn nur kurze Zeit später spürte ich seine Hand auf meiner, welche immer noch auf seinem Oberschenkel lag, welcher, sowie meine Arme auch, leicht seine streiften. Diese drückte er schlussendlich auch leicht, wahrscheinlich um mir in irgendeiner Art zu danken.

„Ja, lass uns diesen Ort zu einem Ort machen, welchen man mit Freiheit definieren kann", sagte Felix, während mein Kopf nur immer wieder den gleichen Satz wiederholte.

Sterben kannst du auch, Ungeziefer.

Freedom.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt