150 Tage vorher

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FAITH

Es war schwer, es war verdammt schwierig nicht vor Freude zu platzen. Seine Worte verließen mich nicht und ich schenkte ihnen meine ganze Aufmerksamkeit und Hingabe.

Ich saß mit meiner Mutter am Tisch, als das Telefon klingelte, sie Aufstand und mit einem freundlichen "Hallo?" abhob.

Ich lauschte und versuchte zu hören, was sie sagte, aber die meiste Zeit über war sie still, oder sagte leise "ja..."

Nach fünfzehn Minuten, in denen sie das Telefonat geführt hatte hörte ich Ihre leisen Schritte, die wieder zurück in die Küche führten. Sofort drehte ich mich um und sah in ihr nun ziemlich blasses Gesicht.

"Mom?", sagte ich leise und vorsichtig.

"Dein Vater....", fing sie an und ich wartete darauf, dass sie endlich weitersprach. "Er, er hatte einen Unfall.", sie war verstört und ich war es gleich mit.

Ich hatte bis ich fünfzehn Jahre alt war keinen wirklichen Kontakt zu meinem Vater. Den wirklich fast nicht bestehenden Telefonkontakt, den wir allerhöchstens zwei Mal im Jahr hatten, war auch nur von meiner Granny veranlasst worden. Doch vor zwei Jahren fanden wir uns wieder zusammen und hatten regelmäßig Kontakt miteinander, doch vor zwei Monaten hörte dies auch wieder auf.

Eine Totenstille war in dem Raum. Ich konnte nichts sagen, wollte nichts sagen. Mom stand nur etwas geschockt da, aber wir hätten ehrlich gesagt auch einfach weitermachen können, mit dem, was wir vor diesem Telefonat getan hatten und einfach die Sache hätten verdrängen können, doch wir taten es nicht...und ich wusste nicht, was ich jetzt besser gefunden hätte.

"Wir...", fing Mom an, doch stockte und versuchte ihre Tränen zu unterdrücken, indem sie an die Decke sah und sich mit ihren Händen Luft zufächerte. Mir brach das Herz bei ihrem Anblick."Wir müssen ins Krankenhaus!", flüsterte sie schon fast etwas irritiert und ich überlegte nicht lange und stand einfach auf. Es war, als würde ich hypnotisiert sein und alles machen, was man mir befiel.

Rasch hatte ich meine weißen Converse an und ging aus der Tür. Mom kam hinterher und wischte sich mit ihrem Daumen unter ihren Augen herum. Ich fühlte Mitleid mit ihr und strich ihr zart über ihren Arm, doch sie nickte nur und schniefte mit ihrer kleinen Stupsnase, als würde sie mir sagen wollen, dass es ihr gut geht, doch ich wusste, dass das Gegenteil der Fall war.

Sie hatten sich lange Zeit geliebt, doch als ich auf der Welt war, war es vorbei und ich gebe mir mein ganzes Leben die Schuld dafür, dass meine Eltern, die kein Mensch sich aussuchen kann, nun getrennt waren und meine Mom ihr Leben lang nur auf mich aufgepasst hat und es ist traurig.

Ich denke, manchmal wird man nicht darüber hinweg kommen und....dieses Mal war es so.

Wir stiegen in unseren Jeep ein und Mom fuhr sofort los. Es war die selbe Strecke wie die, die ich gestern mit Harry entlang gefahren bin.

"Wie geht es dir?", fragte ich meine Mom vorsichtig und auch wenn ich es so hasste, wenn mich das jemand fragte, wenn ich traurig war, weil es doch mehr als offensichtlich manchmal war, sorgte ich mich sehr um meine Mom. Schließlich war es nicht sie, die uns verlassen hatte und einen großen kaputten Scherbenhaufen hinterließ.

Sie schien an der Frage zu zerbrechen. So wie ich, wenn ich mir meine so leicht zu zerstoßende Mauer aufgebaut hatte, wenn ich mal traurig war und mich dann jemand fragte, wie es mir ginge, dann kam bei mir immer der Moment wo alles aus mir herauskam und ich am Boden lag und noch weiter zu sinken schien.

......

Wir gingen ins Krankenhaus hinein. Es war riesig hatte ich das Gefühl und an den Wänden hingen schrecklich aussehende Bilder in noch viel schrecklich aussehenden Bilderrahmen.

Captured | H.SWo Geschichten leben. Entdecke jetzt