𝟬𝟭 |𝗨̈𝗯𝗲𝗿 𝗱𝗲𝗻 𝗧𝗼𝗱 𝘂𝗻𝗱 𝗔𝗻𝘁𝘄𝗼𝗿𝘁𝗲𝗻

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Rowan

Die eisige, frustrierende Stille hatte den gesamten Raum eingenommen -dann das schrille Piepsen überall um mich herum. Die Angst jagte durch mich hindurch und verkrampfte im inneren meines Bauches. Meine Brust zog sich zusammen. Mein Herz schmerzte. Die Luft blieb mir weg. Ich konnte die Hitze und Kälte spüren, die rasend schnell durch meinen Körper zischte. Plötzlich stoppte das Piepsen abrupt. Das Geschrei verstummte. Sekunden vergingen. Stille. Das Pumpen meines Herzens schien in diesen Sekunden lauter als alles andere. »Wir haben wieder Puls.« und mein Atem stoppte. der Arzt sah hinüber zu mir. Gleichmäßiges Piepsen umhüllte den Raum und entlockte mir ein Seufzen. Ich trat ans Bett, fast zögernd und strich über die Blässe von Evette. Über das Gesicht meiner Frau. Sie war wunderschön. Meine Hand legte sich auf ihre Wange und sichtlich besorgt musterte ich sie. ihre hellbraunen, sonst so vollen Haare lagen jetzt nur noch leblos und vollkommen durchnässt auf dem Kissen. Ich sah sie so und ich konnte dagegen nichts tun. Ich konnte meiner Frau nicht helfen. So nutzlos hatte ich mich noch nie gefühlt. Ich konnte sie vor allem beschützen. Vor Menschen von außerhalb, vor der Gewalt, Waffen, Feinde aber nicht vor dem natürlichen Lauf des Lebens. »Du darfst mich nicht verlassen, meine Schönheit.« meine Lippen berührten ihre Stirn, meine Augen schlossen sich und die Angst drängte sich in mein Herz. Ich konnte sie nicht verlieren.

Langsam richtete ich mich an die Frau, die durch die Scheibe wank. Mit meiner kleinen Prinzessin auf ihrem Arm. Ich wusste, auch wenn ich gern bei Evette geblieben wäre, dass ich jetzt zu meiner Tochter musste, nur deshalb warf ich einen letzten Blick auf meine Frau und ging mit einem Unwohlsein in meinem Magen durch die Tür in das Nebenzimmer. Auch Liana saß dort, aber glücklicherweise so weit von der Scheibe entfernt, dass sie ihre große Schwester nicht sah. Das durfte niemand zulassen, denn Evette sah tot aus. Liana würde das nur schaden. Vielleicht verstand sie was passiert, sehr wohl sogar, aber es war gut dass sie nicht sah was alles wirklich passierte. Ich wollte und musste doch eigentlich bei Evette sein. Ihre Hand halten und für sie dasein, aber zugleich musste ich auch meine kleine Prinzessin auf meinen Armen halten. Das wollte ich und mir war bewusst, dass Evette das auch wollen würde. »Ihre Tochter, Mr. Sanchez.« die Krankenschwester reichte mir meine Prinzessin die ich herzlich in meine Arme schloss. »Willkommen meine Kleine.« hauchte ich liebevoll gegen ihre Stirn und gab ihr einen sanften Kuss. Meine Tochter. Wie von selbst bildete sich ein Lächeln auf meinen Lippen.
»Ich will sie sehen!« Liana sprang auf, weshalb ich mich leicht zu ihr herunter hockte.

»Wow.« mit großen Augen sah sie mich an. »ihre Augen sind so blau.« hauchte die kleine und betrachtete meine Tochter. Leicht lachend nickte ich und erhob mich. »Du bleibst erstmal hier, kleines.« mit den Worten verschwand ich aus dem neben Zimmer und ging zurück zu meiner Frau. Die Mutter unseres Kindes. Evette öffnete vorsichtig ihre Augen und blickte direkt in meine. Sie sah noch immer so erschöpft aus. Ich wünschte ich könnte mehr für sie tun als unsere Tochter in meinen Armen zu halten. Ihr mehr geben. Kraft, Energie. »Alison.« hauchte sie leise und ein strahlendes Lächeln nahm ihre vollen Lippen ein. Das sie gerade fast tatsächlich für immer weg gewesen wäre, vergaß sie. Vollkommen. Es zählte nur noch Alison. Vorsichtig ließ ich Alison in die Arme ihrer Mutter nieder und konnte meinen Blick einfach nicht von diesem Bild lösen. Es war zu schön. Meine kleine Familie. »Ich liebe dich so sehr, Evette.« hauchend drückte ich meine Lippen auf ihre Stirn. Und obwohl sie alles von eben vergessen hatte, lag es mir noch immer schwer in der Brust. Ich wollte sie nicht verlieren. Niemals. Sie sollte mit mir alt werden und mit mir zusammen Alison groß ziehen. »ich liebe dich doch auch, Rowan.« sie schenkte mir ein Lächeln, das ich liebevoll erwiderte.

Gerade als ich zum Fenster sehen wollte, um Liana hinein zu bitten, öffnete sich auch schon schwunghaft die Tür und die kleine Gestalt kam ins Zimmer gestürmt. »Sie hat sooo blaue Augen, Evette.« lachend hüpfte Liana auf das Bett und sah hinauf zu mir. »Die meisten Babys haben nach der Geburt blaue Augen, Engelchen.« erklärte Evette sanft. »Wirklich?« Lianas Augen rissen sich auf. »Wirklich.« Evette lachte zart und nickte. „Du siehst fertig aus.", hauchte meine Frau mir zu und streckte ihre Hand aus, um damit sanft meine Wange zu berühren. „Ich habe mir nur Sorgen gemacht.", ein zuversichtliches Lächeln nahm meine Lippen ein und vorsichtig setzte ich mich mit auf das Bett. „Also darf ich Alison jetzt auch mal halten?", schmollte Liana. Evette lachte herzlich und nickte. „Setz dich neben mich.", bestimmte sie leise und rutschte mehr zu mir. Meine Hand suchte sofort ihre Nähe, um einen möglichen Sturz zu verhindern.

Vielleicht übertrieb ich, aber Evette und Alison waren mir das heiligste auf dieser Welt. Nichts und niemand könnte mir diese zwei Menschen jemals rauben. Außer Gott selbst. „Schön fest halten.", murmelte meine Frau und reichte ihrer Schwester das Baby. Alison schlief. Sie bekam vom dem ganzen garnichts mit. Ein warmes Lächeln umschlang meinen Mund und wie von selbst zückte ich mein Handy um dieses Bild in Erinnerung zu halten. Um es eines Tages Alison und auch Liana zeigen zu können.

„Sie ist so süß.", hauchte das kleine Mädchen und betrachtete ihre Nichte. „Ich bin Tante.", die Augen der kleinen rissen sich auf. Evette lachte und warf ihren Kopf zurück. Meine Augen glitten wie von selbst zu ihr, um es zu beobachten. Sie war so schön. Immer schon. „Du musst später gut auf deine Nichte achtgeben, okay?", meine Frau strich durch das Haar ihrer Schwester, die heftig nickte. „So wie du auf mich immer.", bestätigte sie ihr. Das es Evettes Herz erwärmte sah ich sofort. Und egal wie alt Liana werden würde, würde Evette sie lieben.

Unendliches VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt