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Jisung PoV

"Ist das eigentlich euer Ernst? Während des Unterrichts in den Toilettenräumen? Ihr hättet damit doch einfach warten können bis ihr Zuhause seid!", schimpfte unser Schulleiter.

Unglückerweise war während der kurzen Pause ein 5.-Klässler in den Toilettenraum gelaufen und hatte uns gehört, doch das hatten wir kaum mitbekommen, da bei uns bereits vollkommen die Lust übernommen hatte. Wie hätte ich da auch drauf achten sollen, wenn Minho sich gerade in mir bewegte und dabei den Punkt traf, der mich in den Himmel schickte?

Direkt in der nächsten Pause waren wir dann mit dem Jungen zusammen ausgerufen worden, der uns beide verpfiffen hatte und dafür von Minho bereits den Todesblick geerntet hatte. Dieser war bereits wieder gegangen, da er eigentlich nur erzählen sollte, was passiert war.

"Es kommt nicht wieder vor...", versprach ich beschämt.

"Wie habt ihr da überhaupt zu zweit reingepasst?", wunderte er sich und ignorierte mich einfach. "Da passt doch alleine schon kaum jemand rein und an den Wänden ist auch kein Platz. Versteht mich nicht falsch, aber wie habt ihr...?"

"Gegen die Tür...", antwortete Minho ebenfalls beschämt, was mich beim Gedanken daran, was und wo wir es gerade getan hatten, rot werden ließ.

"Was mach ich jetzt bloß mit euch?", seufzte er. "Ich kann ja schlecht zulassen, dass ihr sowas nochmal macht, schließlich ist Schule zum Lernen da und nicht für Sex. Aber ich kann euch auch nicht hinterher schnüffeln und ich bin mir sicher, dass ihr einen Weg findet, wenn ihr das wirklich wollt, deshalb... Hab ich eure Eltern angerufen. Beziehungsweise Jisung's Mutter, da Minho bereits volljährig ist und wir seinen Vater dementsprechend nicht anrufen müssen, wenn Minho das nicht will."

"WAS?!", kam es von uns beiden wie aus einem Mund.

Ich war sowas von am Arsch.

"Es tut mir leid, aber zu dem ganzen Schlamassel kommt noch dazu, dass Jisung noch minderjährig ist, falls ihr das vergessen haben solltet."

"Aber wir sind doch nur 2 Jahre auseinander! 17 und 19 ist doch nicht problematisch!", erwiderte ich entgeistert.

"Ihr dürftet es aber erst, wenn ihr 18 und 20 seid."

"Aber... Aber... Aber...", stotterte ich herum.

"Ich denke nicht, dass das im Nachhinein noch eine große Rolle spielen wird, aber dennoch solltet ihr das vor Augen behalten, falls es zur Diskussion kommt. Das Gespräch wird wahrscheinlich kein einfaches."

Hilfesuchend sah ich zu Minho, der neben mir stand und mich nun vorsichtig in seine Arme zog. Mein Herz raste bereits vor Nervosität und ich spürte, wie mein Atem wieder schneller ging.

"Alles wird gut, Baby... Alles wird gut... Hier passiert dir nichts... Keine Panik...", versuchte er mich zu beruhigen.

"Sie wird mich hassen, Minho.", brachte ich hervor und klammerte mich regelrecht an ihn. Suchte nach etwas Halt. "Wie soll ich da keine Panik haben?"

"Jisungie, durchatmen. Mit mir zusammen, okay? Ein... Halten... Und wieder aus... Ein... Halten... Und wieder aus.", er wiederholte das noch ein paar Mal, bis meine Atmung sich langsam wieder normalisierte. "Und jetzt hörst du mir zu, ja? Was auch immer gleich passiert, ich bin bei dir. Du musst da nicht alleine durch. Und wenn es schief läuft, dann gehen wir zu einem meiner Freunde und der hilft uns mit Sicherheit. Er heißt Felix, ist selbst pan und seine Eltern sind supportive. Es gibt immer einen Plan C."

"Ich kenne Felix.", antwortete ich und legte mein Gesicht in seine Halsbeuge.

"Magst du ihn?"

"Ja, er ist nett."

"Dann zerbrich dir nicht so sehr den Kopf darüber, was passieren wird. Ich bin da und habe alles im Griff."

"Danke..."

"Dafür nicht, Sung. Dafür nicht."

Er verband unsere Lippen für einen kurzen Kuss und legte meinen Kopf dann wieder in seine Halsbeuge.

"Ich hab dich lieb...", murmelte ich leise.

"Ich dich auch.", antwortete er und strich mir sanft über Rücken.

Es klopfte, weshalb ich mich schnell wieder von Minho löste. Dieser griff stattdessen nach meiner Hand und verschränkte unsere Finger miteinander. Erst als wir ihm einmal bestätigend zu nickten, rief der Schulleiter meine Mutter hinein.

"Okay, also als allererstes will ich klarstellen, dass hier ein großes Missverständnis vorliegen muss. Mein Sohn ist keine Schlampe, die eben mal billigen Klo-Sex mit irgendeinem Mädchen hat. Wo ist das Mädchen denn überhaupt? Und wer ist dieser Junge?"

"Also erstmal macht Jisung das keineswegs zu einer Schlampe, wenn er Sex auf einer öffentlichen Toilette hat und es macht seinen Sex auch nicht billig. Uns geht es darum, dass er dafür nicht seinen Unterricht schwänzen soll und-"

"Jaja, ihr wollt doch nur, dass ihr Image nicht drauf geht. Also? Wo ist das Mädchen?"

"Die beiden Betroffenen stehen da drüben.", meinte er nur und lenkte damit die Aufmerksamkeit zu mir und dem Jungen, der immer noch meine Hand hielt.

"Und du bist?", fragte sie an ihn gerichtet.

"Lee Minho. Jisung's fester Freund.", antwortete er mit fester Stimme und stellte sich ein Stück grader hin. Natürlich war er nicht mein fester Freund, aber es war einfacher zu sagen, als wenn er beschrieben hätte, was genau zwischen uns war.

Mein Herz raste und mein Kopf sagte mir, dass ich hier einfach raus rennen sollte, doch ich konnte mich nicht ein Stück weit bewegen. Ich war wie festgefroren, während das Adrenalin mir die Kraft gegen hätte, um die Tür einfach einzutreten.

"Jisung ist nicht schwul. Du hast ihn doch bestimmt dazu gezwungen, mit dir zu schlafen."

"Das ist eine sehr schwere Anschuldigung, Frau Han. Noch dazu haben wir keinen Grund anzunehmen, dass Minho ihn vergewaltigt hat."

"Ich würde nicht einen Finger an ihn legen, wenn er das nicht will.", knurrte Minho wütend. "Warum fragen Sie ihn nicht selbst?"

"Jisung, hat dieser Junge dich gegen deinen Willen angefasst?"

"Nein, hat er nicht. Ich wollte mit ihm schlafen."

"Warum solltest du das wollen? Du bist nicht schwul."

"Jetzt hör endlich auf das zu sagen! Ich bin stockschwul und ich liebe den Sex mit Minho! Warum geht das denn nicht in deinen Kopf?! Was ist dein Problem damit?!"

"Die Leute werden denken, dass-"

"Das ist mir sowas von egal! Es ist meine Beziehung und mein Freund! Irgendwer wird doch sowieso irgendein Problem damit haben, egal mit wem ich zusammen bin, also lass mich einfach mit ihm glücklich sein!"

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The Boy in the bubble || MinsungWo Geschichten leben. Entdecke jetzt