Aayanas Sicht
Das ich deutlich überfordert mit der Situation war war nicht schwer zu erkennen und so zog mich Valentin schon seit gestern Abend damit auf.
„Ich sag dir Aayana, dich werden heute nur so die Blicke verfolgen"
Das war mir selbst klar.
„Valentin halt endlich die Klappe" Vincent sah genervt seinen Bruder an, der nur kurz schmollte, aber dann wieder anfing zu reden.
„Ich meine, die Show, die ihr am Freitag abgezogen habt war legendär. Ich bin übrigens gespannt was der Coach noch zu deinem Verhalten sagen wird. Vielleicht macht er mich ja jetzt zum Kapitän"
Ach Valentin.
„Träum weiter Brüderchen"
Während die Jungs jetzt anfingen zu diskutieren sah ich nur aus dem Fenster und flehte, dass die Autofahrt noch ewig dauern würde.
Ich war nämlich noch nicht bereit mich jetzt meinen Mitschülern geschweige denn meiner Cousine zu stellen.
Ich hatte sie seit ihrer Aktion mit dem Schachbrett nicht mehr gesehen und war seit dem Spiel am Freitag, wo Vincent und ich offiziell zusammen gekommen waren, auch nicht mehr Zuhause gewesen.
Wie sollte ich es denn jetzt schaffen einfach in die Schule zu gehen und so zutun als wäre nichts passiert?
Das war sogut wie unmöglich, denn die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nicht von Freitag Bescheid wusste war so gering wie die, das Lucy sich freiwillig bei mir entschuldigen würde.
Also im Grunde gleich Null.
„Bist du eigentlich sauer auf Vincent, Aayana?" Valentins Frage ließ mich aufhorchen und dann verwirrt zu ihm nach vorne blicken.
Valentin, der darauf bestanden hatte vorne zu sitzen, sah zu mir nach hinten und klopfte währenddessen leicht seinem großen Bruder auf die Schulter.
„Ich meine, Vincent ist im Grunde Schuld daran, dass du ab nun an nicht mehr unsichtbar durch die Schulflure laufen kannst und Getuschel dein neuer Altag wird"
Ob ich einen Sprung aus dem fahrenden Auto wohl überleben würde?
„Hör auf ihr noch mehr Angst zu machen, Vale. Ich bin schon froh, dass ich sie ins Auto bekommen habe, jetzt mach nicht alles noch schlimmer" Valentin hob auf die Worte von Vincent nur abwehrend die Arme und blieb kurz still ehe er wieder nach harkte.
„Aber jetzt mal ehrlich. Bisschen sauer bist du schon oder?"
Und auch, wenn ich jetzt über all lieber wäre als auf dem Weg in die Schule und kurz davor war eine Panikattacke zu kriegen würde ich seine Frage trotz allem verneinen.
Vincent hatte im Endeffekt nur den Rat befolgt, den ich ihm gegeben hatte und so oder so, egal wie wir zusammen gekommen wären, die Situation in der Schule wäre trotzdem gleich.
Und das ich das lieber durchstand als erst gar nicht mit Vincent zusammen zu sein musste ich wohl kaum erwähnen.
Ich hatte schließlich seit Freitag Abend mehr gelächelt und gelacht als wahrscheinlich mein ganzes Leben lang bisher und hatte mich noch nie so wohl in meiner Haut gefühlt wie mit Vincent an meiner Seite.
Also nein, ich war Vincent keines Falls böse.
Valentins Frage verneinte ich dementsprechend mit einem Kopfschütteln und atmete dann kurz auf als ich bemerkte, dass Vincent unseren Schulparkplatz erreicht hatte.
Du schaffst das Aayana. Irgendwann wird sich das ganze wieder legen und die Leute werden wieder was neues zum Tratschen haben. Es wird alles gut gehen.
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