Nathans Vater hatte einige seiner Assistenten losgeschickt um die Habseligkeiten der Familie aus ihrer alten Wohnung zu holen. Er war nicht sonderlich überrascht darüber, dass er Bolts Vater in der Wohnung nicht antraf. Der grauhaarige hatte sich auch dazu entschlossen, den Assistenten zu helfen. Gerade stand er gedankenverloren in der Küche und starrte die Wand an.
Die gesamte Wohnung war sehr heruntergekommen und er konnte sich einfach nicht vorstellen wie hier jemand freiwillig leben konnte.
Sein Blick ruhte auf dem Freund seines Sohnes und er fragte sich was ihm gerade durch den Kopf ging. Langsam betrat er die Küche und stellte sich mit etwas Abstand neben Bolt.
"Es ist für dich sicher sehr merkwürdig hier zu sein."
Bolt reagierte nicht sofort, er starrte weiter stumm die Wand an. Der Putz blätterte an einigen Stellen ab und es waren merkwürdige Verfärbungen zu sehen. Er wollte Bolt nicht danach fragen, da er sich gut vorstellen konnte, was für grausem Taten er über sich ergehen gelassen hatte, nur um seine Familie zu schützen. Nathan hatte ihm am Abend noch einiges erzählt und ihm auch von der Narbe erzählt, die Bolts Oberkörper zierte.
Es würde seinen Wert als Model keinesfalls schmälern, aber er konnte verstehen, dass Bolt nicht sehr gut auf seine Narben zu sprechen war.
"Merkwürdig ist ein sehr einfacher Ausdruck dafür wie es sich anfühlt."
Er war überrascht, als er die Stimme des Jungen hörte.
"Ich würde es eher als eine Art Albtraum bezeichnen, aus dem aufwacht. Man kann sich an die meisten Dinge noch erinnern, aber es wirkt surreal. So als wären sie jemanden anderen passiert."
Mit diesen Worten drehte Bolt sich um und ging in die Richtung seines Kinderzimmers.
Nathans Vater wusste nicht was alles Bolt passiert war, doch so wie es schien, war dieses Haus gefüllt mit schlechten Erinnerungen und Momenten die er lieber vergessen würde.
Bolt betrat sein Zimmer und schloss für einen Augenblick die Augen. Seit er die Wohnung betreten hatte, waren unheimlich viele Eindrücke auf ihn niedergeprasselt. Er fühlte sich überhaupt nicht wohl und alles in ihm schrie danach zu flüchten. Sich umzudrehen, einfach zu rennen und nie wieder zu kehren. Doch das war definitiv keine Möglichkeit. Er musste mit dem ganzen Abschließen auch wenn es wahnsinnig schwer für ihn war. Die Assistenten hatten ihm einige Kartons ins Zimmer gestellt, da er lieber selber sein Zimmer ausräumen wollte. Er hatte schon zu viel eindringen in seine Privatsphäre ertragen müssen, als er noch in diesen 4 Wänden lebte, da war es mal eine nette Abwechslung selbst bestimmen zu dürfen, was andere sahen und was nicht.
"Hey, na wie läuft es? Mein Dad sagte, dass du hier bist. "
Nathan stand in der Tür und lächelte ihn sanftmütig an, um seinen Hals hing wie immer seine Kamera. Bolt glaubte langsam wirklich, dass die Kamera mit dem Jungen verschmolzen war. Er war nur froh, dass er auch Dates ohne die Kamera mit ihm haben konnte.
"Es geht. Fühlt sich irgendwie total merkwürdig an hier zu sein. Naja jetzt siehst du zu
mindestens mal mein Zimmer, auch wenn es wirklich schrecklich aussieht."
Nathan setzt sich zu ihm auf den Boden und half ihm dabei einige Dinge in die Kartons zu packen.
"Dein Zimmer sieht eigentlich ganz cool aus. Ich kann mir gut vorstellen, dass du dich hier nicht wirklich wohlfühlst. Es ist ja auch alles noch gar nicht so lange her."
Nathan berührte sanft Bolts Hand und rutschte näher an den älteren heran.
Dieser legte seinen Arm um ihn und zog ihn zu sich. Seinen Kopf bettete er auf die Schulter seines Freundes und schloss die Augen. Er atmete den ihm vertrauten Geruch ein und wurde langsam immer ruhiger. All die dunklen Schatten schienen sich zurückzuziehen und ließen ihm wieder mehr Luft zum Atmen.
"Ich war heute übrigens mit deiner Mum ein paar Dinge einkaufen, damit sie sich wieder wohler fühlt. Sie hat sich ein paar echt schöne Kleider gekauft und gestrahlt hat sie dabei. Oh, ich hab einige tolle Bilder von ihr geschossen."
Nathan nahm seine Kamera und begann Bolt die neuen Fotos zu zeigen. Der grauhaarige war überrascht wie gesund und fröhlich seine Mutter auf den Bildern wirkte.
Sie war wirklich wunderschön und Bolt fühlte wie sich eine neue Welle der Erleichterung in ihm breit machte.
Ein weiteres Bild zeigte, seinen kleinen Bruder und seine Mutter beim Eis essen. Dieses Bild löste sofort ein Gefühl der Geborgenheit in ihm aus und zauberte ihm ein Lächeln auf die Lippen.
"Siehst du. Es wird alles gut werden, dein Bruder genießt die Zeit mit eurer Mutter und sie scheint wieder mehr aus sich rauszukommen."
Bolt wusste, dass sein Weg aus diesem Kreislauf nicht ganz so einfach werden würde. Denn er hatte sehr tief in den Abgrund der Verdammnis gespäht und würde nicht so schnell, dem entkommen.
"Ich weiß noch gar nicht, wie ich aus meiner momentanen Situation rauskommen soll. Ich finde es wirklich nett, dass dein Dad immer noch mein Manager ist und er mich auch weiterhin als Model vermarktet, aber meine Sucht ist noch immer nicht aus der Welt geschafft. Ich hatte schon länger keine Drogen mehr und ich spüre langsam wie es sich in mir windet und der Drang danach immer schlimmer wird."
Nathan legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm.
"Du bist aber nicht alleine damit, ich bin bei dir und mein Dad kennt einige Ärzte die sich gut mit so etwas auskennen. Du muss nur ein Stück weit aus dir hinauskommen und du wirst sehen, dass wir es schaffen werden. Du wirst es schaffen."
Bolt lehnte sich mit dem Rücken gegen sein Bett und richtete seinen Blick gegen die Decke.
"Du hast wirklich viel vertrauen in mich."
"Natürlich hab ich das. Du hast schon so viel erlebt und überlebt, dass schaffst du auch. Außerdem bin ich auch noch da. Ich habe es dir schonmal gesagt und ich wiederhole mich gerne nochmal. Ich liebe dich und das meine ich vollkommen ernst. Ich will dich nicht verlieren und ich werde sicher nicht zulassen, dass du dich aufgibst. Wir schaffen das gemeinsam."
Bolt richtete seinen Blick auf Nathan und lächelte ihn sanft an. Er zog ihn zu sich und küsste ihn zärtlich.
Es scheint soweit alles gut zu laufen, zumindest sieht es danach aus oder?
Ob es wirklich so bleibt, werdet ihr schon bald herausfinden.
Eure Lysa~
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Ästhetik
RomanceWenig Geld, schäbige Wohnung und ein Monster als Vater. Alle schlechten Dinge hatte Bolt erwischt, doch er musste auch an seine Mutter und seinen Bruder denken, also ließ er alles über sich ergehen. Als sich auch noch ein ziemlich merkwürdiger Junge...
