Schlaf endlich, Liam.

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Harry schläft tief und fest in meinen Armen. Seine Haare sind ein wildes Durcheinander, seine Lippen leicht geöffnet und seine Gesichtszüge so sanft, dass ich mich glatt noch einmal in ihn verlieben könnte. Ich bin schon seit einer Weile Wach, kann  mich aber nicht aufraffen aus dem Bett zu steigen, da ich meinen Freund nicht wecken möchte und auch, weil ich es einfach zu sehr genieße.
Eigentlich müsste ich schon seit einer Stunde an meinem Laptop sitzen und arbeiten, aber ich kann mich einfach nicht aus dieser wundervollen Blase der Glückseligkeit lösen.
Dann fange ich heute eben einfach später an.
Bei diese Gedanken muss ich tatsächlich leise auflachen. Sowas hätte ich vor einem Jahr niemals gesagt. Niemals hätte ich einfach eine Stunde später angefangen zu arbeiten. Pünktlichkeit ist ein verdammt wichtiger Teil von mir und dazu zählt auch der Beginn meiner Arbeit.
Wenn Liam das jetzt hören würde, dann wäre er mächtig stolz auf mich. Doch dieser hat sicherlich gerade andere Dinge zu tun. Wenn mein benebeltes Gehirn noch richtig arbeitet, hatte Zayn vor wenigen Stunden Feierabend und ich bin mir sicher - nein, ich weiß zu hundert Prozent, dass die beiden die komplette Nacht zum feiern nutzen werden. Für ihre komplett eigene Feier, die gänzlich ohne Kleidung stattfinden wird.

Gedankenverloren kraule ich durch die Locken meines Freundes.
Ich freue mich sehr für Liam und Zayn. Dieser Antrag war längst überfällig, denn mein bester Freund wusste schon am Tag des Kennenlernens, dass er den hübschen, schwarzhaarigen Barbesitzer eines Tages heiraten wird.
Und er sollte Recht behalten.
Wie die Hochzeit der beiden allerdings aussehen wird, dazu kann ich mir nun wirklich kein Bild machen. Theoretisch würde ich den beiden alles zutrauen. Von klein und unspektakulär, über Las Vegas bis hin zu einer pompösen Märchenhochzeit wäre theoretisch alles drin. Wobei der Begriff Märchenhochzeit Auslegungssache ist. Liam und Zayn verstehen unter Märchen etwas vollkommen anderes als zum Beispiel Harry.
Meine Finger hören auf durch die Locken zu fahren, stattdessen sehe ich meinen Freund lächelnd an.
Sollte ich ihn wirklich eines Tages heiraten, wird er von mir seine Traumhochzeit bekommen. Wenn ich das gestern alles richtig verstanden habe, liebt er Romantik und Kitsch so sehr, dass er auf jeden Fall eine Kutsche bekommen wird. Und Tauben. Weiße Tauben.
"Nicht aufhören".
Erschrocken zucke ich zusammen. Harrys Augen sind noch immer geschlossen. "Mach weiter", kommt es brummend über seine Lippen und schmunzelnd beginne ich wieder meine Finger durch seine Haare fahren zu lassen.
Ich liebe es neben ihm aufzuwachen und gemeinsam mit ihm noch im Bett zu bleiben, statt wie zu hause üblich einen Katapultstart hinzulegen und in den Tag zu starten. So ist es viel gemütlicher.
Als mein Freund dann blinzelnd seine Augen öffnet und mich verschlafen anlächelt, breitet sich in mir eine wundervolle Wärme aus.
"Guten Morgen", kommt es leise aus seinem Mund, wobei sich ein sanftes, aber müdes Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitet. Ich antworte ihm nicht, beuge mich stattdessen ein wenig näher zu ihm und hauche einen sanften Kuss auf seine Lippen. Ein Seufzen verlässt seine Lippen, gefolgt von einem protestierenden Laut, als ich mich wieder von ihm löse.
"Niemand hat dich gebeten aufzuhören", grummelt er, spitzt seine Lippen und lässt mich leise lachend erneut meine Lippen auf seine legen.
Leider erinnert mich mein Kopf nach Minuten des Küssens und Kuschelns an meinen Job und daran, dass ich nun wirklich mal anfangen sollte zu arbeiten und auch Harry muss leider Gottes langsam aufstehen, denn er muss in weniger als zwei Stunden an einem Set sein.
Auf die gemeinsame Dusche verzichten wir allerdings nicht. So viel Zeit haben wir dann doch noch.

Harry verschwindet wenig später und ich starte meinen Laptop, einen heißen Kaffee neben mir und lasse noch einmal lächelnd meinen Blick durch die Wohnung schweifen.
Irgendwie fühlt es sich so viel besser an so in den Tag zu starten.

Gegen Mittag mache ich mir eine Kleinigkeit zu Essen, ehe ich weiter arbeite, dann aber von meinem Handy unterbrochen werde, welches einen ankommenden Videoanruf meines besten Freundes ankündigt. Stirnrunzelnd schaue ich auf die Uhrzeit, nehme den Anruf aber entgegen.
"Guten Morgen, Lou", werde ich gutgelaunt begrüßt und sehe in das strahlende Gesicht meines besten Freundes. "Liam, es ist....halb sechs?". Warum verdammt schläft er nicht?
"Viertel nach Fünf", korrigiert er mich und kichert leise.
"Warum bist du schon wach? Oder...du bist noch wach, oder?".
Mein bester Freund kichert erneut und nickt heftig. Nun erkenne ich auch, dass er im Bett liegt, die Dunkelheit umhüllt ihn dabei wie eine dicke Decke.
"Ich wollte mich bei dir bedanken, Lou". Seine Zunge ist schwer und deutet darauf hin, dass er vielleicht das ein oder andere Glas Sekt zu viel zum anstoßen hatte. Doch sei es ihm gegönnt, nach diesem Abend hätte er auch eine ganze Flasche alleine trinken können.
"Eigentlich habe ich doch gar nichts getan". Wirklich, theoretisch habe ich nichts damit zu tun.
"Trotzdem, du warst für mich da und hast mir den Rücken gestärkt. Ich danke dir und wollte dich eigentlich nur fragen, ob du mein Trauzeuge wirst."
Lachend verdrehe ich meine Augen. Diese Frage hätte natürlich nicht mehr warten können. Natürlich nicht. "Natürlich, Liam. Es wäre mir eine Ehre."
Zufrieden nickt mein bester Freund und strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
"Wo ist Zayn?". Diesem würde ich auch gerne gratulieren. Doch als ich das dreckige Grinsen auf den Lippen meines besten Freundes sehe, weiß ich, dass ich gleich Dinge erfahren werde, die ich eigentlich nicht wissen möchte.
"Der schläft kurz. Wir haben es die ganze Nacht wie wild miteinander getrieben, Louis".
Ich verdrehe meine Augen, will dazwischen grätschen, als Liam einfach weiter spricht.
"Es war wirklich heiß. Zu Erst haben wir es in seinem Büro getrieben, dann nach Schichtende hinter dem Tresen, wobei wir beinahe von Kendall erwischt wurden, da diese einfach viel zu schnell mit der Inventur im Lager fertig war und dann hier zu hause. Louis, ich sage dir, dieser Mann ist das reinste Verlangen und so unersättlich. Meine Güte, ich kann einfach nicht genug von ihm bekommen. Du kannst dir nicht vorstellen, was er mit seinen Händen kann. Er hat-" - "Stopp!".
Angewidert schüttele ich meinen Kopf. "Nein, Liam. Nein! Ich will keine Infos.". - "Spießer. Gut, dann arbeite mal weiter. Ich wollte nur die Sicherheit, dass du mein Trauzeuge wirst.". Seinen Schmollmund hält mir Liam direkt in die Kamera und lässt mich dann doch leise lachen.
"Schlaf endlich, Liam".
Nach Müde kommt dumm und ich bin mir sicher, dass Liams Gehirn schon etwas unter dem Schlafentzug leidet.
"Vergiss es, Zayn wird gerade wach. Vielleicht sollten wir erstmal duschen gehen. Das Bett sieht aus wie nach einer Orgie in einem Swingerclub.". - "LIAM!".
Bah!
Diese Bilder bekomme ich nie wieder aus meinem Kopf.

Amor manet.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt