Liam runzelt seine Stirn, als er näher zu meinem Bett kommt.
"An was erinnerst du dich alles, Louis?", will er wissen und setzt sich mit einem besorgten Blick auf die Bettkante. Ein Seufzen kommt über meine Lippen, als ich meinen Blick senke und schon wieder dieses ekelhafte Gefühl der Gebrochenheit in mir spüre.
"An zu viel", flüstere ich leise, sehe zu meinem Handy und merke, wie dieses Gefühl immer stärker wird. Liebeskummer ist ein Arschloch.
"Als du mit Harry telefoniert hast, was dieser gerade bei Niall", klärt mich Liam auf und ich nicke abwesend. Selbst seinen Namen zu hören verursacht grauenvolle Schmerzen in mir.
"Und als er dann nur noch ein Scheppern gehört hat und du nicht mehr geantwortet hast, hat er sich schreckliche Sorgen gemacht. Also hat Niall mich angerufen und ich bin hergekommen."
Ich schließe meine Augen, will mir nicht vorstellen was Harry gedacht haben muss.
"Du lagst mit dem Kopf auf der Klobrille und hast geschlafen. Scheiße, Louis, du hast das komplette Klo vollgekotzt. Es war verdammt eklig."
Normalerweise würde ich mich jetzt in Grund und Boden schämen, aber selbst das ist mir Momentan egal. Dann habe ich mich halt übergeben. Das ist das kleinste Übel an der ganzen Sache.
"Ich habe dich dann in dein Bett gepackt und habe bei dir auf dem Sofa geschlafen."
Nickend richte ich mich auf, spüre die Kopfschmerzen und das Matschgefühl, welches ich jedes Mal habe, wenn ich zu viel getrunken habe.
"Danke, Liam."
Mein Rücken wäre vermutlich die reinste Katastrophe, wenn ich die komplette Nacht im Badezimmer geschlafen hätte.
"Außerdem habe ich heute morgen deine Mutter angerufen und ihr gesagt, dass du nicht kommen kannst".
Sofort schießt mein Kopf in die Höhe und mein Blick fliegt automatisch zur Uhr.
Fehler!
Alles dreht sich binnen weniger Sekunden und die Übelkeit flammt erneut auf.
Keuchend realisiere ich die Uhrzeit, will aus meinem Bett springen, aber Liam drückt mich zurück in die Matratze. "Ich habe ihr die Sachlage erklärt und sie hat dir für heute frei gegeben".
Die Übelkeit wird stärker, als ich realisiere, was Liam da gerade gesagt hat.
"Du...du hast was?".
Liam seufzt, verdreht seine Augen und legt sich dann neben mich in die Kissen.
"Sieh mal, Lou, jeder kennt das. Jeder hat mal Liebeskummer und jedem geht es dabei scheiße. Ich habe deiner Mutter erklärt, dass wir gestern bei Zayn waren, damit du deinen Liebeskummer verdrängst und das es leider etwas eskaliert ist. Sie hat es verstanden, Lou. Johanna hatte auch mal Liebeskummer und ich hatte das Gefühl, dass sie sich darüber gefreut hat. Nicht, dass du Liebeskummer hast und darunter leidest, eher über die Tatsache, dass es da jemanden gibt, für den du Gefühle hast und das es anscheinend für dich doch noch eine Welt außerhalb der Firma gibt."
Speichel sammelt sich in meinem Mund, meine Augen pochen, scheinen mir gleich aus meinem Kopf springen zu wollen und schnell greife ich nach dem Mülleimer neben meinem Bett, ehe es auch schon zu spät ist und ein Schwall Magensäure ihren Weg in meinen Müll findet.
Ugh.
Ekelhaft.
Ich atme ein paar Mal tief durch, stelle den Eimer wieder neben das Bett - nicht zu weit weg, ich werde ihn sicherlich nochmal brauchen.
"Du kannst doch mit meiner Mutter nicht über mein Liebesleben reden".
Auch wenn Liam mehr wie ein Bruder für mich ist, meine Mutter ihn selbst auch so sieht, hat er noch lange nicht das Recht, darüber zu sprechen.
"Kann ich, denn deine Mutter hat mich die letzten Wochen immer wieder besorgt angerufen und wollte wissen was mit dir los ist. Sie hat Augen im Kopf, Louis. Sie hat gesehen, dass es dir nicht gut geht und du wegen irgendetwas leidest."
Seufzend lasse ich mich nach hinten fallen und schließe meine Augen.
Wieder dreht sich alles und schnell öffne ich sie wieder, versuche einen Punkt an der Decke zu fokussieren. Meine Bemühungen, gute Laune auf der Arbeit zu spielen, haben also rein gar nichts gebracht.
"Du solltest Harry schreiben. Er macht sich sicherlich noch immer Sorgen."
Bei seinem Namen breitet sich erneut der Schmerz in mir aus.
Ich bin verdammt ungerecht zu ihm, verletze ihn, aber - er wird es irgendwann verstehen. Irgendwann, wenn er einem anderen Mann das Taxi klaut und dann in diesem Mann jemanden findet, der ihm alles geben kann was er verdient hat.
Scheiße.
Bei dem Gedanken an Harry und einem anderen Mann steigen mir die Tränen in die Augen.
Hoffentlich werde ich das niemals mit eigenen Augen sehen. Die Vorstellung daran ist grausam.
"Schreib ihm", fordert mein bester Freund mit sanfter Stimme und legt eine Hand auf meinen Unterarm. Schniefend versuche ich die Tränen zurück zu halten, doch es gelingt mir nicht wirklich.
Ich will, dass Harry glücklich wird, dass er jemanden in seinem Leben findet, den er liebt - aber ich will nicht das er glücklich wird. Nicht mit jemand Anderen, aber auch eben nicht mit mir.
Was stimmt nur nicht mit mir?
"Ich habe ihn gelöst und blockiert", gestehe ich und ernte zu meiner Verwunderung kein genervtes Stöhnen sondern ein leises Seufzen, ehe mich mein bester Freund in seine Arme zieht.
"Ich kann Niall-" , - "Nein. Ich möchte mit Harry abschließen, Liam und ich möchte, dass ihr das alle akzeptiert. Und auch wenn ihr alle anderer Meinung seid, ist es für mich so das Beste. Also bitte, nimm es einfach so hin".
Liam nickt, drückt mich fest an sich und nun kann ich die Tränen eindeutig nicht mehr aufhalten.
"Ich akzeptiere deine Entscheidung, Louis, aber glaube mir, jede Liebesgeschichte hat ein Happy End."
"Diese vielleicht nicht", weine ich, drücke mich enger an Liam und bin dankbar dafür so einen wundervollen, besten Freund zu haben.
"Sag niemals nie."
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Amor manet.
FanfictionEin Assistent einer angesagten Modelagentur, die ausgerechnet seiner Mutter gehört, wird mit seinem besten Freund in den Zwangsurlaub gesteckt. Grund? Burnout. Zumindest wird es Louis so gesagt. Er sieht das allerdings ganz anders, kann sich aber ni...
