Und warum bist du wach?

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Harry schläft tief und fest. Hin und wieder kommt ein leises Seufzen aus seinem Mund, sein Kopf dabei fest auf meiner Brust gebettet.
Ich hingegen bekomme kein Auge zu.
Harrys Aussage von vorhin hängt in meinem Kopf und wenn ich ehrlich bin, möchte ich genauso wenig gehen. Aber ich kann nicht einfach hier bleiben. Ich habe einen Job, Familie und auch meine ganzen Freunde leben in London. Zumal es absolut schwachsinnig wäre, wegen einem Mann, den ich gerade mal drei Tage kenne alles abzubrechen und ein neues Leben anzufangen. Dennoch - mit dem Gedanken habe ich für eine Millisekunde gespielt.

Ich höre Geräusche aus dem Nebenraum und als ich auf die kleine Uhr neben meinem Bett schaue, gebe ich den Versuch Schlaf zu bekommen gänzlich auf.
Vorsichtig, ohne Harry dabei zu wecken, krabbele ich aus dem Bett und schleiche mich dann in das Wohnzimmer, wo Liam es sich vor dem Fernseher bequem gemacht hat.
Als er mich sieht, lächelt er und hebt die Wolldecke an, die über ihm ausgebreitet ist.
Ich schiebe mich neben ihn, krabbele mit unter die Wolldecke und sehe dann stumm auf den Fernseher.
Tag Vier. Heute ist Tag Vier und mir bleiben nur noch zwei weitere Tage, die ich mit Harry verbringen kann. Das ist....verdammt blöd.
"Kannst du nicht schlafen?", möchte Liam wissen und sieht mich nachdenklich an. Traurig schüttele ich meinen Kopf. Mein Herz fühlt sich plötzlich so schwer an.
Liam seufzt, dreht sich dann komplett zu mir und mustert mein Gesicht.
"Du magst ihn, hm?".
Dieses Mal nicke ich und ziehe die Wolldecke bis unter mein Kinn.
Ja ich mag Harry und nicht nur das. Mein Herz schlägt schneller in seiner Gegenwart, mein Bauch beginnt zu kribbeln und meine Gedanken kreisen unaufhörlich um ihm. Ich will ihm nahe sein, am liebsten die ganze Zeit und ich weiß genau, was das heißt. Ich bin geradewegs dabei mich in den Lockenkopf zu verlieben, vielleicht habe ich mich auch schon verliebt, der Grad dazwischen ist Minimal.
"Er mag dich auch, dass sieht man und Gemma hat es mir auch erzählt.". Liam schmunzelt. "Als er gestern mit ihr auf diesem Flohmarkt war, hat er die ganze Zeit rumgejammert, da er zu dir ins Hotel wollte, anstatt mit seiner Schwester auf einen Flohmarkt. Er hat sie die ganze Zeit angemotzt deswegen."
Wieder verschnellert sich mein Herzschlag und ein leichtes Lächeln breitet sich auf meinen Lippen aus.
"Wie geht das mit euch weiter?".
"Nun", beginne ich leise und senke traurig meinen Kopf. "Im Normalfall würden wir weiter daten und irgendwann zusammenkommen, aber hier - das ist kein Normalfall."
Uns trennen immerhin mehrere tausend Kilometer.
Da ist das mit dem mal eben rüber fliegen doch eher blöd.
"Ihr könntet es versuchen", schlägt mein bester Freund vor, doch ich schüttelte meinen Kopf.
Das führt doch zu Nichts.

"Guten Morgen".
Verschlafen kommt Harry in das Wohnzimmer, versucht seine Haare zu richten und sieht dann schmunzelnd zu Liam und mir.
"Warum seid ihr so verdammt früh wach?", möchte er wissen , schiebt sich ebenfalls auf das Sofa und zieht mich dann einfach und kommentarlos in seine Arme.
Sofort prickelt meine Haut und nur zu gerne schmiege ich mich an seien Brust, atme tief ein und lasse mich von Harrys Körperwärme einlullen.
"Ich stehe eigentlich immer so früh auf", lacht Liam leise und sieht mich und Harry lächelnd an.
"Du bist ja auch komplett Irre und gehst jeden Tag joggen."
Wirklich, Liam ist komplett verrückt.
Welcher Mensch geht noch vor Sonnenaufgang joggen?
"Lüge! Hier war ich noch nicht einmal joggen", lacht Liam und wirft mir ein Kissen in das Gesicht, welches einfach gegen mich prallt und dann stumpf auf dem Boden landet. Ich strecke meinem besten Freund die Zunge raus und kuschele mich dann noch enger an Harry. Er ist so schön warm und er riecht so gut, was in Anbetracht der letzten Nacht an ein Wunder grenzt.
"Und warum bist du wach?", möchte Harry wissen und beginnt durch meine Haare zu kraulen. Automatisch schließen sich meine Augen.
"Ich konnte nicht schlafen."
Es bleibt still im Wohnzimmer, Liam und Harry schauen anscheinend auf den Fernseher. Ich hingegen genieße die Bewegungen in meinen Haaren, die Wärme von Harry und schon ein wenig später merke ich, wie mein Körper herunterfährt und ich immer wieder weg nicke.

Als ich das nächste Mal meine Augen öffne, liege ich noch immer auf dem Sofa, doch Harry ist nicht mehr neben mir. Auch Liam ist nirgends zu sehen und gähnend richte ich mich auf, blinzele einige Male und sehe mich dann suchend um Raum um.
Mein Blick landet an der Uhr. Anscheinend habe ich doch ein paar Stunden geschlafen.
"Na, Dornröschen".
Grinsend betritt Liam den Raum, ein Handtuch ziert seine Hüften, seine Haare nass.
"Falls du deinen Prinzen suchst, der muss arbeiten".
Ich will es nicht zeigen und auch nicht zugeben, aber das Harry nicht hier ist, macht mich traurig und ich bin vielleicht etwas enttäuscht, dass er mich nicht geweckt und sich bei mir verabschiedet hat.
"Jetzt guck nicht so. Er kommt heute Abend wieder vorbei."
Sofort erhellt sich meine Laune und das sieht auch Liam, welcher laut lacht und den Kopf schüttelt.
"Wie wäre es, wenn wir jetzt irgendwo etwas Essen gehen und danach auf den Times Square gehen, so wie wir es gestern eigentlich vorhatten?".
Schnell springe ich vom Sofa und nicke eifrig. "Ich muss nur noch schnell duschen!".

Amor manet.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt