Ich weiß nicht wie ich's sagen soll. Dieses eine Treffen, dieser eine Kuss. Das hat so viel verändert. Verändert zwischen uns. Verändert in mir. Und jetzt? Jetzt bist du weg, zum Arbeiten außerhalb der Stadt. Ich sitze hier, allein und denk an dich. Ja wir schreiben, aber du Arbeitest den ganzen Tag, ich habe zuhause auch viel zu tun und da bleibt einfach nicht so viel Zeit für uns. Ich hab mittlerweile einen einen eigenen Klingelton für dich, damit ich weiß, dass ich aufs Handy schauen muss.
So viele Nachrichten erreichen mich über den Tag, alle sind mir egal, doch ertönt dein Klingelton, lasse ich aus Reflex alles fallen, jeglich gerade geführte Konversationen, vergesse ich völlig. Grundsätzlich verblasst meine gesamte Außenwelt in dem Moment. In dem Moment gibt es für mich nur dich.
Ich vermisse, wie du mich ansiehst. Wie du vor mir stehst, runter schaust, tief in meine Augen, wie du dich runterbeugst, dich zu meinen Lippen bewegst, wie deine Lippen, die meinen treffen.
Ich vermisse wie du dabei zu lächeln beginnst, wie du mich dabei berührst, die eine Hand an meiner Taille, mich eng an dich ziehend, die andere in meinem Nacken, mal mit meinen Haaren spielend und mal meine Lippen noch enger an deine ziehend.Mein Handy klingelt, die von mir gewählte Männliche Stimme sagt leicht verzerrt „Mama". Ich gehe ran, essen ist fertig, ich soll reinkommen. Bis jetzt saß ich draußen gegenüber vom Haus am Feldrand, habe der Natur zugesehen, wie sie immer wieder kleine Wunder vollbringt, wie der Sonnenuntergang sich sekündlich ins noch schönere verändert, wie die Vögel ein federleichtes Spiel im Wind hinlegen, wie die ersten Tiere ihre Löcher verlassen und auf Futtersuche gehen, Rehe, Hasen, ein Fuchs. Ich liebe diese Idylle. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen, ich habe mir leise die von meiner besten Freundin, Sophia, erstellte Playlist angemacht. Haufenweise Liebeslieder. Und bei jedem Lied, denk ich an dich. Jede Strophe, erweckt neue Träume von uns in mir und jeder Vers ruft Erinnerungen hervor.
Ich muss rein, denke ich, sonst gibts noch Stress.Die Schulwoche verging schnell, hauptsächlich ging es um das am Ende des Schuljahres anstehende Abitur. Normalerweise hätte ich mich zur Schulsprecherin und Stufensprecherin aufstellen lassen, ich liebte es schon immer diese Aufgaben zu übernehmen, etwas für andere verändern zu können und das Gefühl, dass die jüngeren mich bewunderten und vielleicht später selbst auch mal etwas verändern wollten. Doch zur Zeit ging zu viel in mir vor, ich dachte zu viel an Henry, wie und was zwischen uns war und warum er so plötzlich weg musste. Ich konnte keinen Grund dafür finden, ob ich etwas falsch gemacht hatte?
Ich lebte meinen Alltag wie auf Dauerschleife, die kein Ende finden wollte. Die Schule wurde anspruchsvoller, die Hausaufgaben und Lernzeiten immer mehr, doch das störte mich noch nicht einmal so stark. Viel schwieriger war es für mich unter Menschen, vor allem Sophia erkannte schnell wenn es mir nicht gut ging. Es gab Tage, da fiel es mir leicht, meine glückliche Maske aufzusetzen, mein Leben auszuschalten und ohne Probleme die fröhliche zu spielen, leider gab es aber auch Tage an denen es mir schwer viel. An diesen Tagen, gaukelte ich vor, zu lang gelernt zu haben und deswegen müde zu sein oder einfach aufgrund der anstehenden Prüfung mich nicht so gut zu fühlen.
Das kauften mir meine Freunde bisher auch immer ab, denn ich kam noch nie gut klar mit schlechten Noten und lernte deswegen viel, das tat ich jetzt tatsächlich auch, es lenkte mich gut ab, ab von ihm.
Wahrscheinlich hatte ich auch wegen meines Schulengagements meist weniger ein Auge für Jungs. Sophia war bereits seit zwei Jahren mit Dylan zusammen, Carla hatte bis jetzt zwei gescheiterte Beziehungen, die beide nicht länger als fünf Monate hielten und trotzdem schwärmt sie andauernd von anderen Typen. „Schau mal Lotte, John schaut immer wieder zu dir rüber, der würde dir bestimmt noch eine Chance geben." sagte sie in der Cafeteria. „Also ich würde ihn mir sofort schnappen, ganz ohne Gefühle, nur bisschen Spaß haben." setzte sie dahinter. Wenn das nur so einfach wäre, keine Gefühle, dachte ich mir.
„Ey ihr wisst beide, dass ich nichts mehr von ihm möchte Okay?"
„Ist ja gut, wieso bist du im Bezug auf ihn immer direkt so angefasst? War ja nur Spaß."
Wenn ihr die ganze Geschichte wüsstet, sähe eure Meinung zu ihm sicherlich anders aus, denke ich mir, doch antworte bloß „er ist mein Ex und unsere Beziehung vorbei und ich habe einfach nicht mehr den Nerv für ihn."
Carla schaut Sophia bloß fragend an, die ihr mit einem leichten Schulterzucken zeigt, es dabei zu belassen.

DU LIEST GERADE
Diese Liebe auf Distanz
Romantizm„Er kam einen Schritt näher auf mich zu, lies den Augenkontakt bestehen und neigte sich ganz langsam zu mir runter. Kurz über meinen Lippen machte er Halt, als würde er um meine Erlaubnis bitten. Ich war mir nicht sicher, konnte ich das schon? War i...