3. Kapitel

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Er richtete sich auf, schob seinen Ärmel hoch und tat so, als würde er auf eine Uhr blicken. „Als du im Bad warst habe ich bereits deine Sachen aus der Kommode in eine Tasche geräumt und ein paar deiner Habseligkeiten dazu gelegt. Das, was mir am offensichtlichsten ins Auge gestochen ist. Wir haben ja nicht die ganze Nacht Zeit und das unvermeidbare noch weiter in die Länge zu ziehen. Sei ein braver Frosch, sieh dich um und sag mir was du noch unbedingt mitnehmen willst. Nochmal wirst du nicht hierher kommen."

Vorsichtig sah ich mich um. In meinem Regal waren noch die Bücher und Elektronikkram. Nichts, was man nicht ersetzen konnte. Mein Blick fiel auf die Kommode, besser gesagt auf den Schlüssel. An diesem befand sich ein Schlüsselanhänger, ein kleines schwarzes Auto.

„Schlüsselanhänger", sagte ich mit zitternder Stimme, welche jeden Moment zu versagen drohte und deutete auf die Kommode.

Er blickte kurz rüber, nickte und sagte: „Ist klar. Nehme ich mit wenn wir gehen."

Dann deutete er mit dem Lauf seiner Pistole neben mich. „So, zu guter letzt nimmst du jetzt die Handschellen neben dir, an deine Handgelenke. Hinter dem Rücken versteht sich."

Ich starrte ihn fassungslos an, worauf er mir einen strengen Blick zu warf. „Du kannst dir deinen empörten Blick sparen. Zwing mich nicht dazu, dass ich das ganze für dich übernehme. Dann könnte das nicht so sanft ausfallen."

Mit zugeschnürter Kehle öffnete ich meinen Mund, wollte etwas sagen. Meine Stimme brach, kein Ton verließ meinen Mund. Ich schloss meine Augen, versuchte zu schlucken und entgegnete mit leiser und brüchiger Stimme: „Das ist nicht nötig."

„Das hast du nicht zu entscheiden", sagte er kurz angebunden.

Zu meiner anhaltenden Panik keimte Wut mit auf. „Was soll denn das? Du hältst mir doch schon die ganze Zeit vor, wie ach so stark du bist. Die Dinger sind nicht nötig."

Vielleicht würde sich ja doch noch eine Fluchtmöglichkeit bieten. Ich wollte mir definitiv keine Chancen verbauen.

Er sah mich mit strengem Blick an. „Frosch, nicht diskutieren. Einfach das tun, was ich dir sage."

Langsam griff ich nach rechts, nahm die Handschellen. In einer Kurzschlussreaktion umschloss meine Hand diese fest und warf sie ihm so fest ich nur konnte ins Gesicht. Gleichzeitig sprang ich auf, lief über das Regal und über den höheren Tisch, landete auf dem Boden und stürmte in Richtung der Haustüre. Diese war erstaunlicherweise nicht abgesperrt. Das erklärte, wie Frank in die Wohnung gekommen war. Zum Glück musste ich fast sagen, denn sonst wäre mir meine Flucht definitiv erschwert worden. Ich lief barfuss auf den Flur. Ein kleiner Hoffnungsschimmer keimte in mir auf. Dieser wurde aber sofort zerstört, als mich irgendetwas am Rücken traf und ich zu Boden riss. Mein Kopf knallte schmerzhaft auf den Steinboden. Benommen stütze ich mich mit einem Arm auf dem Boden auf, versuchte mich wieder zu orientieren.

Sogleich hörte ich hinter mir Frank: „Das muss ich dir lassen Cillian, du versuchst wenigstens es mir nicht zu leicht zu machen. Sag nicht ich hätte dich nicht gewarnt." Er hatte die Tasche mit meinen Sachen nach mir geworfen. Vielleicht war es auch mehr der Schock gewesen, da ich so etwas nicht erwartet hätte.

Mit eisernem Griff packte er meinen Arm, zog mich unsanft in die Höhe. Auf einmal hörte ich eine weibliche Stimme auf Italienisch fragen, was hier los sei. Das musste die Nachbarin von gegenüber sein. Ich hatte mir nie die Mühe gemacht ihren Namen zu lernen.

Ich sah in ihre Richtung. Sie musste mein total verängstigtes Gesicht gesehen haben, da ich in ihren Augen sah, wie sie sich kurz erschrak.

Erstaunlicherweise antwortete Frank in aller Seelenruhe auf Italienisch, dass alles in Ordnung war. „Er ist mein Sohn. Keine Sorge, dass ist nur eine Familienangelegenheit." Ich hatte gar nicht gewusst, dass er dieser Sprache mächtig war. Aber man hörte, dass er nicht ursprünglich von hier kam. Die Frau sah mir in die Augen, ich schüttelte den Kopf. Kaum merklich. Frank musste das mitbekommen haben, da er mich am Arm gepackt gegen die gegenüber liegende Wand drückte.

Leise flüsterte er mir ins Ohr: „Sie ist gegangen. Sei doch jetzt bitte ein braver kleiner Forsch. Ich will dir nicht mehr wehtun als bis jetzt schon passiert."

Ich fühlte mich so unendlich schwach. Warum hatte ich auf meiner Flucht nicht mehr in Kampftraining investiert?

Er drückte mir im Polizeigriff den Arm auf den Rücken und legte mir die Handschelle ums Handgelenk. Als er mir den anderen Arm auf den Rücken verdrehte, hörte ich eine Männerstimme hinter uns sagen: „So geht man nicht mit Familie um."

Auf einmal wurde Frank hinter mir weggezogen, eine andere Hand drehte mich um. Es war die ältere Frau von gerade eben. Ich sah zu meiner linken zwei muskulöse Männer die Frank von mir wegzogen. Verwirrt blickte ich in ihr besorgtes Gesicht.

„Meine Söhne sind da und halten ihn in Schach. Lauf mein Junge, bevor er dir wieder wehtun kann", sagte sie, drückte mir die Tasche in die Hand und drängte mich in Richtung Ausgang.


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