Seine Faust war geballt, ich erwartete, dass er mir jeden Moment eine Ohrfeige oder einen Schlag verpasste.
„Porcellino, es tut mir Leid, wie all das gelaufen ist", setzte er an, unterbrach sich jedoch gleich wieder. „Es ist nicht leicht für mich, dass jetzt anzusprechen. Du musst wissen, dass ich dich liebe und das nicht gewollt habe. Seit zwei Jahren überlege ich, was ich zu dir sagen soll, wenn ich dir gegenüber stehe." Er lachte kurz auf. „Es freut mich, dass du in meine Heimat geflohen bist und nicht in die deiner Mutter nach Irland. So komme ich mal wieder nach Hause." Ich schämte mich. Wieso es mich nach Italien verschlagen hatte, konnte ich nicht beurteilen. In Irland wäre ich sogar mit meinem echten Namen, Cillian Keane, nicht aufgefallen. Meine Mutter, Scarlett Keane, hatte bei der Hochzeit ihren Namen behalten und darauf bestanden, dass ich diesen auch tragen würde. Vielleicht um nicht in Verbindung gebracht zu werden mit Illegalen Machenschaften eines Gianluigi Evani?
Urplötzlich drehte er sich um, kam auf mich zu und fiel vor mir auf die Knie. Er legte seine Hände auf meine Wangen und sah mir direkt in die Augen. In diesen glitzerten leichte Tränen.
„Cillian, es tut mir Leid, dass ich dich nicht beschützen konnte", sagte er und gab mir einen väterlichen, fürsorglichen und liebevollen Kuss auf die Stirn. Ich verstand die Welt nicht mehr. Wovor beschützen?
„Dad, ich weiß nicht wovon du redest", stammelte ich verwirrt. Er verzog seine Mundwinkel zu einem gequälten Lächeln. „Ich weiß porcellino, ich weiß. Und genau da liegt das Problem und meine Schuldigkeit."
„Bitte, töte mich nicht. Ich bin doch nur geflohen, weil ich Angst hatte. Und du jagst mir immer noch Angst ein. Bitte, bring mich nicht um", flehte ich leise.
Er schüttelte nur den Kopf, die Lider gesenkt. „Cillian, ich werde dich nicht töten. Ich bin nur froh, dich endlich wieder in meine Arme schließen zu können und dich in Sicherheit zu wissen."
Ich verzog mein Gesicht zu einer gequälten Grimasse. „Dad, du machst mir noch mehr Angst. Sei wütend oder sonst was, aber bitte sei nicht so. Mom hat mit dem Poolboy geschlafen, das war scheiße. Aber bitte töte mich nicht deswegen."
Wieder schüttelte er den Kopf. So liebevoll hatte ich ihn die ganzen 22 Jahre meines Lebens nicht erlebt.
„Ich hätte für dich da sein müssen. Vor lauter Arbeit, Aufträge und sonstigem habe ich die Zeichen nicht gesehen, erst als es zu spät war. Daheim in den Staaten färben wir deine Haare wieder schwarz, du ziehst wieder zurück in das Anwesen. Dein Bruder Christian und ich, wir werden uns um dich kümmern und dir die besten Therapeuten besorgen, die ich für Geld nur kaufen kann", schloss er, während er mir zwei familienhafte Küsse auf die Stirn gab.
Hätte ich meine Hände frei gehabt, hätte ich nun seine Wangen in meine genommen. So fertig hatte ich ihn noch nie erlebt, nicht mal, als der Zoll einen Schiffscontainer mit einer Waffenlieferung konfisziert hatte. Klar waren die zwei Jahre nicht cool gewesen, aber einen Therapeuten?
„Dad, bitte, ich verstehe nicht was du meinst. Hilf mir, es zu verstehen. Wofür einen Therapeuten?", fragte ich verwirrt und außer Atem. Ich wusste zwar nicht, was eine Panikattacke war, aber ich hatte das Gefühl, dass sich so etwas in mir zusammen brodeln konnte.
Er warf Frank einen entschuldigenden Blick zu. „Frank, das, was du nun hören wirst, ist schwer zu verdauen und ich bitte auch dich um Verzeihung. Ich weiß, dass du mehr für Cillian da warst, als ich es jemals gewesen bin. Und ich habe mich völlig verschlossen vor dem, was war. Auch wenn du immer wieder Kommentare und Bemerkungen dies bezüglich gemacht hast."
„Gianluigi, du meinst nicht das, was ich denken oder?", hörte ich hinter mir seine Stimme entsetzt fragen.
Dad nickte nur, woraufhin ich ein erzürntes ‚Verdammte Scheiße!' von hinter mir hörte.
„Was zum Teufel ist hier los? Klär mich bitte jemand auf!", schrie ich nun wütend auf, dieser Eierschalentanz zerrte noch mehr an mir als wenn mich mein Vater einfach erstochen hätte.
„Das Problem ist deine Mutter", presste Frank wütend hervor.
Ich nickte. „Ja, weil sie eine Affäre hatte."
„Nein, weil es der verdammte Poolboy war", fügte er hinzu.
„Welchen Zusammenhang hat denn das mit dem Poolboy?", hakte ich verwirrt nach.
„Emanuel war zum Zeitpunkt der Affäre 20, Cillian", rief mein Vater flehend. Als ob das mir mehr auf die Sprünge helfen würde.
„Ja und, untreue Ehepartner suchen sich doch häufiger jüngere Affären", versuchte ich vorsichtig.
Frank lachte kurz auf. Dad strich mir sanft über die Wange. „Cillian, er war so alt wie du. Ich konnte es nicht fassen. Er hatte mehrere Verletzungen, als wir ihn befragt hatten."
Ich sah ihn fragend an. Frank kam um mich herum, positionierte sich neben meinem Vater. „Sie hat sich den Poolboy geschnappt, weil du ausgezogen und in der Uni warst. Deine Mutter hat einen Ersatz für dich gesucht und gefunden."
Was zum? „Was willst du damit sagen?"
„Du hast verdrängt, was deine Mutter all die Jahre mit dir gemacht hat. Sie ist krank, gestört", herrschte Frank mich an. „Ich habe es gewusst, dass irgendwas nicht stimmt. Fröschlein, du warst teilweise so komisch, hast merkwürdige Dinge erzählt, als ich dich in den Kindergarten oder in die Schule gefahren habe."
„Wollt ihr weiß machen, dass Mom unverzeihliche Dinge getan hat? Nein, daran würde ich mich doch erinnern. Ihr lügt mich an", sagte ich verzweifelt. Nein, sie konnten mir doch nicht so einen Schwachsinn erzählen.
Dad lachte kurz auf. „Sie hat dich gut indoktriniert und immer mal wieder Medikamente verabreicht, dass muss ich ihr lassen. Ich hätte diese kranke Schlange niemals in mein Leben lassen sollen. Aber dann hätte ich dich nicht bekommen, mein porcellino."
Ich schüttelte den Kopf. Nein, dass konnte nicht sein. Klar, hatte ich ein paar Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen und als Kind hatte ich mich häufig verletzt, war oft krank gewesen. Aber an Details oder ähnliches würde ich mich doch erinnern!
DU LIEST GERADE
No Choice
Fiksi RemajaSeit zwei Jahren befindet er sich auf der Flucht vor seinem Vater, denn in seiner Heimat ist seine Familie in Mafia ähnlichen Handlungen verstrickt. Als seine Mutter sich ein Verfehlung leistet, soll er dafür büßen. Kurzerhand hatte er die Flucht er...
