~1.Kapitel~

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Kristin
Piep, piep, piiiiiieeeeep. Ich drehe mich müde um und schlage mit der flachen Hand auf diesen unausstehlichen Wecker. Arrrggg, wie sehr ich dieses Teil nur hasse! Sobald dieses schreckliche Gerät aufhörte, diese nervtötenden Geräusche von sich zu geben, wandte ich mich wieder meinem Polster zu. Heute war es mir scheißegal ob ich zu spät zu meinen Kurs kommen würde, alles was ich wollte, war schlafen. Doch leider schien meine allerbeste Freundin/Mitbewohnerin anderer Meinung zu sein. "Schätzchen, Zeit zum Austehen!", trällerte sie von der Tür aus. Manchmal würde ich Tris echt am liebsten erwürgen. Ich schnappte mir den erstbesten Gegenstand, der mir in die Hände kam, und warf ihn in ihre Richtung. Leider war es meine Decke, somit hatte ich sie mir selbst weggenommen und meine Freundin kein bisschen getroffen. "Ich hab's ernst gemeint, Kristin. Heute darfst du echt nicht zu spät kommen!", brüllte dieser kleine Engel (nur damit das klar ist, damit ist TEUFEL gemeint) nun vom Wohnzimmer aus. In diesem Moment fiel mir ein, was heute war. Heute hatte ich vielleicht endlich meinen Abschluss in der Tasche.
Dieser Gedanke weckte mein verschlafenes Hirn besser auf, als es jeder Wecker gekonnt hätte. Ich fuhr hoch und sprang aus dem Bett. Kurz war mir schwindlig, doch ich ignorierte es. Allerdings machte mir ein stechender Schmerz in meinem Kopf einen Strich durch die Rechnung. Fuck! Ich hatte ganz vergessen, dass mein supersüßer Langzeitfreund Tobie mich gestern in irgendeine Bar gebracht hatte. Nur zum Abreagieren! Ich war gestern nämlich mega-aufgeregt und hatte es kaum ausgehalten zu warten. Natürlich könnte es sein, dass ich mich gestern ein klein wenig mit dem Alkohol übernommen hatte, aber wenn, dann wirklich nur ein gaaaaaaaaaanz kleines bisschen.
Allerdings, jetzt wo ich so drüber nachdachte, war es sowieso egal. Die Abschlussprüfung hatte ich bereits absolviert, ebenso sonstige Tests. Also war es egal, dass ich mich gestern betrunken hatte und den Abschluss vergessen hatte. Doch jetzt war alles komplett zurück. Ich war wieder total nervös. Oh Mann!
Ich schnappte mir meine Laufklamotten und sprintete in den Mini-Fitnessraum unserer Wohnung. "Konntest du dich wieder erinnern?", rief mir Tris lachend hinterher. "Ach, sei still!", erwiderte ich, musste dann aber doch lachen.
Im Fitnessraum angekommen schlüpfte ich in die Lauftights und in den Sport-BH in meiner Hand ehe ich das Laufband einschaltete und meine Werte eingab. Dann begann ich zu joggen.
Nach einer Weile wurde es langweilig, einfach nur zu laufen, denn normalerweise lief ich zum nahe liegenden Central Park und drehte dort meine Runden. Im Park wurde das Laufen nie öde, am Laufband leider schon. Also langte ich nach der Fernbedienung, die am Beistelltisch lag und drückte auf einen grünen Knopf. Der Fernseher, der zuvor noch an der Decke gelegen hatte, fuhr mit einem surrenden Geräusch herunter und hielt vor dem Laufband inne. Ich schaltete ihn ein und stellte auf ein Programm, welches ich vor nicht allzu langer Zeit installiert hatte. Nun sah es am Bildschirm so aus, als würde ich irgendwo in einem Wald laufen und hätte eine Kamera an meinem Kopf. Schon viel besser.
Ich lief noch ca. eine halbe Stunde, ehe ich den Fernseher und das Laufband ausschaltete. Ich nahm ein Handtuch und verschwand im Bad.
Dort duschte ich erst mal ausgiebig und wusch mir die verschwitzten Haare. Danach trocknete ich mich ab und föhnte meine Haare so, dass sie in schönen, breiten Wellen abfielen. Ich rieb noch etwas Vanille-Lavendel-Pflegeöl ein, dann schlüpfte ich zurück in mein Zimmer und öffnete meinen Kleiderschrank.
Mit der Hoffnung, ich würde das Studium erfolgreich abschließen, zog ich mein absolutes Lieblingkleid, ein selbst designtes. Es war eins der letzten Kleider, die ich in diesem Trimester genäht hatte.
Oben lag es eng an, war weiß und hatte keine Träger, unten bestand es aus zwei Hauptschichten. Die untere war ein weißer, seidiger Stoff und die obere bestand aus einem weichen, luftigen, goldenen Tüll. Unterhalb des weißen Stoffs befanden sich auch noch einige goldene Tülllagen, sodass das Kleid richtig fröhlich aussah. Die oberste Schicht aus goldenem Tüll war außerdem etwas küzer als die weiße Seide. Ich liebe dieses Teil fast so sehr wie mein allererster Entwurf für ein Ballkleid.
Ich warf das Kleid eilig über und raste zurück ins Bad, wo ich mich dezent schminkte und verschiedene Frisuren ausprobierte. Schließlich kam Tris herein und flocht mir jede Menge kleine Zöpfe in die Locken. Dann sprühte sie ein Mittel in meine Haare, das sie aussehen ließ, als wäre ich gerde vom Strand gekommen. Zwischen meinen lockigen Strandhaaren blitzten immer wieder die Zöpfchen heraus und ich war so begeistert, dass ich meine Freundin fest an mich drückte.
Erst dann warf ich einen Blick auf sie. Tris sah ebenfalls umwerfend aus, aber ihr Kleid konnte ich jetzt nicht näher beschreiben, nur das es aus einem schönen meergrün bestand und beim Rock auch schwarz dabei war. Sie trug die blonden Haare an der linken Seite geflochten, an der rechten lockig und offen. Wie gesagt: umwerfend. Ich lächelte und stürzte zurück in mein Zimmer, wo ich mir meine himmelhohen, goldenen Glitzer-High Heels anlegte, die ich extra für dieses Kleid gekauft hatte. "Mann, du hast es ja ganz schön eilig!", meinte Tris lachend und marschierte mir hinterher in den offenen Wohnraum, zu dem auch die Küche gehörte. "Ja! Ich hab's schon irgendwie eilig", erwiderte ich und schnappte mir eine Banane, die ich in einen Becher mit Cornflakes und Milch schnippelte. Mein einfaches Frühstück futterte ich in mich hinein, den Kaffee leerte ich in einen To-Go-Becher und so nahm ich mir mein Handy und meine elegante Tasche von der Couch und stöckelte zur Haustür. Ich wandte mich um und sah Tris fragend an: " Kommst du ?" "Ja, klar! Wie könnte ich nur den letzten Tag in diesem Studium verpassen! ", sagte Tris und hob eine Augenbraue. Ich lachte und meinte nur:"Ach, Tris. Du bist einfach unverbesserlich! " "Stimmt, weil ich nämlich schon perfekt bin!" Gemeinsam lachend verließen wir die Wohnung und ließen die Tür hinter uns zufallen.

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