chapter 4 - hufflepuff

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Nach mir gesellten sich noch zwei Leute an den Hufflepufftisch - das Mädchen vom Boot vorhin, Julia Wallace; und ein rotblonder Junge, der so rote Wangen hatte, dass er aussah wie eine Tomate. 

Sein Name war Keaton York, soweit ich mitbekommen hatte. 

Dadurch, dass meine Nachbarin, ein blondes, stämmig gebautes Mädchen nervös vor sich hin flüsterte und ich wegen den undefinierbaren Geräuschen schier die Krise bekam, bekam ich kein Stück von Dumbledores Rede mit. 

Aber was solls - der wichtigste Teil kam danach. Und das Essen war großartig. Es gab wirklich alles, man musste es nur finden und ich aß so viel wie noch nie in meinem gesamten Leben.

Unser Schülersprecher, Simon Dubois, ohne Zweifel ein Franzose (ich fragte mich, wie er in Hogwarts gelandet war), machte sich ein wenig über meine Essmanieren witzig, doch das war mir egal. Ich hatte endlich einmal genug zu essen, das wollte ich auch ausnutzen. 

Hähnchen, Würstchen und Rehsteak musste vom Fleisch herhalten, dazu noch Eintopf, Reis und Kartoffelpüree. Ich war im Himmel, doch leider hielt mein Magen nicht alles aus. Irgendwann musste ich aufhören. 

„Hast du irgendwie nichts daheim zu essen?" Der rotblonde Junge, Keaton, musterte mich. Er saß direkt vor mir. 

„Doch, aber nicht so viel." 

„Muggelstämmig?", fragte er. 

„Halbblut", antwortete ich und griff zu meinem Becher, wo frischer Traubensaft drin war. Das war wirklich der Himmel. Vermutlich war ich wirklich tot. 

„Ich bin Reinblut." Er sah mich noch mal mit den dunkelbraunen Augen von oben bis unten an, dann wandte er seinen Blick wieder von mir ab. 

Nach dem Nachtisch, bei dem ich erneut zugegriffen hatte - ich hatte drei Portionen Eis mit heißen Himbeeren gegessen, bis wirklich alle um mich herum verstört über meine Essgewohnheiten waren - führte Simon uns zum Hufflepuffgemeinschaftsraum. 

Er war im Keller, nur ein Stück weit entfernt von der großen Halle - und der Küche, sagte Simon mit einem Zwinkern. Ich musste sie unbedingt finden. 

Um in den Gemeinschaftsraum zu kommen, musste man ans zweite Fass von unten im Takt von Helga Hufflepuff anschlagen - schon wurde man reingelassen. Es änderte sich alle zwei Wochen, an welches Fass und in welchem Rhythmus man schlagen musste, erklärte uns Simon - so konnte niemand außenstehendes ohne Passwort rein.

Der Gemeinschaftsraum war ein riesiger, runder Raum. Eine Menge Sofas und Sessel, allesamt in gelb und schwarz, standen herum und luden mit genauso vielen Kissen dazu ein, auf ihnen zu sitzen - viele Hufflepuffs hatten sich dort bereits verteilt und unterhielten sich. 

An den zwei Öfen standen auch Tische und in der Mitte stand ein großer Gemeinschaftstisch.

Außerdem waren viele Pflanzen verteilt, überall, auf den Fensterbrettern der runden Fenster, am Kaminsims, an den kleinen Tischchen neben den Sesseln. Einfach überall. Die kleinen Ecknischen und die verteilten Bücherregale rundeten alles ab. 

Es war wunderschön heimelig und ich fühlte mich sofort wohl. 

Durch zwei große Fässer gelangte man zu den Jungs, beziehungsweise zu den Mädchenschlafräumen - anscheinend konnten die Mädchen zu den Jungen, doch die Jungen nicht zu den Mädchen. Interessant. 

Simon zeigte zuerst den vier Jungen ihren Schlafsaal und ließ uns Mädchen stehen. Ich musterte die anderen drei. 

Es war das eine, stille Mädchen vom Boot - Julia -, das Mädchen vom Essen, das die ganze Zeit nervös vor sich hingemurmelt hatte - und dann noch ein Mädchen mit braunen Locken. Sie kannte ich noch nicht, doch als sie meinen Blick bemerkte, schenkte sie mir ein Lächeln - vielleicht konnte ich in ihr eine Freundin finden. Sie wirkte sympathisch. 

„Also Mädels." Simon war zurück. „Wie gesagt, ich kann nicht zu euch - aber es ist einfach. Ihr geht einfach durch die Fassöffnung durch und dann gelangt ihr in einen Gang mit sieben Türen - nehmt die Tür mit der Nummer eins für ‚Jahrgang 1', okay? Euer Gepäck ist schon dorthin geliefert worden." 

Wir nickten und er grinste. „Viel Spaß, Leute. Morgen um sieben zum Frühstück, alles klar?" Wir nickten erneut und machten uns daran, in unseren Schlafsaal zu kommen.

-

Der Schlafsaal war ebenso rund wie der Gemeinschaftsraum und ebenso großartig. Es waren vier Betten darin verteilt - vermutlich extra abgestimmt auf uns vier, denn es hätten doppelt so viele Betten reinpassen können -, mit schwarz-gelben Laken - natürlich - und zwei großen Fenstern weiter oben. Es gab sogar eine Stufe, damit man dort hochkonnte. Ich beschloss, den Fenstersims als möglichen neuen Leseplatz auszuwählen. 

Zu den Betten gab es noch Tische, die ausgestattet mit gepolsterten Stühlen und mehreren Federn waren, und Schränke und Regale für jedes Bett. 

„Woah, sieht das krass aus", sagte das braunhaarige Mädchen. 

Ich nickte: „Absolut. Wir dürfen Betten auswählen, ne?", fragte ich und setzte mich dann schließlich auf das direkt neben der Stufe zum Fensterbrett. Das braunhaarige Mädchen nahm das Bett neben mir und Julia das Bett neben ihr. Das vierte Mädchen nahm sich das letzte Bett, zwischen uns beiden lag die Tür.

„Okay, wie heißt ihr alle? Ich hab nicht aufgepasst." Das braunhaarige Mädchen grinste. „Ich bin auf jeden Fall Ivy Radclyffe. Ich freue mich wirklich, jetzt hier zu sein." 

„Hanna Taylor", sagte ich, „Ebenfalls." Dann schnappte ich mir meinen Koffer, der neben der Tür abgestellt wurde und zerrte ihn neben mein Bett. 

„Ich bin Julia", sagte Julia. Sie sortierte bereits ihre Sachen ein, ihre Schulbücher stellte sie feinsäuberlich in das Regal ein und ihre Umhänge und Freizeitklamotten hängte sie sich in ihren Schrank. 

„Faith", murrte die letzte im Bunde aus ihrem Kissen heraus. Sie hatte sich nur die Mühe gemacht, aus ihren Schuhen zu schlüpfen, bevor sie auf ihr Bett gefallen war. 

„Cool", sagte Ivy. „Wie wärs, wir packen noch schnell aus und gehen dann gleich schlafen?" 

„Deal", sagte ich, „Ich habe neun Stunden mit Idioten in einem Abteil verbracht, Schlaf klingt gut." 

Während Ivy ihren Koffer zu sich zerrte, grinste sie mich an. „Erzähl." 

„Die vier neuen Gryffindor Jungs. Neun Stunden. Sie sind zwar nett, aber echt anstrengend, vor allem Sirius Black." 

„Als ob du es neun Stunden mit dem ausgehalten hast", sagte Julia leicht belustigt. „Ich war mit zwei befreundeten Mädchen aus Jahr drei in einem Abteil, wir haben hauptsächlich Zauberschach gespielt. Es war echt entspannt." 

„Was ist Zauberschach?", fragte Ivy und als Julia entsetzt den Mund aufklappte, hob sie abwehrend die Hände. „Ich bin muggelstämmig, es tut mir leid, es tut mir Leid!" 

Julia wandte sich zu mir. „Aber du kennst Zauberschach!" 

„Ja, aber nur weil die Typen das heute gespielt haben, sorry."

„Bist du auch muggelstämmig?", fragte Ivy. 

„Ne, Halbblut. Aber ich hab die meiste Zeit mit meinem Muggeldad verbracht." 

„Auch angenehm. Also, ich war im Zug mit so ner gemischten Gruppe - Connor, der ist auch hier gelandet, war dort - und zum Beispiel Clarissa Morgan und so n schräger Typ namens Matteo. Wir hatten alle keinen Plan von irgendetwas, weil wir alle muggelstämmige Erstklässler waren, und haben uns alle nervös gemacht. Und Mary war auch da. Ein Mädchen namens Mary war auch dabei." 

„Wart ihr die Gruppe neben uns, die plötzlich gegen vier Uhr angefangen haben zu schreien und nicht mehr aufgehört hat?" Julia war fertig mit auspacken und sah Ivy und mir jetzt dabei zu, wie wir unsere Sachen auspackten. 

Ivy sah schuldbewusst zu ihr. „Gut möglich", sagte sie mit einem schiefen Grinsen und Julia seufzte. „Ich hab einen halben Herzinfarkt bekommen!" 

„Mädels, hört auf zu reden!", knurrte Faith von ihrem Bett. „Ich will schlafen und alle Probleme vergessen, also haltet bitte einfach die Fresse."

HUFFLEPUFF - Year 1Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt