Kapitel 19: Good old days

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"Ich bin total dehydriert", stöhnte die Staatsanwältin und rieb sich, über ihre leere Tasse Kaffee gebeugt, die Stirn.

Thérèse zuckte mit den Augenbrauen, was alles heißen konnte, und stellte ihre eigene Tasse aus feinem Porzellan vor sich ab. "Soll ich dir was vom Buffet mitbringen?"

Vic schüttelte den Kopf: "Ich geh gleich selbst schauen."
Als sich die Zeitreisende gerade erheben wollte, erwachte Vic aus ihrer Trägheit und gestikulierte der anderen doch sitzen zu bleiben. Sie hatte hinter ihr im Speiseraum etwas entdeckt.

"Da kommt Merkel gerade zur Tür rein! In Begleitung von Schavan! Die sollen sich zu uns setzen, wink mal!", zischte sie.

"Wink doch selber, kann man nicht mal in Ruhe frühstücken", grummelte die andere genervt und stand dann auf.
Vic beobachtete erleichtert wie sie trotzdem ihr freundliches Lächeln aufsetzte und sich in Richtung Kanzlerin a.D bewegte.
Angela und Annette steuerten daraufhin auf ihren Tisch zu, an dem Platz für vier Leute war.

"Guten Morgen Victoria, haben Sie gut geschlafen?"
"Ähhh", überfordert von Merkels nett gemeinter Frage verbannte Vic alle Bilder letzter Nacht von vor ihrem inneren Auge.
Schavan, die als Teil der Pokerrunde zumindest ahnte, dass die Nacht kurz und etwas verkatert enden musste, sprang in die Bresche: "Also ich brauche jetzt erst Mal viel Kaffee und was für den Blutzuckerspiegel, da hinten habe ich Schokocroissants erspäht, bis gleich!" Damit war sie schon wieder weg, bevor ihr Hintern den Stuhl berührt hatte.

Merkel zuppelte am Tragegurt ihrer Oma-Handtasche, die sie über die Rückenlehne ihres Stuhls gehängt hatte und sah nachdenklich aus.
Vic konnte nicht einschätzen, ob das ihr normaler Gesichtsausdruck war und fragte nach: "Frau Merkel, gibt es neue Entwicklungen? Konnten Sie etwas in Erfahrung bringen über die Helfer von Merz? Wir konnten gestern Abend leider nur die Erkenntnis gewinnen, dass Pofalla, Rösler, Schavan und Guttenberg wohl unverdächtig sind."

"Das habe ich doch gleich gesagt, ich kenne meine Leute." Sie machte eine Pause und schien innerlich mit sich zu Ringen, bevor sie seufzte: "Schnappen Sie sich mal bitte nen frisch gepressten Saft von da hinten und kommen mit vor die Tür, ich muss Ihnen was sagen."

Vic tat wie ihr geheißen und folgte der Ex Kanzlerin ins Hotel Foyer.
Merkel schaute sich nach allen Seiten um und winkte Vic ganz nah zu sich ran, damit sie über die Piano Musik, die von irgendwo her kam, flüstern konnten.

"Der Maulwurf, wie du ihn nennst, bin ich."

Vic zog überrascht die Augenbrauen hoch.
"Nicht wie Sie denken, natürlich wollte ich Merz nie zur Kanzlerschaft verhelfen. Es war Teil des Plans ihn zu entlarven und über seine eigene Selbstherrlichkeit stolpern zu lassen. Damit er fällt, bevor er ganz nach oben kommt."

Vic blieb immer noch stumm.

"...Er hat die Zeitmaschine nicht gestohlen, er denkt das nur. Ich habe sie ihm auf dem Silbertablett präsentiert."

Stirnrunzelnd fand Vic allmählich ihre Stimme wieder: "...Ihr Plan in allen Ehren, ich sehe nur nicht so ganz, wie der aufgehen soll?"

"Teil eins ist schon mal geschafft, Sie haben doch gesehen welche Aussagen immer wieder von ihm kommen, seine Beliebtheitswerte sind abgestürzt. Er baut Brandmauern auf, sie stürzen unter ihm ein..."

"...Und Teil 2 des Plans ist dann welcher? Das Volk ruft Neuwahlen aus? Als ich das letzte Mal in 1997 war, schienen mir alle ziemlich träge. Als wüssten sie garnicht, dass man auch jemand anderen wählen kann."

"Ja...das Volk mag manchmal Altbewährtes lieber, als Veränderungen...", zögerte Merkel.

Sie warfen sich gegenseitig mehrere Sekunden einen kritischen Blick zu.

Das SchattenkabinettWo Geschichten leben. Entdecke jetzt