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10. ~ All my fault

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Erschrocken wich ich zurück, kniff die Augen zusammen, um in der Dunkelheit überhaupt etwas erkennen zu können.

Ich spürte mein Herz in dem Käfig meiner Rippen rasen, war schon fast dabei mir das Küchenmesser unter meinem Wollpulli zu greifen und es der Gestalt vor mir an die Kehle zu halten.

Doch etwas hielt mich davon ab.

Etwas, das mir so vertraut vorkam, als wäre es das, was ich mein ganzes Leben lang Zuhause genannt hatte.

Ein leichter Duft von frisch gebackenem Brot und einem blumigen Parfum, das ich nur zu gut kannte.

"Mom?" Fragte ich leise und meine Stimme zitterte. Unbeholfen blinzelte ich ein paar Mal, legte den Kopf leicht schief und mir war, als würde die Zeit stehen bleiben, als würde in diesem Moment all der Druck und die Angst von mir abfallen, weggetragen werden von der kalten Morgenbrise, die einen wohligen Schauer über meine Arme laufen ließ.

Und dann erkannte ich die Person vor mir, als diese noch einen Schritt näher zu mir trat und somit den Bewegungsmelder vor unserer Haustür auslöste.

Ein schwaches, gelbliches Licht flackerte unruhig über unseren Köpfen auf, erhellte die hochgewachsene Frau mit den dunklen, schulterlangen Haaren und den, vor Liebe nur so strahlenden, ebenso dunklen, warmen Augen.

Doch in ihnen glitzerten Tränen. Aber es waren keine traurigen Tränen, denn sie lächelte.

Erleichterung durchströmte mich und im nächsten Augenblick fiel ich ihr um den Hals, war heilfroh, dass es ihr gut ging.

"Was ist passiert?" Fragte sie besorgt und fuhr mit dem Daumen über den Schnitt an meiner Kehle. Ich biss mir auf die Unterlippe. Weder wollte ich ihr erzählen, dass ich jemanden ins Haus gelassen hatte, der Menschenleben auf dem Gewissen hatte, noch, dass dieser Jemand mich mit einer Scherbe bedroht hatte.

Sie sollte sich nicht noch mehr den Kopf darüber zerbrechen, als sowieso schon. Auch wenn ich wusste, dass sie das trotzdem tun würde.

Ich selbst konnte an nichts anderes denken, obwohl es mir normalerweise nicht schwer fiel Dinge auszublenden, die ich nicht in meinem Kopf haben wollte.

Doch das hier war etwas vollkommen anderes.

Etwas ernstes.

Ich hob den Blick, sah ihr in die Augen. "Es ist nichts passiert." Sagte ich mit fester Stimme, während ich in Gedanken schrie.

Noch nicht.

Es war nichts passiert, doch das würde es, wenn wir nicht jetzt sofort von hier verschwanden.

"Aber..." Begann meine Mutter, doch wurde unterbrochen von einem ohrenbetäubenden, rumpelnden Geräusch aus dem oberen Stockwerk.

Erschrocken zuckte ihr Kopf in die Richtung.

Doch innerlich hatte ich schon komplett abgeschaltet, nahm die Angst gar nicht mehr wahr, nicht die Kälte, nicht das Pochen meines Herzens.

Meine Hände waren taub, als ich sie um das zitternde Handgelenk der Frau schlang, die immer noch, wie eingefroren auf das dunkle Haus starrte. Ohne ein einziges Wort über die Lippen zu bringen, zog ich sie einfach hinter mir her, ließ den Blick über die verlassene Straße gleiten.

Sie ließ sich ohne Wiederstand von mir durch die Dunkelheit führen.
Ich hielt Ausschau nach dem hellblonden Haarschopf von Sarah, sah ihn einige Meter entfernt in der Nacht leuchten und ging zielstrebig auf sie zu.

Sie und mein Bruder standen neben dem dunkelgrauen Sportwagen, der meinem Vater gehörte.

Besorgt blickten sie uns entgegen und ich beschleunigte meine Schritte, da ich immer noch das Rumpeln aus unserem Haus hören konnte.

Home Sweet HellGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt