Ich erstarrte in der Bewegung, sah die kreidebleichen Gesichter meiner Beiden Eltern.
Mein Blick wanderte zurück zum Fernseher, auf dem jetzt ein Bild von einem jungen Mann zu sehen war. Ich schluckte.
Auch wenn er sich verändert hatte, erkannte ich ganz genau meinen ehemaligen besten Freund auf dem flimmernden Bildschirm.
Seine Züge waren härter geworden, der Glanz war aus seinen eisblauen Augen verschwunden und die Dunkelheit hatte die Wärme ausgelöscht, verschluckt vom Wahnsinn, der deutlich in seinem Gesicht zusehen war.
Er war nicht mehr der, der er einmal war.
Aufgelöst ließ ich mich auf dem Boden vor der Couch nieder, beobachtete die Mienen der beiden Erwachsenen auf dem Sofa.
Sie sahen mich nicht an, doch ich erkannte die Reue in ihren Augen. Reue mir nicht geglaubt zu haben.
"Glaubt ihr mir jetzt?" Fragte ich trocken, starrte ins Leere.
Einen kurzen Moment war es still.
"Aber, wie konnte er das überleben?" Hörte ich die zitternde Stimme meiner Mutter. Das war wohl ein ja.
Ich wusste genau, worauf sie anspielte. Damals hatte man Luc als unkontrollierbar und gefährlich eingestuft. Man konnte sich nicht gleichzeitig in Sicherheit wissen und ihn am Leben lassen.
Also hatten sie ihn zum Tode verurteilt. Giftinjektion, elektrischer Stuhl oder so was in der Art. Ich wollte nichts genaues wissen, schließlich hatte ich ihn, wie einen Bruder geliebt.
In den Nachrichten wurde schon einige Tage später verkündet, dass Lucifer Davis tot sei und niemand mehr Angst vor ihm haben müsste. Er wäre von uns gegangen, für immer und brannte nun in der Hölle.
Eine Lüge!
Weder wusste ich, noch verstand ich es, dass jemand seinen Tod nur vorgetäuscht haben sollte.
Aber wie sollte es anders sein? Man hätte doch gemerkt, wenn er überlebt hätte oder nicht?
Gedanken schwirrten in einem kreisenden Orkan in meinem Kopf herum, ließen mich ganz schwindelig fühlen.
Es war, als würde ich etwas übersehen und die Dunkelheit versteckte das fehlende Puzzleteil vor mir, sodass ich es nicht fand und langsam durchdrehte, bei dem Versuch zu verstehen, was hier vor sich ging.
"Er kann es nicht überlebt haben." Flüsterte ich und wusste doch, dass meine Worte nicht stimmten. Es waren eben nur Worte, genau wie die des Nachrichtensprechers vor zwei Jahren.
"Was sollen wir denn jetzt tun?" Jammerte meine Mutter und ließ ihren Blick zwischen mir und meinem Vater hin und her schweifen, als wüssten wir eine Antwort darauf.
Doch das taten wir nicht, niemand konnte uns sagen, was wir tun sollten, wie man in so einer Situation richtig handelte.
Dann, ohne ein Wort zu sagen, aber mit grimmig entschlossener Miene stand mein Vater auf, stapfte zur Haustür. Ich hörte, wie sich der Schlüssel im Schloss umdrehte.
Er schloss alle Fenster, die Terassentür, verwandelte das Haus in eine Festung und ich saß nur daneben und sah zu.
Ich war unentschlossen, was ich tun sollte. Ich meine, es war keine schlechte Idee, die Türen zu verschließen, wenn draußen ein phsychopatischer Killer rumlief.
Aber andererseits kannte ich ihn doch, wie könnte er uns jemals etwas antun? Es konnte doch nicht sein, dass sich eine Person zum völligen Gegenteil verändern konnte.
Ich wollte es einfach nicht glauben.
Und doch tat ich nichts, sah einfach zu, wie wir uns einschlossen, abschnitten von allen anderen.
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Home Sweet Hell
Tajemnica / ThrillerDas alles hat erst vor zwei Jahren begonnen. All die grausamen Dinge, die man nicht wahrhaben will und das Trauma, das man versucht zu verstecken. Was, wenn es einen irgendwann wieder einholt? Wenn es nur darauf gewartet hat, dass du schwach wirst...
