Kapitel 2

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"Paige also. Hast du auch einen Familiennamen?"
Stumm schüttelte Summer den Kopf. Es fühlte sich falsch an, den Namen aus der Buchwidmung zu benutzen, doch gleichzeitig war er ihr auch seltsam vertraut. Der Soldat schien diese Lüge nicht zu durchschauen, er sah sie vielmehr verwundert an, bevor er schließlich entschlossen nickte.
"Nun gut, komm mit."
Er drehte sich um und fing an, in die andere Richtung zu laufen, weg vom Marktplatz. Kurz dachte sie darüber nach, die Chance zu nutzen und wegzurennen, doch als er sich ungeduldig zu ihr zurückdrehte und sie auffordernd ansah, beschloss sie kurzerhand ihm zu vertrauen. Natürlich könnte diese Entscheidung sich als falsch herausstellen, doch was hatte sie schon zu verlieren?

Stumm liefen sie nebeneinander her und keine zehn Minuten später, blieb er auf einmal stehen und kramte aus seiner Hosentasche einen kleinen Schlüsselbund hervor. Den richtigen Schlüssel gefunden, schloss er die unscheinbare Tür auf, vor der sie stehen geblieben waren und hielt ihr diese auf.
"Nach dir." Zögernd trat Summer ein und scannte schnell ihre Umgebung ab. Sie stand in einem kleinen Raum, der wohl Küche und Wohnzimmer vereinte; außer der Küchenzeile, einem kleinen runden Tisch mit zwei Stühlen und einem kleinen dunkelroten Sofa gab es nicht viel. Der ganze Raum war recht dunkel, doch sah dennoch gemütlich aus. Für die Wohnung eines Mannes war sie außerdem außergewöhnlich sauber und ordentlich. Ob dies wohl der Militärausbildung verschuldet war? Oder vielleicht war es auch einfach nur eine weitere Fähigkeit, die die männlichen Exemplare ihrer Spezies mit der Zeit verlernt hatten. Verlernen würden.

"Willkommen in meiner Wohnung." Verwirrt drehte sie sich zu ihrem Begleiter und sah ihn fragend an. Wieso hatte er sie her gebracht?
"Du hast gesagt du bist allein. Hast du deswegen auch geklaut? Weil du dir kein Essen leisten kannst?"
Ertappt nickte Summer. Würde ihm dies als Grund reichen? Oder würde sie sich doch noch gezwungen sehen, die Wahrheit zu sagen.
"Ich war auch einmal in deiner Situation. Mir wurde damals geholfen und ich habe geschworen, diesen Gefallen einmal weiterzugeben. Lass mich nun also dir helfen."
Und so ging er ohne ein weiteres Wort die wenigen Schritte bis zur Küche und fing an, in den Schränken herumzuwühlen. "Setz dich gerne." Ohne weiter zu zögern ließ Summer sich auf einem der Stühle nieder und blickte erneut durch die kleine Wohnung. Ihr fiel ein Bücherregal auf, dass neben dem kleinen Sofa stand und bis zum Rand gefüllt war. Auf einem kleinen Beistelltisch stand ein eingerahmtes, vergilbtes Foto, das ein junges Pärchen zeigte, das fröhlich und dennoch zurückhaltend in die Kamera lächelte.

"Meine Eltern. Ich habe sie früh verloren, das Bild ist das einzige, was mir von ihnen geblieben ist."
Mitfühlend sah sie zu ihm zurück. Auch er blickte zu dem Foto hinüber, ein trauriger Schleier in seinen Augen zu erkennen. "Das tut mir leid."
Er antwortete nicht, sondern widmete sich wieder dem Essen und drehte ihr damit seinen Rücken zu. Einen sehr breiten und kräftigen Rücken, wie sie feststellen musste. Als Soldat wohl aber eher nicht überraschend.
"Hier. Ich bin zwar kein großer Meister der Küche, doch gegen den Hunger hilft es." Dankbar lächelte Summer ihn an, als er ihr einen Teller mit Bohnen und Brot hinstellte, sowie einen Becher Wasser. "Dankeschön."
Für kurze Zeit herrschte Stille, die Summer dafür nutzte, ihren Hunger zu stillen. Viel zu lange war es her, dass sie etwas warmes zu sich genommen hatte.

Ihr Retter setzte sich gegenüber von ihr, was sie dazu veranlasste, langsamer zu essen und öfters zu ihm zu sehen. Zu viel war die Aufmerksamkeit auf einmal für sie.
"Nun, Miss Paige. Ich fürchte ich kann nicht viel mehr tun, als ein Lager für die Nacht anzubieten. Ich habe Pflichten, denen ich nachkommen muss und werde selbst nicht mehr lange hier verweilen."
Überrascht sah sie ihn an. Er wollte ihr weiterhin helfen? Er würde sie nicht nach dem Essen rauswerfen? "Ich... ich weiß nicht, was ich sagen soll. Danke, schätze ich. Das..." Sie zögerte und für einen kurzen Moment hatte sie tatsächlich mit den Tränen zu kämpfen. "Das ist seit langer Zeit das Netteste, was jemand für mich getan hat. Ich... ich habe ebenfalls meine Eltern sehr früh verloren und seitdem..." Mit dem Ärmel wischte sie sich eine einzelne Träne weg und schob dann den nun leeren Teller ein Stück von sich.
"Ich hatte es nicht immer leicht und solche Gesten aus reiner Gutwilligkeit... es ist lange her, dass ich so sehr an das Gute in Menschen glauben wollte."

Timeless Love - Liebe kennt keine ZeitGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt