Kapitel 5

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Sie hatte gar nicht bemerkt, ab welchem Punkt sie vollends in die Rolle der Paige Morecote geschlüpft war, doch es gefiel ihr. Als Summer Davis war sie immer die schüchterne, zurückhaltende graue Maus gewesen, wurde von kaum jemandem beachtet. Doch mit dem neuen Namen, schien sie auch neues Selbstbewusstsein dazugewonnen zu haben.
Dennoch machte sich in dieser Situation die Panik in ihr breit. Nur weil sie sich mit dem neuen Namen wohlfühlte, hieß das nicht, dass sie vollkommen sicher war.

"Paige Morecote also?" Stumm nickte sie, während der Soldat sie erneut musterte. "Laut dem Lieutenant eine entfernte Cousine von unserem geliebten Abraham. Komisch, ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass er Verwandtschaft hier in der Nähe hat." Skeptisch sah er sie an, doch dann wanderte sein Blick an ihr vorbei und ein schelmisches Grinsen legte sich auf seine Lippen. "Das ist doch nicht etwa eine Lüge? Oder hast du uns etwas mitzuteilen, Abe?"
Erst jetzt fiel Paige auf, dass die Schritte hinter ihr nicht mehr zu hören waren; stattdessen spürte sie die Präsenz einer Person hinter sich.

"Genug von deinen Albernheiten, Wyatt. Händige ihr einfach ihren Ausweis aus, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Es gibt Leute, die kommen her, um zu arbeiten und nicht, um anderen auf die Nerven zu gehen." Erleichtert drehte Paige sich zu ihrer Rechten. Es waren Abes Schritte gewesen, er war wie versprochen wieder zu ihr gestoßen.
Wyatt hingegen zeigte keine Erleichterung. Ertappt hob er die Hände in einer abwehrenden Position vor seinem Körper in die Luft; "Ist ja schon gut, war doch nur Spaß! Ich bitte vielmals um Verzeihung, Mylady!" sein Grinsen war verschwunden, doch das Funkeln in seinen Augen verriet ihn; er hatte den Spaß seines Lebens und keinesfalls ein schlechtes Gewissen. Dennoch versuchte sie ihm mit einem kleinen Lächeln zeigen, dass sie seinen Kommentar als Spaß erkannt hatte und ihm nicht böse war.

Vor Abe schien der junge Soldat jedoch mehr Respekt zu haben, denn er folgte seiner Anweisung und zauberte einen Umschlag aus seiner Jacke hervor, aus dem er wiederum einen kleinen Ausweis, der an einem langen Band hing, herausholte. "Hier, Miss Morecote. Tragen Sie diesen immer bei sich, solange Sie sich in diesem Gebäude aufhalten. Abe kann Sie zum Lieutenant begleiten, ich werde Sie später sicherlich noch einmal sehen." Dankend nahm Paige das kleine Kärtchen entgegen und mit einem letzten Zwinkern in ihre Richtung war Wyatt verschwunden.
"Ich muss mich für ihn entschuldigen, er ist bei weitem der größte Kindskopf hier. Du brauchst dir also keine Sorgen machen, die anderen wissen, wie man sich manierlich einer Lady gegenüber benimmt. Ich muss jedoch hinzufügen, dass Wyatt dennoch keinem der anderen hintenansteht, was den Mut und die Aufopferungsbereitschaft für unsere Berufung angeht." Das Lächeln auf Abes Lippen war ein entschuldigendes, doch Paige konnte noch mehr darin erkennen. Eine leichte Belustigung und wahre Zuneigung dem Jüngeren gegenüber; er schien ihm ebenfalls nicht weiter böse zu sein.

"Wyatt ist der Jüngste in unserer Truppe, was man ihm leider immer wieder anmerkt." Sie hatten sich in Bewegung gesetzt und gingen den recht dunklen Flur entlang, bis zur letzten Tür auf der in großen schwarzen Buchstaben 'Lieutenant Nicolas Gregson' geschrieben stand. "Ich habe arrangiert, dass du die Mittagspause gemeinsam mit mir verbringst, dann stelle ich dir die anderen vor. Wir stehen uns alle sehr nahe, sind wie eine Familie. Ich denke du wirst sie mögen und gut in die Gruppe passen."

Sie waren stehen geblieben und Paige wurde ganz warm ums Herz. Er hatte an so viel gedacht; kümmerte sich um sie, sorgte dafür, dass sie nicht allein sein würde. Er war der erste, der sich so sehr um ihr Wohlergehen bemühte und dabei kannten sie sich noch nicht einmal so lange. "Danke, für alles." Mit einem schüchternen Lächeln blickte sie das Stückchen zu ihm hoch, in ihren Augen brannten die sich anbahnenden Tränen, so sehr rührten sie seine Bemühungen.
Er lächelte sie nur ebenfalls an, als fehlten ihm selbst die richtigen Worte; ein kleines Nicken war die einzige Antwort, bevor er sich nach einem kurzen Räuspern wieder zu Wort meldete. "Das ist das Büro, klopf einfach an und warte, bis der Lieutenant dich reinbittet. Keine Angst, er wirkt zwar streng, aber ist sehr nett. Du wirst dich bestimmt schnell einleben." Und mit diesen Worten drehte Abe sich um und ließ sie vor der bedrohlich wirkenden Tür alleine stehen.

Timeless Love - Liebe kennt keine ZeitGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt