Kapitel 29

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POV HONGJOONG

Der Regen hatte aufgehört, aber die Straßen glänzten noch, reflektierten die Lichter der Stadt wie ein Spiegelbild einer anderen Welt. Wir waren fast bei den Autos, die anderen schon vorausgegangen, als ich Seonghwas Hand fester drückte.

„Warte," sagte ich leise. Er drehte sich zu mir, Verwirrung in seinen Augen. „Was ist?"

Ich zog ihn zurück, weg von den anderen, zurück unter die Straßenlaterne, wo der Regen noch von den Blättern der Bäume tropfte. Die Nacht war still jetzt, nur das leise Ploppen der Wassertropfen und das entfernte Murmeln der Stadt.

„Hongjoong?" Seine Stimme war weich, fragend. Ich sah ihn an, wirklich an. Sein Haar klebte an seiner Stirn, einzelne Tropfen rannen über seine Wangen. Sein schwarzes Hemd war durchnässt, klebte an seinem Körper, und im schwachen Licht der Laterne sah er aus wie ein Kunstwerk. Wie etwas Kostbares, Zerbrechliches, das ich beschützen musste.

„Ich wollte mich entschuldigen," begann ich. „Wofür?" Er runzelte die Stirn.

„Für vorhin. Für den Kuss vor deinen alten Freunden. Das war... besitzergreifend. Und wahrscheinlich nicht fair dir gegenüber."

Seonghwa blinzelte, dann lächelte er sanft. „Hongjoong, es ist okay. Ich verstehe, warum du es getan hast."

„Trotzdem." Ich rieb mir den Nacken. „Ich hätte anders reagieren können. Aber als ich dich da gesehen habe, mit seinem Arm um dich... ich konnte nicht anders. Ich musste jedem zeigen, dass du mir gehörst."

„Ich gehöre dir," sagte er leise, trat näher. „Das weißt du, oder?"

„Ich weiß." Meine Hände fanden seinen Weg zu seiner Taille. „Aber manchmal... manchmal habe ich Angst. Angst, dass du eines Tages aufwachst und realisierst, dass du jemand Besseren verdienst."

„Hongjoong..." Seine Augen wurden weich, füllten sich mit so viel Emotion, dass es fast wehtat, ihn anzusehen. „Es gibt niemand Besseren. Es gibt nur dich."

Mein Atem stockte. „Hwa—"

„Nein, lass mich das sagen." Er legte seine Hände auf meine Brust, seine Finger spreizten sich über meinem Herzen. „Ja, Namjoon und die anderen waren ein wichtiger Teil meiner Vergangenheit. Sie waren da, als ich sie gebraucht habe. Aber du... du bist meine Gegenwart. Meine Zukunft. Du bist alles, was ich will."

Die Worte trafen mich wie ein Schlag, und ich konnte nichts tun, außer ihn anzustarren, mein Herz hämmerte in meiner Brust. „Ich liebe dich," flüsterte er. „Mehr als ich jemals gedacht habe, jemanden lieben zu können. Und nichts und niemand wird das jemals ändern."

Ich konnte nicht mehr warten. Ich zog ihn zu mir, meine Lippen fanden seine in einem verzweifelten, hungrigen Kuss. Meine Hände waren in seinen nassen Haaren, auf seinem Rücken, überall, als könnte ich ihn nie nah genug an mich heranziehen.

Er erwiderte den Kuss mit gleicher Intensität, seine Finger krallten sich in mein Shirt, und ich hörte das leise Stöhnen, das seiner Kehle entkam. Es machte mich wahnsinnig. Als wir uns schließlich lösten, beide keuchend, unsere Stirnen gegeneinander gelehnt, begann es wieder zu regnen. Leicht zuerst, dann stärker, bis wir beide durchnässt waren. Aber es war mir egal.

„Tanz mit mir," sagte ich plötzlich.

Seonghwa lachte, überrascht. „Was? Hier? Jetzt?"

„Ja." Ich zog ihn näher, legte eine Hand auf seine Taille, die andere nahm seine Hand. „Tanz mit mir."

Er schüttelte den Kopf, aber er lächelte, dieses strahlende, schöne Lächeln, das mir jedes Mal den Atem raubte. „Du bist verrückt."

„Verrückt nach dir," konterte ich. Und dann tanzten wir. Langsam, ohne Musik, nur zum Rhythmus des Regens und unserer eigenen Herzschläge. Es war ungeschickt, albern sogar, aber es war perfekt. Wir drehten uns unter der Straßenlaterne, das Wasser tropfte von den Bäumen auf uns, und die Welt um uns herum existierte nicht mehr.

„Hongjoong," flüsterte Seonghwa gegen meine Schulter. „Danke."

„Wofür?"

„Dafür, dass du mich gefunden hast. Dass du mich gerettet hast." Ich hielt ihn fester. „Du hast mich genauso gerettet, Hwa. Wenn nicht sogar mehr." Wir hörten auf zu tanzen, standen nur da im Regen, hielten uns gegenseitig fest. Ich küsste seine Stirn, seine Schläfen, seine Wangen, seine Lippen – überall, wo ich hinkam.

„Ich werde dich nie gehen lassen," murmelte ich gegen seine Haut. „Gut," antwortete er. „Denn ich will nirgendwo anders sein."

Irgendwann, ich weiß nicht wie lange wir da standen, hörten wir Sans Stimme aus der Ferne: „Joong! Hwa! Kommt schon, ihr werdet euch erkälten!"

Wir lösten uns widerwillig, aber ich hielt seine Hand fest, als wir zurück zu den Autos gingen. Die anderen warteten bereits, alle mit unterschiedlichen Graden von Genervtheit und Belustigung auf ihren Gesichtern.

„Ihr zwei seid unmöglich," sagte Wooyoung, aber er grinste dabei. „Lasst sie," meinte Yunho, der immer noch Mingis Hand hielt. „Sie sind verliebt."

„Wir sind alle verliebt," warf Yeosang ein, lehnte sich gegen Jongho. „Das ist der Punkt." San lachte. „Stimmt. Aber können wir jetzt bitte gehen? Ich friere mir den Arsch ab."

Wir stiegen alle in die Autos, und während ich den Motor startete, sah ich zu Seonghwa hinüber. Er war durchnässt, sein Haar klebte an seinem Gesicht, und er zitterte leicht von der Kälte. Aber er lächelte, und das war alles, was zählte. „Bereit nach Hause zu fahren?" fragte ich. „Mit dir? Immer," antwortete er. Und wir fuhren in die Nacht hinein, zusammen.

Thank U//seongjoongGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt