Mein Vater war endlich wieder zu Hause.
Nach Wochen zwischen Krankenhausfluren, weißen Wänden und piependen Geräten fühlte sich das Haus wieder... lebendig an.
Er saß im Wohnzimmer, eingehüllt in seine alte graue Decke, die er nie wegwerfen wollte.
Neben ihm dampfte eine Tasse Tee, und das schwache Licht der Nachmittagssonne fiel durchs Fenster.
Ich stellte den Teller mit Suppe vor ihm ab.
„Iss wenigstens ein bisschen, Papa."
Er lächelte müde. „Du kümmerst dich zu sehr, Bella."
Ich verschränkte die Arme. „Ich kümmere mich genau richtig."
Er lachte leise, dieses schwache, warme Lachen, das mich immer gleichzeitig traurig und glücklich machte.
„Du bist wie deine Mutter," sagte er dann, während er die Suppe umrührte.
„Stur, aber mit einem Herz aus Gold."
Ich lächelte flüchtig, aber innerlich zog sich etwas in mir zusammen.
Seit Tagen hatte ich versucht, stark zu bleiben – für ihn, für mich.
Aber immer, wenn ich allein war, kam wieder dieses Bild in meinen Kopf: Theodore in meiner Wohnung, seine gebrochene Stimme.
Ich hatte es weggeschoben. Versucht, zu vergessen. Aber es ließ mich nicht los.
„Ich geh dann später noch arbeiten," sagte ich, um das Thema zu wechseln.
—„Die brauchen mich wieder im Restaurant."
Mein Vater nickte langsam. „Schön, dass du wieder was machst. Vielleicht hilft es dir, den Kopf frei zu kriegen."
Er sah mich mit einem prüfenden Blick an. —„Ich weiß, dass es in letzter Zeit viel war... für dich."
Sein Blick glitt kurz zur Seite. „Und dass du wegen mir vieles aufgeben musstest."
Ich schwieg.
Ich wusste, was er meinte – Arbeit, Ruhe, vielleicht sogar ein Stück von mir selbst.
„Mach dir keine Sorgen, Papa," flüsterte ich. —„Das Wichtigste ist, dass du wieder gesund wirst."
Er nickte, aber in seinen Augen lag ein Schatten.
Ich wusste, dass er sich Vorwürfe machte.
Ich wusste auch, dass er wahrscheinlich ahnte, dass es noch mehr gab – etwas, das ich ihm nicht erzählte.
Denn jedes Mal, wenn ich mich abends hinlegte, war er da.
In meinem Kopf.
Seine Stimme, seine letzten Worte.
Ich hasste, dass ich daran dachte.
Ich hasste, dass mir sein Fehlen so weh tat.
[...]
Ein paar Stunden später war ich wieder auf der Arbeit.
Der Geruch von gebratenem Fleisch und frischen Kräutern lag in der Luft.
Ich band mir die Schürze um, zog mir die Haare zurück und zwang mich zu einem Lächeln.
„Na endlich bist du wieder da," rief Mia, meine Kollegin, als sie Tabletts sortierte.
„Ich hatte schon Angst, du kommst nie wieder."
Ich lachte schwach. „Ich konnte ja nicht ewig fehlen. Außerdem hätte der Laden ohne mich bestimmt pleite gemacht."
Sie grinste. „Na, jetzt wo du wieder da bist, läuft's bestimmt doppelt so gut."
Ich rollte mit den Augen, schnappte mir ein Notizbuch und ging Richtung Theke.
Es war nicht viel los, nur ein paar Gäste.
Ein älteres Paar am Fenster, zwei Freunde hinten am Tisch, und ein Mann, der allein am Rand saß – mit einem Buch in der Hand.
Ich zwang mich, nicht zu genau hinzusehen.
Der Gedanke daran, dass Theodore irgendwann wieder hier auftauchen könnte, machte mich nervös.
Und traurig.
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𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬
Fantasy•𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬• 𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬 Fantasy ___________________________________________ Ein 17 jähriges Mädchen was vertieft in ihren Büchern und Fantasien ist, wird ihrer Welt aufeinmal nicht mehr klar. Ihre Welt war nicht das beste was...
