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Der Abend war wie jeder andere.
Volles Haus, Stimmengewirr, das Klirren von Besteck. Der Duft von frischem Basilikum und Tomatensoße hing in der Luft.
Ich liebte meinen Job hier – oder besser gesagt, ich redete mir ein, dass ich ihn liebte.

„Isabella, Tisch neun braucht noch Besteck!", rief meine Kollegin durch die Küche.

„Kommt sofort!", antwortete ich und griff nach einem Korb Servietten.
Ich hatte kaum geschlafen, aber Arbeit half. Arbeit ließ mich vergessen.

Bis ich zur Tür sah.
Und alles wieder da war.

Theodore.

Er stand im Eingang, in einem schlichten weißen Hemd, Ärmel leicht hochgekrempelt, die Haare etwas zerzaust.
Er wirkte... ruhiger. Weicher. Fast fehl am Platz zwischen all dem Lärm.

Ich blieb stehen, mit dem Besteck in der Hand, unfähig, mich zu bewegen.
Er sah mich – und lächelte vorsichtig. Dieses Lächeln, das mich schon damals schwach gemacht hatte.

Langsam kam er näher, bis er an einem freien Tisch Platz nahm.
Ich spürte, wie mir das Herz bis in den Hals schlug.

Mila stupste mich an. „Bella? Tisch neun, los."

Ich nickte mechanisch, atmete tief durch und trat an den Tisch.
„Was machst du hier?" fragte ich, leiser als beabsichtigt.

„Essen," antwortete er mit einem kleinen Grinsen. —„Oder versuchst du, mich auch hier rauszuschmeißen?"

Ich rollte die Augen, obwohl ich innerlich lächeln musste. „Ich arbeite. Also? Was darf's sein?"

Er sah kurz auf die Karte, dann wieder zu mir. „Was du empfehlen würdest."

Natürlich. Wie früher. Immer, wenn ich wütend sein wollte, war er charmant.
Ich schrieb etwas auf und drehte mich um. Doch als ich ging, sagte er leise:

„Ich wusste, dass du hier arbeitest," antwortete er leise. „Dein Vater hat's erwähnt. Ich dachte, ich komm vorbei... vielleicht krieg ich ja was von deiner berühmten Pasta."

Ich verdrehte die Augen, musste aber kurz grinsen. „Du übertreibst. Außerdem koch ich die gar nicht, ich servier sie nur."

„Dann servier sie mir," sagte er und lehnte sich zurück. „Das reicht mir."

Ich blieb kurz stehen, spürte den Stich im Bauch. „Aha.—Und das fandest du okay? Einfach vorbeizukommen mein ich. "

„Ich wollte nur sehen, wie's dir geht," sagte er ruhig. „Mehr nicht."

Ich antwortete nicht.
Vielleicht, weil ich Angst hatte, dass ich ihm glauben wollte.

Während des Abends beobachtete ich, wie er still aß, freundlich zu allen war, sogar Mila zum Lachen brachte.
Er wirkte... anders.
Nicht mehr wie der Mann, der mich damals in seine gefährliche Welt gezogen hatte.

Als er später bezahlte, legte er das Geld hin, wie jeder andere Gast.
Kein Kommentar, kein Flirt, kein Versuch, länger zu bleiben. Nur ein leises:
„Das Essen war gut. Du auch."

Ich starrte ihm nach, als er ging. Und trotzdem blieb dieses Gefühl, dass das hier nicht einfach Zufall war.














[...]

















Ich wischte gerade die letzten Tische ab, als das Restaurant langsam leer wurde.
Der Geruch von Gewürzen und gebratenem Knoblauch hing noch in der Luft, und ich sehnte mich nur noch nach Feierabend.
Theodore war längst gegangen – zum Glück.
Oder vielleicht... leider.

𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt