Der Rest des Tages verging in einer warmen, ruhigen Schwebe.
Nachdem Theodore mir im Garten erklärt hatte, dass er das Restaurant an mich übergeben wollte, war ich sprachlos geblieben nicht weil, ich es für unmöglich hielt, sondern weil es sich zum ersten Mal nach etwas anfühlte, das nur für mich war.
Nicht als Wiedergutmachung.
Nicht als Pflichtgefühl.
Sondern aus Liebe.
Und das machte mir Angst.
Eine sanfte, warme Angst, die brannte und heilte zugleich.
Ich hatte keine Worte gefunden. Er hatte keine gefordert.
Gegen Abend trafen wir uns in der Diele.
Er zog sich eine Jacke über, ich band meine Haare zusammen.
Zwischen uns lag diese vertraute Stille, die sich nicht mehr wie Spannung anfühlte, sondern wie zwei Menschen, die lernen, einander Raum zu geben, ohne sich voneinander zu entfernen.
„Bereit?" fragte er.
Ich nickte.
„Immer doch."
Ein zartes Lächeln erschien auf seinem Gesicht, und er öffnete mir die Tür, ohne etwas zu sagen.
Dieser kleine, warme Respekt in jeder Bewegung von ihm... ich hätte nie gedacht, dass ich ihn an ihm sehe. Und noch weniger, dass ich ihn lieben würde.
Der Weg zur Bank war nicht lang, aber er fühlte sich wie ein kleines Ritual an.
Die Sonne hing tief, färbte die Straße golden.
Die Luft roch nach warmem Sommer und einem Hauch von Abendwind.
Wir liefen Seite an Seite, unsere Hände streiften sich immer wieder zuerst vorsichtig, dann bewusster, dann sicherer.
Ich schob meine Finger langsam zwischen seine.
Er sah überrascht, aber unglaublich weich zu mir rüber.
„Du machst es mir zu leicht, Amore", murmelte er mit einem kleinen Lächeln.
„Du hast es dir verdient", antwortete ich.
„Nicht immer", sagte er leise.
—„Aber ich arbeite daran."
Und wie er daran gearbeitet hatte.
Nie hätte ich gedacht, dass er sich so sehr verändern könnte, nicht, weil jemand es von ihm verlangte, sondern weil er es selbst wollte.
Für sich.
Und ja, für mich.
Als wir die Bank erreichten, blieb ich abrupt stehen.
Ich wusste, es würde wehtun aber ich wusste nicht, dass es so tief sein würde.
Der Ort sah noch genauso aus wie immer:
Der alte, leicht abgeblätterte Holzsitz, der Baum daneben, die kleine Lampe, die später den Weg beleuchten würde.
Aber ich war nicht mehr dieselbe.
Und er auch nicht.
„Alles okay?" fragte Alessio leise.
Ich nickte, obwohl es nicht stimmte.
„Ich erinnere mich an alles", flüsterte ich.
„An alles Gute... und alles Schlechte."
„Ich auch."
Er trat ein wenig näher an mich.
Nicht, um mich zu bedrängen, sondern um mir zu zeigen: Du bist nicht allein.
Ich ließ mich auf die Bank sinken und atmete tief durch.
Er setzte sich neben mich, langsam, als würde er mir die Möglichkeit lassen, ihn wegzuschieben.
Aber ich tat das Gegenteil.
Ich legte meinen Kopf an seine Schulter.
Es war eine kleine Geste aber für mich fühlte sie sich wie ein Ja an.
Er streifte mit seiner Hand meine, legte dann den Arm um mich.
Zögerlich, aber sicher.
„Ich habe dich so oft hier gesucht", begann er nach einer Weile.
„Auch wenn du nie gekommen bist."
„Warum?" fragte ich.
Er sah auf die leere Straße vor uns.
„Weil das hier der einzige Ort war, an dem ich noch das Gefühl hatte, dass ich... dich fühlen kann. Auch wenn du nicht da warst."
Sein Geständnis zog warm durch meine Brust, ein wenig schmerzhaft, aber wunderschön.
„Ich dachte, du würdest mich vergessen", flüsterte ich.
Er drehte sich zu mir.
„Vergessen?"
Er lachte leise, traurig.
„Isabella, ich habe dich nie auch nur eine Sekunde vergessen. Du warst der Grund, warum ich überhaupt versuchen wollte, ein besserer Mensch zu werden."
Ich hob meinen Blick.
Seine Augen flackerten nicht.
Keine Unsicherheit.
Keine Lügen.
Nur Wahrheit.
Ich schluckte.
Sein Daumen strich beruhigend über meine Schulter.
„Du hast dich verändert", sagte ich.
„Mehr, als ich jemals erwartet hätte."
Er lächelte schwach.
„Für dich hat sich alles gelohnt."
Meine Brust zog sich zusammen.
Wieder auf die gute Art.
„Und was willst du jetzt?", fragte ich.
Nicht als Herausforderung.
Sondern ehrlich.
Er sah mir direkt in die Augen.
Kein Zittern.
Nur Wahrheit.
„Ich will ein Leben", sagte er.
„Mit dir. Nicht als Schuld, nicht als Verpflichtung. Sondern weil du meine Zukunft bist, Isabella."
„Ich habe Fehler gemacht", sagte er.
„Große. Manche davon werde ich mein Leben lang bereuen. Aber ich will meine Zukunft nicht ohne dich."
Ich spürte, wie mein Herz schneller wurde.
Er nahm vorsichtig meine Hand und drehte sie um, strich mit den Fingern über meine Handfläche, als würde er sie auswendig lernen wollen.
„Ich will keinen Neuanfang, der so tut, als wäre nichts passiert", fuhr er fort.
„Ich will einen Neuanfang, der daraus entsteht, weil etwas passiert ist. Wir haben uns verletzt. Wir haben uns gesucht. Und wir haben uns gefunden. Das ist echt. So echt wie wir."
Ich schluckte.
„Und wenn ich Angst habe?"
„Dann bleibe ich", sagte er sofort.
„„Dann nehme ich sie dir. Jeden Tag, wenn ich muss. Ich gehe deinen Schritt. So langsam oder schnell, wie du es brauchst."
Er hatte noch nie so gesprochen.
Nicht in dieser Ruhe, dieser Ehrlichkeit, dieser völligen Bereitschaft.
Und ich? Ich fühlte mich nicht mehr klein.
Ich fühlte mich nicht mehr irgendwie „unter" ihm.
Ich fühlte mich gesehen.
Ich hob meine Hand und legte sie sanft auf seine Wange.
Seine Augen wurden weich.
Wirklich weich.
„Ich glaube... ich will es versuchen", flüsterte ich.
„Mit dir. Ohne Lügen. Ohne Spiele. Ohne Schatten."
Sein Atem stockte.
Nur einen Moment.
Dann lächelte er nicht weit, sondern tief.
Ein Lächeln, das ich nur einmal zuvor gesehen hatte: heute Morgen, als ich ihm gesagt hatte, dass ich ihn ansah und „schon etwas Schönes" gesehen hatte.
Er lehnte seine Stirn gegen meine.
„Dann lass uns versuchen, was wir hätten sein können", murmelte er.
„Und was wir jetzt sein können."
Ich schloss meine Augen, ließ diese Worte in mich sinken.
Und dann küsste er mich.
Nicht hastig.
Nicht unstet.
Nicht aus Verzweiflung.
Sondern voller Vertrauen.
Voller Liebe.
Voller Zukunft.
Meine Hände fanden seinen Nacken, seine meinen Rücken.
Wir zogen uns näher, nicht weil wir es mussten, sondern weil es sich wie der einzige richtige Ort anfühlte.
Als wir uns lösten, blieb seine Stirn an meiner.
Wir lächelten beide erschöpft, glücklich, überwältigt.
„Wir schaffen das", sagte er.
„Ja", antwortete ich.
„Zusammen."
Wir saßen noch lange dort.
Redeten leise über Träume, über Ängste, über Möglichkeiten.
Über das Restaurant.
Über meine Zukunft.
Über seine.
Über uns.
Und als wir schließlich Hand in Hand aufstanden und den Weg zurück nach Hause gingen, fühlte es sich an, als würden wir nicht nur gehen.
Sondern anfangen.
Richtig anfangen.
Das war nicht das Ende unserer Geschichte.
Es war das Ende eines Kapitels—
und der Anfang eines ganzen Buches.
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𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬
Fantasy•𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬• 𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬 Fantasy ___________________________________________ Ein 17 jähriges Mädchen was vertieft in ihren Büchern und Fantasien ist, wird ihrer Welt aufeinmal nicht mehr klar. Ihre Welt war nicht das beste was...
