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Kapitel abgeschlossen!

Verdammt, nein, nein, nein! Wieso immer dann, wenn es gerade gut wird?

Ich schlug genervt mit der Hand auf mein Bett, das Tablet fest in der anderen. Mein Herz raste, weil gerade der spannendste Teil gekommen war und dann diese Stimme. Diese eine Stimme, die es immer schaffte, mir alles zu ruinieren.

„Es reicht irgendwann mal. Findest du nicht?" Ich verdrehte meine Augen, als ich die nervige Stimme meiner Stiefmutter hörte. Sie stand im Türrahmen, die Arme verschränkt, mit diesem überheblichen Blick, der mir jedes Mal das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ihre perfekt lackierten Nägel klackten gegen ihren Armreif, während sie mich musterte, als wäre ich etwas Schmutz, den sie gleich wegwischen würde.

„Halt die Klappe", murmelte ich wohl wissend, dass sie es gehört hatte. Ihre schnellen Schritte kamen sofort näher, und patsch!

Das Geräusch hallte durch das ganze Zimmer. Für einen Moment war alles still. Ich spürte, wie die Wärme auf meiner Wange brannte, wie sich Tränen in meinen Augen sammelten, aber ich zwang sie zurück. Das war nicht das erste Mal. Ehrlich gesagt, hatte ich mich schon daran gewöhnt.
Es war fast schon Routine geworden eine, die weh tat, aber an die man sich seltsamerweise gewöhnt, weil man keine andere Wahl hat.

Mein Dad bekam es nie mit. Aber wenn er es wissen würde, hätte er wahrscheinlich auch keine Einwände. Ich sah es schon vor mir wie er sie ansah, mit diesem liebevollen Blick, den ich so vermisst hatte.

„Du sprichst gefälligst nicht so mit mir!"  Ich schaute nach unten zu meinem Tablet, das noch auf meinem Bett lag, als wäre es meine letzte Zuflucht in dieser Welt. Doch sie griff danach, riss es mir mit einem Ruck aus der Hand so schnell, dass ich kaum reagieren konnte und knall hart auf den Boden schmiss, dass es in ganzen Stücken zerbrach.

Das Krachen war wie ein Schlag in meine Brust. Für einen Moment konnte ich nur das Splittern hören, als würde mein Herz gleich mit zerspringen.

„Was hast du getan?"
Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Ich bückte mich langsam runter, die Hände zitterten, als ich die Reste aufhob. Ich versuchte, es anzuschalten nutzlos. Der Bildschirm blieb schwarz. Kein Licht, kein Ton, nur Stille. Die Hälfte vom Tablet lag auf dem Boden.

Ich starrte es an. Es war, als würde ich zusehen, wie der letzte kleine Teil meiner Welt zerstört wurde.

„Dieses Ding hätte dich nur noch dümmer gemacht, als du ohnehin schon bist!" fauchte sie, dann knallte sie die Tür hinter sich zu.

Ich stand da, starrte auf die Tür. Sekundenlang. Minutenlang vielleicht. Dann kam alles auf einmal. Ich ließ meinen Tränen freien Lauf. Sie brannten auf meiner Haut, liefen über meine Wange, tropften auf die kalten Scherben.

Das war die einzige Sache, die mir noch am Herzen lag. Oder die mich einigermaßen unterhielt.
Erst mein Handy. Dann mein Computer. Und jetzt auch noch mein Tablet.

Ich ließ mich auf den Boden sinken, direkt zwischen den Resten davon. Alles fühlte sich leer an. Nur das Ticken der Uhr an der Wand war zu hören langsam, quälend, wie ein ständiger Reminder, dass die Zeit weiterging, egal, wie sehr man selbst in einem Moment stecken blieb.
























[...]























„Hey, Schatz."

Aber ich sah, was darunter war.
Hinter dieser freundlichen Stimme, hinter dem süßen Tonfall, steckte dieselbe Frau, die vor ein paar Stunden mein Tablet zerbrochen hatte, ohne mit der Wimper zu zucken.

𝐌𝐲 𝐌𝐚𝐟𝐢𝐚 𝐁𝐨𝐬𝐬Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt